Die Ritterschaft zu Bergerac

  • Wieder sehr schön geschrieben, vorallem wie sie das Haus aufbauen, den Brunnen ausheben und die Mauer ziehen konnte ich mir lebhaft vorstellen.
    Eigentlich gibt es nichts mehr zu sagen, hab ja in meinen vorherigen Posts schon so geschwärmt ^^
    Bloss wer ist Betrand??? Den kenn ich i-wo her.

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  • Bertrand le Brigant für alle dies interessiert oder es nicht wissen ;)


    Kapitel 11


    „Ich grüße dich, Verworfener. Endlich hast du den Ort deiner Bestimmung erreicht. Auch hat ein zweiter Sünder sich zu dir gesellt, das ist gut, denn auch ihn habe ich gesandt. Ich sehe, dass die ersten Schritte unternommen wurden, weitere harren euer in Bälde. Wappnet euch mit Tugend, Vertrauen und Barmherzigkeit, dann werdet ihr die Süße meiner Vergebung schmecken. Doch wagt nicht zu zaudern oder ich werde euch am nächstbesten Stein zerschmettern wie man junge Katzen zu erschlagen pflegt. Nun tut Gutes und mehrt euch.“ Ein jäher Schmerz durchzuckte Hugo. Wild um sich schlagend riss er die Augen auf. Er lag neben seinem Bett und rieb sich den Kopf, welchen er sich bei dem Sturz angestoßen zu haben schien. Aus dem Schankraum drang schallendes Gelächter.
    „Ihr seid mir ja ein Spitzbube. Vor Mittag bringt man euch nicht aus dem Bett.“
    Ohne Bertrand zu antworten schlich Hugo hinaus zum Brunnen und wusch sich das Gesicht. Das kühle Nass perlte in seinen buschigen Vollbart, lief ihm über Brust und Nacken. „Nun, was gedenkt ihr heute in Angriff zu nehmen?“
    Hugo erschrak. Er hatte niemanden kommen hören. Als er den Kopf wandte erblickte er abermals Bertrand in grau-grünem Rock. „Was meint ihr?“
    „Ihr wisst es genau. Nicht zum Vergnügen bin ich hier. Sie, die Herrin hat mich geschickt. Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft mein Bester. Scheitert einer, werden wir beide stürzen.“
    „Ich weiß, sie hat zu mir gesprochen.“
    Bertrand legte die Stirn in Falten: „Deshalb also der unruhige Schlaf. Ihr habt viel vor euch hin gemurmelt. Unverständliches Zeug, doch ihr wart nicht zu wecken. Da ließen wir euch euren Schlaf.“
    „Was denkt ihr sollten wir tun?“
    „Die Gegend ansehen. Dörfer, Hügel, Wälder, die Straße. Es ist wichtig die Gegend kennen zu lernen. Dann die Menschen.“
    „Gut.“
    „Wir sollten Verstecke errichten, Vorräte lagern, Nahrung, Holz. Wir brauchen Handwerker, vor allem Bogner, Schmiede, Landarbeiter. Ihr seht, es gibt manches zu tun.“
    Hugo nickte abwesend, dann meinte er: „Aix – en – foret“
    „Bitte?“ „Wir nennen es Aix – en – foret.“
