Unterm Herdenstein (eine Tiermenschen Geschichte) - Des Dramas Dritter Teil

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    Kapitel 144 - Bis zum Reißen gespannt



    Die Schamanen banden jedem der Kämpfer schließlich die Hände und Unterarme auf dem Rücken zusammen. Ein Zweiter aus den Reihen des Rates kontrollierte jeweils die Arbeit seines Vorgängers, bis alle Herausforderer entsprechend abgefertigt worden waren. Brak schaute aufmerksam zu wie Bratak und Shargah je einem der muskelbepackten Hünen die Fesseln anlegten. Nie hätte er geglaubt diesem Ritus einmal so nahe sein zu dürfen, im Ring zu stehen und den Größten und Mächtigsten unter ihresgleichen in ihrer wichtigsten Stunde direkt gegenüberzustehen. Aber es war ganz und gar kein Traum, dessen war sich der junge Gor bewusst. Viel zu deutlich und detailliert nahm er die Dinge wahr. Alles war so intensiv und lückenlos wie ein Traum es nie sein könnte. Die chorartigen Rufe der Menge und das Trommeln bescherten ihm eine Gänsehaut. In diesem Moment badete er geradezu in der Stimmung, welche diese unbändige Masse an halbnackten Leibern da um ihn herum aufbaute. Genau jetzt schienen sie ihm wie der Inbegriff primitiver Wilder. Ein Lächeln huschte ihm über das Gesicht als ihm klar wurde, dass sie genau das und nicht anderes waren.


    Turgok nahm Gurlak die Maske ab und trat wieder zurück in die Menge, dann wurden die Gors von den Schamanen in gebührendem Abstand um den im Zentrum stehenden Monolithen herum verteilt. Shargah spähte zu Merrhok hinüber, um zu sehen wie es ihm ging. Der Häuptling schien beinahe abwesend oder desinteressiert zu sein. Der Alte hoffte nur, dass sich sein Schützling im Griff hatte.


    Die Herausforderer blickten sich im Kreis um. Nach und nach verließen die Schamanen den inneren Ring und so blieben nur noch die Krieger übrig, wartend auf das Signal zum Kampf, welches sie endlich von den Qualen des endlosen Ausharrens erlösen sollte. Die Atmung der gut verschnürten Gors wurde schneller und einige von ihnen begannen sich bereits an den Fesseln zu stören, welche ihrer Meinung nach entweder zu eng saßen oder sie in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkten. Die Spannung im und um den Steinkreis war beinahe greifbar und die feinen Sinne der Häuptlinge drohten geradezu von der Flut an Eindrücken überreizt zu werden. Sie rochen unzählige mehr oder minder starke Noten. Unter den dominantesten Eindrücken waren Moschus, Schweiß, Angst, Blut und eine bombastische Ansammlung und Kombination von Hormonen. Die besonders Ungestümen unter den Kämpfern konnten sich kaum noch zurückhalten. Das Publikum schrie nach Blut und skandierte wieder und wieder im Takt die Namen ihrer Favoriten. Dabei wurden sie mit jedem Ruf lauter und eindringlicher. Was die Brust der Einen vor Stolz schwellen ließ, löste bei einigen der anderen Häuptlinge Gefühle von Eifersucht bis hin zu unbändigem Zorn aus. Sie begannen sich gegenseitig anzubrüllen. Hier und da mussten die Schamanen den einen oder anderen der Kontrahenten zurechtweisen und dazu ermahnen, den ihm zugesprochenen Platz nicht zu verlassen bevor das Signal nicht gegeben worden wäre. In all dem Lärm waren die Stimmen der Ältesten kaum noch zu hören und die Minotauren schauten mit einer Art Genugtuung gen Herdenstein, wo das viel zu lang aufgestaute Gewaltpotential der versammelten Herden sich nun endlich in der dafür vorgesehenen Form entladen würde. Nur einer unter den Häuptlingen entzog sich dem an den Nerven reißenden Sog der mehr und mehr überbordenden Emotionen.


    Verglichen mit dem Rest, ruhte Merrhok geradezu in sich selbst. Er hatte sich einen Punkt auf dem Boden gesucht, etwa zehn Fuß vor sich. Durch diesen starrte er gewissermaßen hindurch bis er ihn nicht mehr wahrnahm. Auf diese Art hatte er sein gesamtes Gesichtsfeld – mit den Gegnern zu seiner Linken, jenen zu seiner Rechten und dem grünlich schwarzen Monolithen in der Mitte – im Überblick, ohne tatsächlich auf einen bestimmten Punkt zu schauen. Er nahm jede Veränderungen – wie die Bewegungen seiner Kontrahenten – zeitgleich wahr. Nichts lenkte ihn so von anderen Vorgängen oder Gefahren ab. Er wusste genau wo er war und was es zu tun galt, aber all der Ballast, all das Unwichtige wurde einfach aus seinem Bewusstsein ausgeschlossen. Diesen Zustand zu erreichen bedurfte einiger Übung, hatte aber etwas Beruhigendes an sich und so kam er tatsächlich dazu, sich inmitten dieses unglaublichen Tumultes zu entspannen. Er atmete jetzt ruhig und tief durch seinen Bauch. Selbst die Fesseln schienen ein Teil von ihm zu werden. Der Lärm um ihn herum trat in seiner Wahrnehmung langsam aber stetig in den Hintergrund und schon bald hatte Merrhok das Gefühl, als wäre er in etwas Pelziges gepackt. Dann plötzlich ertönte – wie in weiter Ferne – ein Horn und blitzartig kam Bewegung in die Gestalten im Inneren des Ringes.



