Unterm Herdenstein (eine Tiermenschen Geschichte) - Des Dramas Dritter Teil

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    • Kapitel 144 - Bis zum Reißen gespannt


      Die Schamanen banden jedem der Kämpfer schließlich die Hände und Unterarme auf dem Rücken zusammen. Ein Zweiter aus den Reihen des Rates kontrollierte jeweils die Arbeit seines Vorgängers, bis alle Herausforderer entsprechend abgefertigt worden waren. Brak schaute aufmerksam zu wie Bratak und Shargah je einem der muskelbepackten Hünen die Fesseln anlegten. Nie hätte er geglaubt diesem Ritus einmal so nahe sein zu dürfen, im Ring zu stehen und den Größten und Mächtigsten unter ihresgleichen in ihrer wichtigsten Stunde direkt gegenüberzustehen. Aber es war ganz und gar kein Traum, dessen war sich der junge Gor bewusst. Viel zu deutlich und detailliert nahm er die Dinge wahr. Alles war so intensiv und lückenlos wie ein Traum es nie sein könnte. Die chorartigen Rufe der Menge und das Trommeln bescherten ihm eine Gänsehaut. In diesem Moment badete er geradezu in der Stimmung, welche diese unbändige Masse an halbnackten Leibern da um ihn herum aufbaute. Genau jetzt schienen sie ihm wie der Inbegriff primitiver Wilder. Ein Lächeln huschte ihm über das Gesicht als ihm klar wurde, dass sie genau das und nicht anderes waren.

      Turgok nahm Gurlak die Maske ab und trat wieder zurück in die Menge, dann wurden die Gors von den Schamanen in gebührendem Abstand um den im Zentrum stehenden Monolithen herum verteilt. Shargah spähte zu Merrhok hinüber, um zu sehen wie es ihm ging. Der Häuptling schien beinahe abwesend oder desinteressiert zu sein. Der Alte hoffte nur, dass sich sein Schützling im Griff hatte.

      Die Herausforderer blickten sich im Kreis um. Nach und nach verließen die Schamanen den inneren Ring und so blieben nur noch die Krieger übrig, wartend auf das Signal zum Kampf, welches sie endlich von den Qualen des endlosen Ausharrens erlösen sollte. Die Atmung der gut verschnürten Gors wurde schneller und einige von ihnen begannen sich bereits an den Fesseln zu stören, welche ihrer Meinung nach entweder zu eng saßen oder sie in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkten. Die Spannung im und um den Steinkreis war beinahe greifbar und die feinen Sinne der Häuptlinge drohten geradezu von der Flut an Eindrücken überreizt zu werden. Sie rochen unzählige mehr oder minder starke Noten. Unter den dominantesten Eindrücken waren Moschus, Schweiß, Angst, Blut und eine bombastische Ansammlung und Kombination von Hormonen. Die besonders Ungestümen unter den Kämpfern konnten sich kaum noch zurückhalten. Das Publikum schrie nach Blut und skandierte wieder und wieder im Takt die Namen ihrer Favoriten. Dabei wurden sie mit jedem Ruf lauter und eindringlicher. Was die Brust der Einen vor Stolz schwellen ließ, löste bei einigen der anderen Häuptlinge Gefühle von Eifersucht bis hin zu unbändigem Zorn aus. Sie begannen sich gegenseitig anzubrüllen. Hier und da mussten die Schamanen den einen oder anderen der Kontrahenten zurechtweisen und dazu ermahnen, den ihm zugesprochenen Platz nicht zu verlassen bevor das Signal nicht gegeben worden wäre. In all dem Lärm waren die Stimmen der Ältesten kaum noch zu hören und die Minotauren schauten mit einer Art Genugtuung gen Herdenstein, wo das viel zu lang aufgestaute Gewaltpotential der versammelten Herden sich nun endlich in der dafür vorgesehenen Form entladen würde. Nur einer unter den Häuptlingen entzog sich dem an den Nerven reißenden Sog der mehr und mehr überbordenden Emotionen.

