Angepinnt Warhammerboard Adventskalender 2017 - Beiträge

    • Warpspinnen


      Zweiter Teil:

      Starr vor Angst rührte sich Enno nicht und merkte plötzlich, daß sein ganzer Körper mit Schweiß bedeckt war. Er war Scharfschütze, kein Nahkämpfer, und glücklich, wenn er den Feind aus der Ferne bekämpfen konnte; doch diese acht Eldar waren ihm entschieden zu nahe. Die Hälfte des Trupps schien ihn überhaupt nicht zu beachten, sondern kehrte ihm sofort bei Verlassen der Warp-Portale den Rücken zu, um in Fächer-Formation den rückwärtigen Raum zu sichern. Doch die anderen vier Warpspinnen hielten ihre Waffen direkt auf Enno gerichtet und kamen auf ihn zu. Zwei der Krieger blieben in etwa fünf Meter Entfernung zu Enno stehen und richteten nach wie vor ihre Monofilamentschleudern auf ihn aus. Die anderen beiden Eldar schienen sich doch nicht für ihn zu interessieren, denn sie gingen an ihm vorbei, bis sie etwa auf gleicher Linie zu Enno´s Schultern standen und ins Tal hinabschauten. Keine drei Meter trennten Enno von dem zu ihm nächst stehenden Krieger. Dieser war anders bewaffnet als die restlichen Warpspinnen. Er hielt in jeder Hand jeweils eine schwere Klinge und von seinem gepanzerten Rücken ragte zu beiden Seiten seines Körpers je eine Schußwaffe hervor; eine davon war direkt auf Enno´s Hals ausgerichtet. Dieser Eldar, der wohl der Anführer des Trupps war, schien mit dem neben ihm zu kommunizieren. Sie waren alle behelmt und Enno konnte keinen Laut vernehmen, doch war er sich sicher, daß sie entweder telepathisch oder über eine Art Vox-Verbindung miteinander in Verbindung standen. Doch es waren ganz andere Fragen, die ihn beschäftigten: Warum waren Eldar auf diesem Planeten, weshalb wurde er durch seine Führungsebene darüber nicht informiert, was waren die Absichten der Außerirdischen...? Und vor allem: Warum töteten sie ihn nicht einfach?! Auf der Imperialen Akademie hatte Enno gelernt, daß diese Wesen sich für die Herren der galaktischen Schöpfung halten und sie keine Sekunde zögern würden, Angehörige einer anderen Rasse zu töten. Ihm wurde beigebracht, daß "Chem-Pan-Sey" das Wort sei, daß sie benutzen, um alle in ihren Augen minderwertigen Nicht-Eldar zu bezeichnen. Enno mußte bei diesem Wort an eine Affen-Art denken, von der er als Schüler in einem Buch gelesen hatte, die einst auf Terra gelebt haben soll. Diese Arroganz der Außerirdischen hatte ihn schon immer wütend gemacht. Doch in dieser Situation war er machtlos. Er bewegte ganz langsam seinen Kopf und schaute in Richtung der beiden ihn bewachenden Krieger. Einer davon schien noch recht jung zu sein. Auch er trug wie alle Anderen einen Helm, doch wirkte er auf Enno irgendwie unsicherer. In dem Moment löste der Eldar eine Hand von seiner Waffe und streckte sie für einen kurzen Moment aus, als wolle er Enno grüßen; achtete aber darauf, daß er von keiner anderen Warpspinne dabei gesehen wurde. Enno wußte nicht, was er davon halten sollte, und regte sich weiterhin nicht. Gerade, als der Krieger seine Hand wieder an seine Waffe legte, drehten sich die beiden Eldar neben Enno um und gingen zurück in Richtung der restlichen Trupp-Mitglieder. Während sie sich von Enno entfernten, spürte er wieder das Jucken an seinen bionischen Implantaten und es öffneten sich erneut kleine Warp-Portale; eins jeweils direkt vor jedem der acht Krieger, in die sie auch sofort stiegen. Einen kurzen Moment später war Enno wieder allein. Er blickte sich in alle Richtungen um, ob er auch wirklich alleine war, und legte dann tief durchatmend seinen Kopf mit geschlossenen Augen auf den Boden. Er dankte dem Imperator dafür, daß er noch am Leben war. Dann hebte er seinen Kopf wieder hoch, schaute noch einmal um sich und als er feststellte, daß er tatsächlich nicht mehr in direkter Gefahr war, richtete er seine Aufmerksamkeit wieder ins Tal. Dort waren die Angreifer den Imperialen Stellungen schon deutlich näher gekommen, allerdings auf unter die Hälfte der Anfangsstärke dezimiert worden. Enno griff zu seinem Funkgerät, um den Vorfall zu melden. Doch dann zögerte er. Er versuchte, die eben durchlebte Situation einzuordnen. Vielleicht haben die Warpspinnen ihn deshalb nicht getötet, weil er und seine Kameraden für die Pläne der Eldar nützlich waren und einen Feind bekämpften, der auch für sie eine Bedrohung darstellt. Doch was hatte die Geste des einen Kriegers zu bedeuten...? Enno kam aus seiner Verwunderung nicht heraus. Die Imperialen Leitsätze waren unmissverständlich und wiesen an, daß nur ein toter Außerirdischer ein guter Außerirdischer sei. Enno hatte das nie in Frage gestellt. Doch langsam machte sich Unsicherheit in ihm breit, als sein Weltbild zu wanken begann.