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    Kapitel 145 - Leichte Beute



    Als das Oberhaupt der Wächterbullen das Signalhorn von den Lippen nahm sah er, dass die Alpha-Gors sich getreu ihrer Natur bereits gegen die vermeintlich Schwächsten ihrer Artgenossen gewandt hatten. Eines der ersten Opfer war ein drahtiger Caprigor mit einem Pferdegesicht. Der Häuptling, den sie Bronzehuf nannten, preschte unversehens auf den leichteren Kontrahenten los, um ihn niederzuwerfen. Das Pferdegesicht war schnell und versuchte dem Kopfstoß den Größeren auszuweichen, musste aber feststellen, dass es mit verbundenen Armen ungleich schwerer war das Gleichgewicht zu halten als es sonst der Fall sein mochte. Er konnte seinen Kopf zwar rechtzeitig zur Seite ziehen, strauchelte aber, als er rechts an dem bemerkenswert flinken Bronzehuf vorbeitauchen wollte. Dabei wurde er von dem schwereren Gor rücksichtslos über den Haufen gerannt und mehr als unsanft auf den steinernen Boden geworfen. Als zweites Opfer schienen sich die Häuptlinge den Stummen ausgesucht zu haben, welcher allein angetreten war und so teilnahmslos wirkte, dass ihn keiner für eine ernstzunehmende Gefahr hielt. Der Bulle sah emotionslos zu, wie ein in weißer Kriegsbemalung getünchter Widderkopf sich anschickte kurzen Prozess zu machen. Er preschte ungebremst auf den stillen Gor zu und senkte seinen breiten Schädel zum Kopfstoß. Für einen Moment sah es aus als wolle der Stumme nicht reagieren und würde von der verheerenden Attacke einfach niedergewalzt. Kurz bevor der Widderkopf jedoch mit ihm zusammenstieß, machte er flink wie ein Blitz einen unvermittelten Schritt zur Seite und zog sein Knie hoch. Der Weißgesichtige knickte schmerzgekrümmt vornüber und musste sogleich zwei heftige Huftritte einstecken. Der Erste traf ihn seitlich in die Rippen und schickte ihn atemlos zu Boden. Der Zweite mochte ihn wohl mitten ins Gesicht getroffen haben. So genau konnte der Wächter das Treiben am Boden des Steinkreises nicht verfolgen. Zumindest stand der Widderkopf nicht wieder auf und auch der zweite Angreifer zögerte nun, unsicher ob er dem unberechenbaren Stummen so einfach Herr werden könnte wie eben noch gedacht.