      Verglichen mit dem Rest, ruhte Merrhok geradezu in sich selbst. Er hatte sich einen Punkt auf dem Boden gesucht, etwa zehn Fuß vor sich. Durch diesen starrte er gewissermaßen hindurch bis er ihn nicht mehr wahrnahm. Auf diese Art hatte er sein gesamtes Gesichtsfeld – mit den Gegnern zu seiner Linken, jenen zu seiner Rechten und dem grünlich schwarzen Monolithen in der Mitte – im Überblick, ohne tatsächlich auf einen bestimmten Punkt zu schauen. Er nahm jede Veränderungen – wie die Bewegungen seiner Kontrahenten – zeitgleich wahr. Nichts lenkte ihn so von anderen Vorgängen oder Gefahren ab. Er wusste genau wo er war und was es zu tun galt, aber all der Ballast, all das Unwichtige wurde einfach aus seinem Bewusstsein ausgeschlossen. Diesen Zustand zu erreichen bedurfte einiger Übung, hatte aber etwas Beruhigendes an sich und so kam er tatsächlich dazu, sich inmitten dieses unglaublichen Tumultes zu entspannen. Er atmete jetzt ruhig und tief durch seinen Bauch. Selbst die Fesseln schienen ein Teil von ihm zu werden. Der Lärm um ihn herum trat in seiner Wahrnehmung langsam aber stetig in den Hintergrund und schon bald hatte Merrhok das Gefühl, als wäre er in etwas Pelziges gepackt. Dann plötzlich ertönte – wie in weiter Ferne – ein Horn und blitzartig kam Bewegung in die Gestalten im Inneren des Ringes.




      "Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen." - F. Nietzsche

    • Kapitel 145 - Leichte Beute


      Als das Oberhaupt der Wächterbullen das Signalhorn von den Lippen nahm sah er, dass die Alpha-Gors sich getreu ihrer Natur bereits gegen die vermeintlich Schwächsten ihrer Artgenossen gewandt hatten. Eines der ersten Opfer war ein drahtiger Caprigor mit einem Pferdegesicht. Der Häuptling, den sie Bronzehuf nannten, preschte unversehens auf den leichteren Kontrahenten los, um ihn niederzuwerfen. Das Pferdegesicht war schnell und versuchte dem Kopfstoß den Größeren auszuweichen, musste aber feststellen, dass es mit verbundenen Armen ungleich schwerer war das Gleichgewicht zu halten als es sonst der Fall sein mochte. Er konnte seinen Kopf zwar rechtzeitig zur Seite ziehen, strauchelte aber, als er rechts an dem bemerkenswert flinken Bronzehuf vorbeitauchen wollte. Dabei wurde er von dem schwereren Gor rücksichtslos über den Haufen gerannt und mehr als unsanft auf den steinernen Boden geworfen. Als zweites Opfer schienen sich die Häuptlinge den Stummen ausgesucht zu haben, welcher allein angetreten war und so teilnahmslos wirkte, dass ihn keiner für eine ernstzunehmende Gefahr hielt. Der Bulle sah emotionslos zu, wie ein in weißer Kriegsbemalung getünchter Widderkopf sich anschickte kurzen Prozess zu machen. Er preschte ungebremst auf den stillen Gor zu und senkte seinen breiten Schädel zum Kopfstoß. Für einen Moment sah es aus als wolle der Stumme nicht reagieren und würde von der verheerenden Attacke einfach niedergewalzt. Kurz bevor der Widderkopf jedoch mit ihm zusammenstieß, machte er flink wie ein Blitz einen unvermittelten Schritt zur Seite und zog sein Knie hoch. Der Weißgesichtige knickte schmerzgekrümmt vornüber und musste sogleich zwei heftige Huftritte einstecken. Der Erste traf ihn seitlich in die Rippen und schickte ihn atemlos zu Boden. Der Zweite mochte ihn wohl mitten ins Gesicht getroffen haben. So genau konnte der Wächter das Treiben am Boden des Steinkreises nicht verfolgen. Zumindest stand der Widderkopf nicht wieder auf und auch der zweite Angreifer zögerte nun, unsicher ob er dem unberechenbaren Stummen so einfach Herr werden könnte wie eben noch gedacht.