      Sollte etwa doch nicht alles stimmen, was die Imperiale Akademie lehrt und das Imperium propagandiert, sollte es gar fehlerhaft sein?!

      Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein; es ist noch trauriger, keine zu sein...!

      8)
    • Ist wieder ganz schön spät geworden, aber ich habe geliefert!
      ;)
      Wie ich ja einmal schrieb, ist es keine Kampf-Geschichte; und ich hoffe, ich konnte dennoch die Spannung aufrecht erhalten und ein Ende finden, das nicht langweilt...!
      Außerdem:
      Enno


      In allen meinen Geschichten und auch bei allen meinen namhaften Modellen verwende ich Namen, die entweder einen direkten Bezug zum Hintergrund haben (bei meinen Bretonen zum Beispiel trifft das insbesondere zu) oder auf real existierende Personen bezogen sind...Enno ist mein 2,5-jähriger Neffe!
      Und er verfügt seit seiner Geburt über eine Sehfähigkeit von unter fünf Prozent; ist also blind und wird diesen Text hier wohl nie lesen können...Seine Eltern fänden es auch sicher nicht so toll, wenn sie wüßten, daß ich ihn hier in einer Geschichte "verarbeite"; aber ich kann mir sehr gut vorstellen, daß Enno selber es in ein paar Jahren sehr cool findet, wenn ich ihm die Geschichte vorlese!
      Ich werde ihn auf jeden Fall mit dem Hobby in Verbindung bringen...Und ich kann mir sogar vorstellen, daß es irgendwann möglich sein wird, miteinander zu spielen!
      Natürlich würde ein solches Spiel anders ablaufen und länger dauern, aber wenn er in Ruhe die Figuren ertasten und ihre Positionen und deren Ausrichtung auf dem Feld erfühlen kann und man als Sehender unterstützt, kann er sich ein Bild vor seinem geistigen Auge aufbauen, was ihm einen Überblick verschafft, der einem Sehenden in keiner Weise hinterherhinkt...Aber das ist noch Zukunftsmusik; allerdings eine, an die ich stark glaube!

      Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein; es ist noch trauriger, keine zu sein...!

      8)
    • Arthurius1980 schrieb:





      Und er verfügt seit seiner Geburt über eine Sehfähigkeit von unter fünf Prozent; ist also blind und wird diesen Text hier wohl nie lesen können...
      Also wenn wir uns nicht in den nächsten 20 Jahren in die Steinzeit bomben, wird er mittels Bionik ( auch mit beschädigten Sehnerv) wahrscheinlich besser sehen können, als wir Normalos.
      Wenn man sich ein wenig mit Bionik beschäiftigt, sieht man die enormen Fortschritte in den vergangenen 5 Jahren.

      Also bitte nicht so pessimistisch.
    • @Arthurius1980 Danke für die Fortsetzung!

      Was Enno angeht, so sehen das Eltern teils total unterschiedlich. (Wurde mir sehr deutlich, als ich es heut Morgen mit meiner Frau beim Frühstück diskutierte.) In jedem Fall bin ich froh, dass Du Ennos Geschichte erzählt hast. Jeder hat es verdient mal der Held einer Geschichte zu sein. Und dafür muss man keinen body-count produzieren, sondern einfach nur eine Episode aus dem Leben erzählen, in der die Leser mitfühlen und -fiebern können. Das hat super geklappt und ja, heute ist Enno unser Held. :)

      Danke!

      "Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen." - F. Nietzsche

    • Der zweite Teil scheint ja nicht von so vielen Leuten gelesen worden zu sein oder er gefällt nicht so sehr, wie der erste Teil, insofern freue ich mich über Eure Kommentare...!

      oddman schrieb:

      Also wenn wir uns nicht in den nächsten 20 Jahren in die Steinzeit bomben, wird er mittels Bionik ( auch mit beschädigten Sehnerv) wahrscheinlich besser sehen können, als wir Normalos.Wenn man sich ein wenig mit Bionik beschäiftigt, sieht man die enormen Fortschritte in den vergangenen 5 Jahren.

      Also bitte nicht so pessimistisch.
      Ich glaube nicht, daß ich pessimistisch bin...Seine Eltern belesen sich regelmäßig und haben das mit der Bionik sicher auch auf dem Schirm, doch zum Einen mögen die Fortschritte in der Vergangenheit noch so groß gewesen sein, wenn sie in der Zukunft nicht in die nötige Richtung gehen, hilft das Menschen wie Enno nicht!
      Zum Anderen ist sein Sehnerv intakt, er hat einen äußerst seltenen Gen-Defekt; und somit ist fraglich, ob es dort überhaupt möglich ist, etwas zu "beheben"...Und selbst wenn, steht die Frage der Finanzierung im Raum; da kann man locker im fünf-stelligen Bereich landen!
      Ich habe meinen Bruder da nicht im Detail befragt, aber ich schätze, die Kassen werden solche Eingriffe nicht übernehmen oder zumindest nicht komplett...Außerdem:
      Das mit der Steinzeit würde mich im Übrigen nicht wundern!