    Da lachte Bertrand und gemeinsam machten sie sich fertig aufzubrechen, um die Gegend in Augenschein zu nehmen. Wie sie herausfanden lagen um Aix – en – foret mehrere Bauerndörfer in geringer Entfernung. Malise, Vallepin, Lourdes, Longrés und Caprulle. Allesamt hatten sie nur wenig Ackerflächen, dafür große Familien mit vielen Söhnen und Töchtern. Es gab kaum Krankheiten, die Bauern wirkten zwar etwas Mager, doch munter und kräftig. Hugo und Bertrand wurden freundlich empfangen, wohin sie auch kamen, denn die Herrin hatte durch den Seher zu den Bauern gesprochen und so schlossen sich ihnen in jedem Dorf junge Männer an, um in ihren Dienst zu treten. Auch befand sich in nicht all zu großer Entfernung ein altes Herrenhaus. Die Bauern nannten es mit furchtsam zitternder Stimme Chateau de Mal.
    In einer nahen Stadt gelang es zwei Bognergesellen anzuheuern, dazu einen Schmied, einen landwirtschaftlichen Beamten, der zusammen mit einem Geistlichen, welcher sich auf die Getreidezüchtung bestens Verstand, die Bodenerträge steigern sollte. Dazu Steinmetzen, Zimmerer und Schreiner, Boten, Händler. Alle ließen sie sich nieder, bauten Häuser aus Stein, sorgten für den Ausbau von Straßen, die Erweiterung des Ackerlands.
    Neben Aix – en – foret hatte man noch zwei weitere Stützpunkte angelegt. Es waren Türme südlich und westlich der Dörfer, umgeben mit steinernen Mauern, mit Unterkünften, Lagern und Wirtschaftsgebäuden. Bertrand bildete die Bauern zu Bogenschützen aus. Er lehrte sie auch das Schleichen, Ausspähen, Schlösser knacken, Fährtenlesen sowie den Kampf mit Dolch und Schwert. Mit seiner kräftigen Gestalt konnte Hugo natürlich kaum mit Bogen und Dolch umgehen. Diese filigranen Waffen zerbrachen ihm entweder in regelmäßigen Abständen in den Händen oder sie sahen schlicht aus, als hielte er einen ehernen Zahnstocher in der geballten Faust. Man konnte also nicht umhin, seiner hünenhaften Gestalt Rechnung zu tragen. Filibert der Bogner überreichte ihm eines Tages zwei Waffen, welche er auf einem Handkarren hinter sich hergezogen hatte. Das eine war ein etwa zwei Meter langer Stab gefertigt aus schwarzem Ahornholz so dick wie die Waden eines Mannes, dessen Enden mit kurzen stählernen Klingen besetzt waren. Das andere war ein etwa zwei Meter hoher Langbogen, welcher Pfeile verschoss, wie sie zuweilen bei Speerschleudern gebräuchlich sind. Nach etwa drei Jahren hatte man also eine schlagkräftige Armee ausgehoben, die den Schutz der Dörfer, die Bewachung der Straße und überhaupt die Aufrechterhaltung des Friedens in der Umgebung mit einer Leichtigkeit versah, die nur auf ihre harte Ausbildung durch Bertrand zurückzuführen war.
    Wäre man auch Tage durch die Wälder Aix – en – forets gezogen, nie hätte man eine Menschenseele zu Gesicht bekommen und doch wäre unvorsichtigen Schritten allezeit ein wachsames Auge gefolgt. So zogen noch einige beschauliche Jahre ins Land und Aix – en – foret war vielen in Bretonia der Inbegriff des glücklichen Wohlstands.