      Gurlak hatte sich erst einmal zurückgehalten als er sah, dass Ghorhok sich nicht unvermittelt auf ihn werfen würde. Er war zugegebenermaßen ein wenig überrascht darüber, aber der sonst so unberechenbare Bronzehuf mochte wohl doch genug Verstand aufbringen, um sich erst jener Kontrahenten zu entledigen, an denen er eigentlich kein wirkliches Interesse hatte und die er aus dem Weg wissen wollte, wenn er den finalen Kraftakt - das Duell mit seinem erklärten Feind - hinter sich gebracht hätte. So sah Gurlak zu, wie Ghorhok einen schwächeren Gor niederschmetterte und unbarmherzig auf ihn eintrat. Der bulligere der beiden Widderschädel und das Schwarzhorn hatten nicht so viel Erfolg bei ihrer ersten Konfrontation. Sie glaubten in Merrhok ein williges Opfer gefunden zu haben, aber Dieser wehrte sich wie aus dem Nichts auf unerwartet unbarmherzige Weise. Der Widder mit der weißen Kriegsbemalung wurde nach einer missglückten Attacke in den Staub getreten und blieb, nach ein paar brutalen und geschickt platzierten Tritten, reglos liegen. Das Schwarzhorn wollte seinen Angriff wohl schon abbrechen, da kam Merrhok unversehens auf ihn zu. Davon ließ sich das brutal wirkende Narbengesicht allerdings nicht foppen und warf sich ihm entgegen. Merrhok wollte auch ihm im Sprung sein Knie in den Leib rammen, das Schwarzhorn schoss jedoch steil in die Höhe und wehrte das Knie seines Kontrahenten unter Einsatz des eigenen Oberschenkels geschickt ab. Dabei übertraf er die Sprunghöhe seines Angreifers sogar deutlich und sah plötzlich die Möglichkeit mit einem gewaltigen Kopfstoß auf seinen Widersacher niederzufahren. Merrhok riss jedoch instinktiv das Kinn an die Brust und stellte somit seine in Wellen nach hinten verlaufenden Hörner steil auf. Der schwarz Gehörnte fand keine Möglichkeit mehr seinen Fall zu stoppen und hatte alle Mühe sein Augenlicht vor den drohend aufragenden Hornspitzen zu bewahren. Der Preis dafür war eine hässliche Wunde an der rechten Wange und Schläfe, sowie eine weitere ernsthaft blutende Verletzung der linken Schulter. An Dieser spießte Merrhok seinen Kontrahenten beinahe auf und musste ihn mit einer ruckartigen Bewegung nach vorn geradezu abwerfen. Das Schwarzhorn heulte vor Schmerzen und wand seinen gefesselten Körper wie eine angestochene Wildsau, halb vor Qualen aber vor Allem auch aus unbändiger Wut. Noch bevor Merrhok auf den am Boden Liegenden eintreten konnte kam ihm Ghorhok zuvor und stampfte mit einer solchen Hemmungslosigkeit auf den Verletzten ein, dass dieser sogleich verstummte und sich unmittelbar darauf – bis auf das leichte Zucken eines seiner Beine – auch nicht weiter bewegte. Die Menge heulte auf. Die Einen vor Blutgier und bösartiger Freude, die Anderen vor Schrecken und Mitgefühl ihrem Häuptling und Anführer gegenüber. Ghorhok blickte mit einem diabolischen Gesichtsausdruck von seinem Opfer auf, direkt in Merrhoks Augen.




      "Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen." - F. Nietzsche

    • Hm, naja... immerhin ist es ja die besinnliche Jahresendzeit...

      Wenn Ihr mögt, stelle ich ab morgen jeden Tag ein Kapitel rein, bis wir durch sind. Habt Ihr da Lust drauf oder ginge das dann doch zu schnell?