    Gurlak hatte sich erst einmal zurückgehalten als er sah, dass Ghorhok sich nicht unvermittelt auf ihn werfen würde. Er war zugegebenermaßen ein wenig überrascht darüber, aber der sonst so unberechenbare Bronzehuf mochte wohl doch genug Verstand aufbringen, um sich erst jener Kontrahenten zu entledigen, an denen er eigentlich kein wirkliches Interesse hatte und die er aus dem Weg wissen wollte, wenn er den finalen Kraftakt - das Duell mit seinem erklärten Feind - hinter sich gebracht hätte. So sah Gurlak zu, wie Ghorhok einen schwächeren Gor niederschmetterte und unbarmherzig auf ihn eintrat. Der bulligere der beiden Widderschädel und das Schwarzhorn hatten nicht so viel Erfolg bei ihrer ersten Konfrontation. Sie glaubten in Merrhok ein williges Opfer gefunden zu haben, aber Dieser wehrte sich wie aus dem Nichts auf unerwartet unbarmherzige Weise. Der Widder mit der weißen Kriegsbemalung wurde nach einer missglückten Attacke in den Staub getreten und blieb, nach ein paar brutalen und geschickt platzierten Tritten, reglos liegen. Das Schwarzhorn wollte seinen Angriff wohl schon abbrechen, da kam Merrhok unversehens auf ihn zu. Davon ließ sich das brutal wirkende Narbengesicht allerdings nicht foppen und warf sich ihm entgegen. Merrhok wollte auch ihm im Sprung sein Knie in den Leib rammen, das Schwarzhorn schoss jedoch steil in die Höhe und wehrte das Knie seines Kontrahenten unter Einsatz des eigenen Oberschenkels geschickt ab. Dabei übertraf er die Sprunghöhe seines Angreifers sogar deutlich und sah plötzlich die Möglichkeit mit einem gewaltigen Kopfstoß auf seinen Widersacher niederzufahren. Merrhok riss jedoch instinktiv das Kinn an die Brust und stellte somit seine in Wellen nach hinten verlaufenden Hörner steil auf. Der schwarz Gehörnte fand keine Möglichkeit mehr seinen Fall zu stoppen und hatte alle Mühe sein Augenlicht vor den drohend aufragenden Hornspitzen zu bewahren. Der Preis dafür war eine hässliche Wunde an der rechten Wange und Schläfe, sowie eine weitere ernsthaft blutende Verletzung der linken Schulter. An Dieser spießte Merrhok seinen Kontrahenten beinahe auf und musste ihn mit einer ruckartigen Bewegung nach vorn geradezu abwerfen. Das Schwarzhorn heulte vor Schmerzen und wand seinen gefesselten Körper wie eine angestochene Wildsau, halb vor Qualen aber vor Allem auch aus unbändiger Wut. Noch bevor Merrhok auf den am Boden Liegenden eintreten konnte kam ihm Ghorhok zuvor und stampfte mit einer solchen Hemmungslosigkeit auf den Verletzten ein, dass dieser sogleich verstummte und sich unmittelbar darauf – bis auf das leichte Zucken eines seiner Beine – auch nicht weiter bewegte. Die Menge heulte auf. Die Einen vor Blutgier und bösartiger Freude, die Anderen vor Schrecken und Mitgefühl ihrem Häuptling und Anführer gegenüber. Ghorhok blickte mit einem diabolischen Gesichtsausdruck von seinem Opfer auf, direkt in Merrhoks Augen.



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    Hm, naja... immerhin ist es ja die besinnliche Jahresendzeit...


    Wenn Ihr mögt, stelle ich ab morgen jeden Tag ein Kapitel rein, bis wir durch sind. Habt Ihr da Lust drauf oder ginge das dann doch zu schnell?

  • Das wäre eine epische Dreingabe zum Adventskalender! :thumbup:


    Das also sind diese Tage, an denen man zuhause sitzt, Bier direkt aus der kaputten Kaffeemaschine trinkt und wartet, dass es regnet, damit man endlich raus kann. - Horst Evers

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  • Jaaa , irre Bilder in meinem Kopf .
    Ganz schön erschreckend wie ' Süchtig ' deine Story machen kann !
    Ich muß dazu sagen dass mir Geschichten mit schneller Handlung schon immer gefallen haben !
    :sende:
    Borrarum......muhahah !!!
    Aus mir wird bald ein Chaosgeäst !!

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  • Stellt das Bild Ghorhok dar? Der Arme!
    Ich mag ihn zwar nicht besonders, aber scheinbar habe ich die gesamte Empathie abbekommen, die meinen Truppen fehlt... ;(


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    @wood y ellan Danke!


    @Marghor Ja, das ist Ghorhok, kurz bevor er in den Staub geht. (Empathie ist übrigens etwas Gutes und Gesundes!) :)


    Es fällt mir übrigens ziemlich schwer immer nur ein einzelnes Kapitel reinzustellen und Euch nicht mit mehr zu bombardieren. :D Das macht mir echt grad einen riesen Spaß. :hihi:

  • Das einzige, was ich dagegen einzuwenden habe, ist, dass es dann so schnell vorbei ist! ;) (Es sei denn, du versorgst uns mit Kapiteln auf Lebenszeit.)
    Sehr schön zu hören, dass es dir immernoch Spaß macht und du nicht "nur noch fertig werden" willst! :thumbup:


    Und ja, ich bin auch recht zufrieden mit meiner Weichherzigkeit. :)


    Das also sind diese Tage, an denen man zuhause sitzt, Bier direkt aus der kaputten Kaffeemaschine trinkt und wartet, dass es regnet, damit man endlich raus kann. - Horst Evers

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    Die Story ist schon eine ganze Weile lang fertig. Das hat mir die Möglichkeit verschafft hier und da an den Formulierungen zu feilen oder kleine Details auszubessern (oder zu verschlimmern?). Was sich etwas haariger gestaltet hat war, genügend passendes Bildmaterial für jedes Kapitel zur Verfügung zu haben. Aber ich bin nun mit Allem soweit durch. :) Die PDFs (sowohl mit als auch ohne Bebilderung) sind auch fertig und ich kann gemütlich den Rest veröffentlichen, ohne Druck und Durststrecken.

  • Nicht zu vergessen an Teil 4 zu arbeiten ;)

    Der Vater: 132 Machtpunkte, 2.550 Punkte Astra Militarum
    Der Sohn aka Luke: 138 Machtpunkte, 2.500 Punkte Eldar
    Der Kleine aka Shorty: 57 Machtpunkte, 1.023 Punkte Space Marines

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