  • Kapitel 12


    Als die Speicher um Aix – en – foret bis zum Brechen gefüllt, der Handel mit den umliegenden Städten zu aller Zufriedenheit gelangt, kurz gesagt; der Reichtum mit Pauken und Trompeten Einzug gehalten in die idyllischen Senken zwischen kieferngekrönten Hügeln, trug sich eben jene Sache zu, die später als der Vorfall von Chateau Mal in die bretonischen Chroniken einging.
    Einige Bauern, die es trotz der allgemein erfreulichen Lage nicht vermocht hatten Vermögen anzuhäufen, taten sich eines Tages zusammen, um in den Wäldern um Chateau Mal, die, entgegen den Dorfforsten keinen eingentlichen Besitzer ihr Eigen nennen konnten, Holz zu schlagen, welches sie hofften auf dem örtlichen Markt gegen ordentliches Bares eintauschen zu können. Es ist diesen niederen Wesen in keinster Weise ein Vorwurf zu machen. Wie leicht verfällt man doch dem Leichtsinn, sieht man die güldene Zukunft sprießen, nur der eigene winzige Acker liegt brach. Und ebenso verhielt es sich bei diesen Ärmsten aller Armen. Sie hatten oft nur kleine Katen, löchrig dass der Wind hindurchbrauste Winter wie Sommer, dazu kaum Land für das Vieh, kaum Holz, um in den kalten Tagen derer das Jahr genügend mit sich bringt nicht frieren zu müssen. Wahrlich, es waren keine sonnigen Tage, kein ewiger Lenz, der sich da ihr Leben schimpfte. Es war vielmehr das Brüllen des Herbstes, das Joch des Winters, das sie zeitlebens unterwarf. Diese Leute nun, es mögen eine Hand voll gewesen sein, jedoch nicht mehr als zwei Dutzend. Diese Bauern heckten nun also den Plan aus, gemeinsam in den dunklen Wäldern um das alte Herrenhaus ihr Auskommen zu suchen. Wer lebt denn dort? Fragten sie – niemand. Wem gehört das dort? Fragten sie – niemandem. Wer straft uns dann? Und abermals lautete ihre Antwort – niemand. Gut, sagten sie da zu sich, dann kann es nicht schaden unserer Armut ein Rippchen zu brechen.
    Also zogen sie los mit ihren wenigen Gäulen und Ochsen, schlugen den ganzen Tag auf totes Holz, verkauften die Meterware auf dem Markt, dann teilten sie den Gewinn. Zuerst waren sie zufrieden mit dem Erlös, erstanden Werkzeug, Baustoffe, leisteten sich neue Gewänder, kauften Vieh und Wägen, doch ging das Geld bald zur Neige und da sie sich an die neuen Annehmlichkeiten des Lebens einmal gewohnt hatten, wollten sie sie nicht mehr missen müssen. Nun fingen sie also erneut an zu klagen, weinten vor einander, fluchten auf ihre bittere Armut und wieder sagten sie sich: Was macht es schon, wenn man ein paar Bäume fällt? Wer lebt denn dort? Niemand. Wem gehört das Land dort? Niemandem. Wer straft uns dann? Und ihre Antwort war abermals niemand.
    Doch ohne es zu merken, war es nicht mehr die Armut welche auf dem Kutschbock ihren Hinter wetzte. Nein, anstatt ihrer hatte die Gier nun die Zügel fest im Griff. Sie peitschte die Bauern vor sich her, spie laut Schamlosigkeiten auf sie hernieder. Doch wenn sie zu grübeln begannen, sie also drohten ihrem aufbrüllenden Gewissen nachzugeben, dann wandelte sich das Antlitz der Gier. Sie schmiegte sich an sie, kauerte an ihren hageren Schultern, strich ihnen sanft durchs Haar, schmeichelte ihnen gebärdenreich. Gerieten die Bauern dennoch nicht ins Wanken, dann streckte sie ihre süße Zunge tief in ihr Ohr bis hinab ins Herz, auf dass ihre Kammern von finsteren Schatten überzogen schwiegen und sie nimmermehr mucksten. Die Scheuklappen der Bauern, welche sie sich selbst aufgezwungen, bestimmten nun die Richtung ihres elenden Trotts.