      "Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen." - F. Nietzsche

    • 14

      Kapitel 146 - Bluttrinker


      Brak stand inmitten der Schamanen auf seinen bereits liebgewonnenen Stab gestützt und betrachtete das Treiben im Inneren des Ringes. Dabei hatte er das Gefühl, dass die vom Herdenstein ausgehende Energie stetig anwuchs. Möglicherweise reagierte der Warpstein, welcher den Monolithen durchzog, auf die gewaltigen Emotionen der versammelten Kinder des Chaos, das bereits vergossene Blut oder gar Beides. Eine deutliche Veränderung der Energieströme war in jedem Fall nicht von der Hand zu weisen, das würde sicher jeder der anwesenden Schamanen bestätigen. Gerade als Ghorhok wie wild auf ein am Boden liegendes Narbengesicht mit nachtschwarzen Hörnern eintrat und dabei erneut eine nicht unbeträchtliche Menge dunkelroten Blutes vergoss, rollte eine weitere Woge Dunkler Energie über Brak hinweg. Dabei hatte er das Gefühl, als könne der rasende Bronzehuf ganz allein ein Portal zu den Dunklen Mächten öffnen, sollte er auf diese Weise weiterwüten. Wie ein Raubtier schien er sich von unten nach oben durch die Nahrungskette fressen zu wollen, um schließlich die Stellung an der Spitze für sich zu beanspruchen. Nun stand er Merrhok gegenüber, den Brak noch gut als den stummen Jäger kannte, mit dem er einst Seite an Seite gekämpft hatte, bevor sie auf dem Bestienpfad den verborgenen Weg hier her ausgekundschaftet hatten. Damals erschien ihm der Häuptling nicht übermäßig brutal oder blutrünstig zu sein. Wenn überhaupt, dann hätte Brak eher geschätzt, dass sie Beide in etwa auf Augenhöhe wären. Nun aber, wo er sah wie Merrhok da im Inneren des Steinkreises stand – Auge in Auge mit einem Schlächter wie Ghorhok – ohne ein Zeichen von Angst oder Abscheu – Blut von seinen Hörnern auf sein Haupt tropfend – da wurde Brak unmissverständlich klar, dass ganze Welten zwischen ihnen lagen.

      Merrhok hatte deutlich Mühe damit, sich nicht ablenken zu lassen. Auf Dauer nicht von den Blicken oder Bedrohungen wie geschärften Hörnern der Gegner irritiert und gefesselt zu werden, war unglaublich viel schwerer als er sich je hätte vorstellen können. Der Kampf hatte gerade erst begonnen und schon glaubte er aus dem Konzept zu geraten. Ghorhoks durchdringender Blick aus orangerot glühenden Augen schien an seinem Nervenkostüm zu zerren. Dieser Gor war der absolute Inbegriff eines Mord-Bockes. Wenn er ihm gegenüber einen Fehler beginge, wäre es mit Sicherheit sein letzter. Dazu müsste er nicht einmal den Zorn in ihm wecken. Jeder der zwischen Gurlak und dem Bronzehuf stand, war zweifelsohne verdammt. "Lass los. Nicht denken.", schoss es Merrhok durch den Kopf. Ihm war nicht ganz klar ob es seine eigenen Gedanken waren, aber das Mantra half ihm heraus aus der Bedrohlichkeit der Realität, zurück in das Nichts, in dem Raum und Zeit keinerlei Rolle spielten. Er starrte durch Ghorrhok hindurch und nahm wahr, wie dieser auf ihn zu geschnellt kam. Plötzlich huschte etwas von der Seite her in sein Sichtfeld. Das Ganze ging so schnell und überraschend, dass er erneut für einen kurzen Moment den Fokus verlor. Merrhok nahm nur wahr, wie ein roter Blitz seitlich in den Bronzehuf hineinschmetterte und mit diesem zu Boden ging.