      Serotonin schrieb:

      Ich finds schön, dass die Geschichte spannend ist ohne die repetitiven Kampfszenen.

      Das Enno nahezu blind ist, ist traurig. Gerade bei Kindern tut das besonders weh und seit dem ich Vater bin, trifft mich das mehr.

      Ich würd mich freuen, mehr von Enno zu lesen.
      Danke...Jap, ich werde ihn sicher noch in andere Abenteuer einbauen; aber nicht in nächster Zeit!
      So traurig ist das übrigens gar nicht...Klar, im ersten Moment ist das ein Schock, insbesondere für die Eltern!
      Aber inzwischen ist es für uns das Normalste von der Welt und Enno ist (auch Dank seiner tollen Eltern) eines der fröhlichsten Kinder, das ich kenne...Ohne Witz, er weint viel weniger als viele der anderen Kinder; und wenn ich an Stevie Wonder oder andere Künstler denke, muß einem klar sein, was auch ohne voll funktionstüchtige Augen möglich ist!

      Merrhok schrieb:

      @Arthurius1980 Danke für die Fortsetzung!

      Was Enno angeht, so sehen das Eltern teils total unterschiedlich. (Wurde mir sehr deutlich, als ich es heut Morgen mit meiner Frau beim Frühstück diskutierte.) In jedem Fall bin ich froh, dass Du Ennos Geschichte erzählt hast. Jeder hat es verdient mal der Held einer Geschichte zu sein. Und dafür muss man keinen body-count produzieren, sondern einfach nur eine Episode aus dem Leben erzählen, in der die Leser mitfühlen und -fiebern können. Das hat super geklappt und ja, heute ist Enno unser Held. :)

      Danke!
      Bitte, gerne...Aber ich danke Dir!
      Das ist echt toll, zu lesen...Und hat mich kurz in Versuchung geführt, es meinem Bruder zu zeigen!
      Doch ich werde das erst tun, wenn Enno alt genug ist, daß ich mit ihm über´s Hobby sprechen kann...Aber danke für diese Zeilen!
      Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein; es ist noch trauriger, keine zu sein...!

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Arthurius1980 () aus folgendem Grund: Dumdidum...!

    • Ah, dieser Kalender hat mir gut gefallen!

      Den Startschuss und Aufruf habe ich verpasst...

      Nun muss ich aber die Gelegenheit nutzen und ein Geschenk an einen guten Freund zu präsentieren.

      Es begann mit dem Fund eines alten Bloodbowlspielers, den er mal besaß und welcher den Besitzer wechselte.

      Hab ihn in einem netten Laden in Köln gekauft und wollte ihn anmalen. Dann lag er - lange.

      Letztes Jahr kam mir die Idee mit einem künstlichen Bart - und das hier ist das Ergebnis (welches nur ein Jahr zur Vollendung benötigte...)

      Bier für den Biergott und Flaschen für seinen Thron!!


      Imperium seit 1996, 6000 PT+ - Und nun alles verkauft..., Ich Hornochse! Aaaaber ich kauf grad neu!
      Skaven ca 4500 PT aktuell.
      Nun neu: Ein paar Tau - ca 2500 Punkte
    • Arthurius1980 schrieb:

      Wie ich ja einmal schrieb, ist es keine Kampf-Geschichte; und ich hoffe, ich konnte dennoch die Spannung aufrecht erhalten und ein Ende finden, das nicht langweilt...!
      Wie denn Ende? Du hast auf jeden Fall einiges offen gelassen. Ich fand es erneut schön zu lesen. Vielleicht könnte man noch ein paar Absätze mehr machen. Aber das nur ein kleiner Tipp zum Layout. Freut mich, dass das noch nach Weihnachten geklappt hat.

      Und dann noch das Modell von @Lord of the Moot zum Ende! Ich fand das einen super Kalender. Da ist die Vorfreude auf das nächste Jahr groß! :)
      Mein Hobbythread: Indy's Schatzkammer



      Schaut auch mal im Blog vorbei: Einserpasch
    • Aber machen das Babelsberg und Hollywood nicht auch so?!

      Jones schrieb:

      Du hast auf jeden Fall einiges offen gelassen.
      Der Enno wird ja irgendwann sicher wieder seine Bionik anwerfen, aber jetzt hat er erstmal Front-Urlaub!

      Jones schrieb:

      Ich fand es erneut schön zu lesen. Vielleicht könnte man noch ein paar Absätze mehr machen.
      Danke...Jap, werde ich im Auge behalten, das mit den Absätzen!
      :)
      Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein; es ist noch trauriger, keine zu sein...!

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