      Wenngleich Merrhok ihn nicht beim Namen kennen mochte und sich kaum noch erinnern konnte, dass sie unlängst auf derselben Seite gegen Graktars Heer gekämpft hatten, war Fhirghaz sich sehr wohl bewusst, wer Ghorhok und Merrhok waren. In ersterem hatte er die eindeutig größere Gefahr gesehen und so war es naheliegend ihn zuerst anzugehen. Er wollte den Bronzehuf auszuschalten, so lange dieser von einem schwächeren Gegner abgelenkt wäre. Den wohl deutlich unterlegenen Merrhok glaubte der blutrot bemalte Caprigor im Anschluss mehr oder minder problemlos ausschalten zu können. Wenngleich er nicht ungefährlich wäre, so stellte Merrhok doch die eindeutig geringere Gefahr dar als Ghorhok. Fhirghaz Bluttrinker riss den unvorbereiteten Bronzehuf mithilfe eines gewaltigen Kopfstoßes zu Boden. Dabei überschlugen sich die Beiden und landeten unsanft am Rande des Steinkreises, nahe dem johlenden und tobenden Publikum. Einige der Anhänger des Schwarzhorns drohten dem niedergerissenen Bronzehof mit Fäusten und sahen in Fhirghaz den Rächer ihres entehrten Herrn.

      An Schulter und Schläfe getroffen, verlor Ghorhok kurzzeitig die Orientierung. Durch den Nebel seiner Raserei drang so etwas wie ein dumpfer Schmerz und das Gefühl von pelziger Taubheit. Die Tatsache so unsanft aus seinem Rausch gerissen worden zu sein und dabei die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren, machte ihn nur noch wütender. Instinktiv versuchte er festzustellen wo oben und unten waren. Dann tat er sein Bestes, um so schnell wie es ihm möglich war wieder auf die Beine zu kommen. Die eng an den Oberkörper gefesselten Arme machten es nicht einfach sich aufzurichten und so kostete es den Bronzehuf große Mühen sich aufzurappeln. Kaum war er mit seinem Oberkörper wieder in der Senkrechten, kam ein rotes Maul, weit aufgerissen und mit dolchartigen Fangzähnen bewehrt, auf sein Gesicht zugeschossen. Ghorhok wollte die Arme zur Abwehr hochreißen, fand sich in Anbetracht der Fesseln jedoch hilflos. Instinktiv kniff er die Augen zusammen und drehte das Gesicht zur Seite, dann kam der Schmerz.





      "Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen." - F. Nietzsche

    • Jaaa , irre Bilder in meinem Kopf .
      Ganz schön erschreckend wie ' Süchtig ' deine Story machen kann !
      Ich muß dazu sagen dass mir Geschichten mit schneller Handlung schon immer gefallen haben !
      :sende:
      Borrarum......muhahah !!!
      Aus mir wird bald ein Chaosgeäst !!
    • 15

      Kapitel 147 - Verbissen


      Der Bronzehuf heulte auf, als sich rasiermesserscharfe Fänge in sein Gesicht vergruben. Es fühlte sich an, als ob ihm das Fleisch von Schädel gerissen würde und größer als der Schmerz war paradoxerweise plötzlich die Angst vor einer drohenden Entstellung. Ghorhok sah buchstäblich rot. Ob nun von seinen Wunden herrührend oder lediglich bedingt durch seinen ausufernden Zorn, war ihm gleich. Er kämpfte gegen den Instinkt an sein Gesicht wegziehen zu wollen und drückte es stattdessen unmittelbar und mit Kraft in den Schmerz hinein. Dabei drehte er sich unter erheblichen Qualen, so gut er es vermochte in Richtung des Angreifers und biss seinerseits ebenfalls zu.

      Fhirghaz trank Blut. Erst war es das des Bronzehufs und er saugte gierig danach, während er seine Kiefer fest geschlossen hielt wie ein Grubenhund, welcher sich in einen Bullen verbissen hatte. Er hörte Ghorhoks heulen und plötzlich war es sein eigener Lebenssaft, welcher ihm warm und süß die Kehle hinab zu rinnen begann. Der Bronzehuf hatte sich in seinem verzweifelten Kampf im Hals des widderköpfigen Gors verbissen und ließ erst ab als Fhirghaz in Ermangelung von Atemluft selbst den krampfenden Kiefer lösen musste. Der Bluttrinker fiel gurgelnd und nach Sauerstoff ringend hinten über, prallte schwer auf dem Steinboden auf und strampelte vergeblich nach Halt suchend mit seinen Hammelbeinen umher. Benommen, blutüberströmt und von blinder Wut beseelt beugte sich Ghorhok über seinen Kontrahenten. Der dunkelrote Lebenssaft des am Boden Zappelnden hatte bereits begonnen die Vertiefungen der Runen auf dem steinernen Boden zu füllen. Gerade als der Bronzehuf sich aus der Hocke erheben wollte, nahm er einen Schatten zu seiner Linken wahr. Reflexartig wandte er das ruinierte Gesicht in Richtung der durch den roten Schleier erspähten Bewegung und wurde gleich darauf von der Dunkelheit verschluckt.

      Gurlak war an die beiden ineinander verbissenen Häuptlinge herangetreten und willens, dem Elend ein Ende zu bereiten. Er war jedoch nicht schnell genug, da Merrhok bereits von der anderen Seite an die ineinander Verbissenen herangetreten war und dem Bronzehuf nun einen schweren, von oben geführten Stoß mit Kopf und Hörnern verpasste. Es klackte und knackte laut, als Horn auf Horn und Schädel auf Schädel trafen. Ghorhok sackte in sich zusammen und Merrhok hob seinen Schädel, Stirn und Nase rot vom warmen Blut des gefällten Bronzehufs.

      Gurlak zögerte keinen Moment länger und schoss auf den letzten verbleibenden, noch auf seinen Beinen befindlichen, Herausforderer zu. Merrhok riss den Kopf herum und machte einen Ausfallschritt zur Seite. Gurlak hielt seinen massigen Schädel tief und seine imposanten Hörner deckten einen großen Raum ab. Hätte Merrhok sich von der gewaltigen Hornpracht ablenken lassen, wäre er wohl unversehens rückwärts in die Zuschauer Menge getrieben oder niedergerannt worden. Aber geistesgegenwärtig machte er einen Schritt über die am Boden liegenden und zwang Gurlak dazu seinen Ansturm zu bremsen, wenn er nicht riskieren wollte zu stolpern oder möglicherweise noch vom Boden her attackiert zu werden. Merrhok tänzelte seitwärts im Kreis herum, um das Publikum wieder aus seinem Rücken zu bekommen. Das Letzte was er wollte war, den gleichen Fehler ein zweites Mal zu begehen und sich hinterrücks aus dem Pulk zu Boden knüppeln zu lassen. Das Ganze geschah eher instinktiv, nicht als bewusste oder durchdachte Handlung. Die erlittene Schmach musste ihm seit seinem letzten Kampf so deutlich in Fleisch und Blut übergegangen sein, dass sein Körper in diesem Augenblick einfach tat was notwendig war.

      Shargah verfolgte jede von Merrhoks Bewegungen mit Argusaugen und es fiel ihm zunehmend schwerer keinen Einfluss auf das Geschehen zu nehmen. Bratak hingegen hatte seine Augen eher an Shargah geheftet als an Gurlak. Er fürchtete eine Einmischung seines Mitschamanen mehr als die Kampfkraft eines anderen Häuptlings. Die Sinne des weißhäutigen Schamanen waren geschärft, aber er konnte nichts ausmachen was über innere Zerrissenheit und Empathie hinausgegangen wäre. Auch die anderen Ältesten starrten entweder gebannt auf den Kampf oder sondierten das Umfeld und den stetig wechselnden Fluss der Dunklen Energie. Brak war vor dem Kampf eingeschärft worden in jedem Fall neutral zu bleiben. Je weniger Emotionen und Mitgefühl er sich leisten würde, desto geringer wäre die Gefahr unabsichtlich auf die Dinge einzuwirken. Während er sich diese Weisung wieder ins Gedächtnis rief, fiel ihm ein was er gefühlt hatte als er Gurlak gegen den Norsen-Häuptling hatte kämpfen sehen. Mittlerweile verstand er, dass es genau um diese Art von Einflussnahme ging. Damals hatte er sich gar nicht bewusst dafür entschieden einzugreifen. Alles was er getan hatte war sich vorzustellen, wie er seinem Herdenführer Kraft in der Stunde der Not spenden würde. Der Rest war wie von ganz allein geschehen. Hier und jetzt wusste er nicht wem sein Mitgefühl eher galt, dem alten Großhäuptling – welcher sie in einer gewaltigen Schlacht geführt hatte – oder dem Häuptling seines Mentors, Shargah. Und da waren sie bereits, Zerrissenheit und Emotion.





      "Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen." - F. Nietzsche

    • Stellt das Bild Ghorhok dar? Der Arme!
      Ich mag ihn zwar nicht besonders, aber scheinbar habe ich die gesamte Empathie abbekommen, die meinen Truppen fehlt... ;(

      Das also sind diese Tage, an denen man zuhause sitzt, Bier direkt aus der kaputten Kaffeemaschine trinkt und wartet, dass es regnet, damit man endlich raus kann. - Horst Evers
    • @wood y ellan Danke!

      @Marghor Ja, das ist Ghorhok, kurz bevor er in den Staub geht. (Empathie ist übrigens etwas Gutes und Gesundes!) :)

      Es fällt mir übrigens ziemlich schwer immer nur ein einzelnes Kapitel reinzustellen und Euch nicht mit mehr zu bombardieren. :D Das macht mir echt grad einen riesen Spaß. :hihi:

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    • Das einzige, was ich dagegen einzuwenden habe, ist, dass es dann so schnell vorbei ist! ;) (Es sei denn, du versorgst uns mit Kapiteln auf Lebenszeit.)
      Sehr schön zu hören, dass es dir immernoch Spaß macht und du nicht "nur noch fertig werden" willst! :thumbsup:

      Und ja, ich bin auch recht zufrieden mit meiner Weichherzigkeit. :)

      Das also sind diese Tage, an denen man zuhause sitzt, Bier direkt aus der kaputten Kaffeemaschine trinkt und wartet, dass es regnet, damit man endlich raus kann. - Horst Evers
    • Die Story ist schon eine ganze Weile lang fertig. Das hat mir die Möglichkeit verschafft hier und da an den Formulierungen zu feilen oder kleine Details auszubessern (oder zu verschlimmern?). Was sich etwas haariger gestaltet hat war, genügend passendes Bildmaterial für jedes Kapitel zur Verfügung zu haben. Aber ich bin nun mit Allem soweit durch. :) Die PDFs (sowohl mit als auch ohne Bebilderung) sind auch fertig und ich kann gemütlich den Rest veröffentlichen, ohne Druck und Durststrecken.

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    • 16

      Kapitel 148 - Weckruf


      Gurlak war auf der Hut. Merrhok schien verflucht schnell und dazu noch hochkonzentriert zu sein. Wenngleich er das Durchhaltevermögen des jüngeren Gors kannte und achtete, hätte er nicht damit gerechnet ihm erneut im Endkampf gegenüberzustehen. Unweigerlich gingen ihm die Fehler durch den Kopf, welche er sich während ihrer letzten Auseinandersetzung geleistet hatte. Seine Kräfte besser einzuteilen als beim letzten Mal, darauf hatte er bereits geachtet. Und dann waren da noch sein unfreiwilliger Zusammenprall mit dem Herdenstein sowie die daraus resultierenden, höllischen Schmerzen. Heute Nacht hatte er nicht vor diesen Fehler erneut zu begehen. Zu knapp war der Ausgang des damaligen Kampfes gewesen und nur Glück, sowie die Intervention von außen, hatten den Kampf zu seinen Gunsten entschieden. Diesmal wollte er keine Zufälle, keine Unfälle, keinerlei Einmischung von fremder Hand. Sein Sieg müsste vollkommen sein.

      Die beiden Häuptlinge umkreisten sich gegenseitig wie wilde Wölfe, bereit ihre Beute zu reißen. Merrhoks Puls war geringfügig höher als der des älteren Herausforderers. Er hatte zwar nur sehr kurz gekämpft, dafür aber umso heftiger. In einem Gorkampf durfte man sich nicht auf einen Zermürbungszwist einlassen, wenn man noch mehr als einen Gegner niederzuringen hatte. Hier und jetzt war alles offen. Der Jüngere hatte Blut gekostet und vergossen, der Ältere hatte seine Kräfte gespart und abgewartet bis sich die heißblütigen, unerfahreneren Herausforderer gegenseitig dezimiert hatten. Sein Herz schlug deshalb jedoch nicht weniger wild. Es schrie geradezu danach, dass Gurlak endlich auf seinen Gegner losgehen möge und ihn am Boden zerschmettern solle. Es war nicht so, dass er etwas gegen den jungen Gor hatte, vielmehr sprach seine Natur aus ihm, wenn es darum ging jeden Widersacher rigoros aus dem Weg zu räumen. Es war lediglich seine Erfahrung, die ihn davon abhielt blindlings loszudonnern und die Endscheidung zu seinen Gunsten auf unvorsichtige Weise erzwingen zu wollen. Woher sein Gegenüber einen solch klaren Kopf nahm, obwohl er doch weit weniger Erfahrung vorzuweisen hatte, erschloss sich dem Älteren nicht wirklich und genau das bereitete ihm Sorgen.

      Merrhoks Fähigkeit loszulassen war mit einem Mal wie weggeblasen. Der Zusammenprall mit Ghorhoks Schädel hatte seinen Körper mit Adrenalin geflutet und die einsetzende leichte Orientierungslosigkeit tat nun ihr Übriges, um ihn aus dem Konzept zu bringen. Mit einem Mal durchlebte er wieder die Szenen eines längst vergangenen, wenngleich unvergessenen, Kampfes. Er musterte Gurlak, welcher sich seit damals körperlich stark verändert zu haben schien. Seine Blicke wanderten von der nackten Brust mit den Narben und Tätowierungen über die Oberarme in das finster dreinblickende Bocksgesicht des Älteren. Sein Augenausdruck war eiskalt und durchdringend. Merrhok wusste, dass in diesem Moment alles falsch lief, aber er fand sich selbst unfähig dazu den Weg zurück zu finden. Viel zu gebannt war er von körperlichen und geistigen Eindrücken, die gnadenlos auf ihn einprasselten wie ein Hagelschauer aus heiterem Himmel. Ohne darüber nachzudenken gab Merrhok dem Drang nach seinen Widersacher anzubrüllen. Sein Maul öffnete sich und er legte seinen gesamten Groll in den Schrei. Kein nennenswerter Laut verließ seine Lippen. Es war geradezu als hätte er in den luftleeren Raum geröhrt. Die Menge wurde unweigerlich ein wenig stiller. Wenngleich Gurlaks Anhänger weiter seinen Namen skandierten und Merrhoks Ungors fortwährend aus Leibeskräften brüllten und meckerten, hatte der Lautstärkepegel sich doch deutlich gesenkt. Es war als wenn alle hören wollten, was der Stumme zu sagen haben mochte. Aber sie lauschten vergeblich.

      Peinlich berührt darüber, die eigene Unfähigkeit zu Brüllen vergessen zu haben, schoss Merrhok das Blut in den Schädel. Zwar war seine Haut zu dunkel, als dass man dies hätte sofort erkennen können, aber er begann unweigerlich zu schwitzen und sein Puls trommelte wie eine Serie von Paukenschlägen in seinen Schläfen. Dann stieg Wut in ihm darüber auf, dass die erneute Konfrontation mit Gurlak ihn zu solch einer Torheit hatte verleiten können. Die Situation drohte ihm vollends zu entgleiten und Shargah sah mit Entsetzen, wie alles wofür sie so lange und hart gearbeitet hatten, direkt vor ihren Augen zu zerbrechen drohte. Der Alte glaubte dieselben Fesseln zu tragen wie sein Schützling. Es gab nichts was er in diesem Moment tun konnte, außer aus vollem Leibe zu brüllen, "Lass los!"





      "Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen." - F. Nietzsche