    Wieder zogen sie also aus, doch maßlos war ihr Sinnen. Mit neuem Werkzeug, Äxten, Beilen, erworbenen und gemieteten Wagen samt Gespann wüteten sie tagelang im Unterholz. Dies konnte nicht unbemerkt bleiben. Zuerst vernahmen sie das Murren ihrer wohlhabenden Brüder. Diese neideten ihnen den plötzlichen Erfolg. Dann hörten sie die Mahnungen der Alten. Diese fürchteten das schlafende Übel, dem der Legende nach das Herrenhaus anheim gefallen war. Zuletzt hätten sie die Zeichen deuten sollen, wie sie sich vor ihren Nasen zutrugen und sie hätten sich ungeschoren mit ihrer Habe gerettet. Doch wer einmal den Pfad der Niederen betreten hat, der lässt schwerlich von ihm ab. Wer den Vorteil einer Sache über dem Gaumen zerfließen spürt, der pflegt resistent zu werden gegen eine jegliche bittere Note im Abgang. Der Sache, besonders ihrer Wirkung, entrinnt man nun nicht mehr, denn man hat sie mit Haut und Haar hinabgewürgt und ebenso hat sie, die Sache, einen verschlungen.
    Als die Bauern also auch am dritten Tage in den Wald fuhren, ohne vor dem strengen Geruch wie er nun in der Luft lag zurückzuschrecken, da bemerkten sie um die Mittagsstunde einen einzelnen Wolf. Sie schrien, schwangen die Beile, doch der Wolf regte sich nicht. Da wurden sie stutzig. Hat man denn schon einen solchen Wolf gesehen? Fragten sie sich. Weil ihnen das Tier so sonderbar vorkam, es ihnen außerdem Angst einflößte, schickten sie einen besonders mutigen Burschen vor und gekonnt hackte er das Vieh in Stücke. Das Beil spaltete den Kopf des Wolfes, drang tief ein, dann riss er es heraus. Der Schrecken war groß, als man die sich windenden Maden am Axtblatt gewahrte. Der Wolf war offensichtlich tot. Kaum war er zu Boden gesunken, als sich Getier auf seinem filzigen Fell zu tummeln begann. Käfer, Würmer, Fliegen. Alle bohrten sie ihre Rüssel in das faulige Fleisch, summten, brummten – der Gestank war bestialisch. Abergläubisch wie sie waren, hielten die Bauern den letzten aller Tage für gekommen. Sie holten geschnitzte Lilien und heilige Bildchen hervor, riefen zur Herrin. Ihre aufgedunsenen Lippen brabbelten spirituellen Nonsense, welcher die löchrigen Zähne umspülte. Alles gurgelten sie hervor, mochte die Herrin nur zur Räson gebracht werden. Mitten in ihrem Sermon rauschte es im Gebüsch und von allen Seiten fielen sie bis auf das Bein entleibte Tote an. Diese starrten aus schwarzen Augen direkt ins Mark und zwischen ihnen fletschten grimmige Köter ihre modrigen Lefzen. Als die Bauern ihrer aussichtslosen Lage gewahr wurden, stürmten sie auf kürzestem Wege in Richtung ihrer Hütten davon, doch auch da hatte sich der Feind aufgestellt, also schwangen sie ihre Äxte und hieben nach dem Abnormen. Skelett um Skelett fiel ihrer verzweifelten Wut zum Opfer, doch lichteten sich ihre Reihen im Nu. Nur zwei schlitzohrige Burschen hechteten ins Unterholz und kletterten auf einen Baum. Dort brachten sie drei Nächte und drei Tage zu, ehe sie sich herabwagten. Die andern aber, sie lagen alle erschlagen und über ihnen dröhnte das Hohngelächter, als die Gier auf ihrem Bock sich langsam entfernte. Ausgemergelt krochen die zwei Burschen bis nach Aix – en – foret. Für dieses mal hatte ihre Bauernschläue ihnen das Leben gerettet. Als sie nun des Nachts an die Pforte klopften, nahm man sie auf und schickte noch zur gleichen Stunde drei Kundschafter aus, Chateau Mal auf den Verdacht naturwidriger Umtriebe hin zu erforschen. Doch tief in ihrem Innersten waren sich Bertrand und Hugo bewusst, dass dies die erste ihrer Prüfungen, die erste Sprosse auf der Leiter der Sühne war.

  • Wieder sehr schön geschrieben, keine Frage.
    Bloss eins was passiert denn jetzt mit dem aus dem ersten Teil der Geschichte, mir fällt grad der Name net ein

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  • Ich genieße es mittlerweile deine Geshichte zu lesen, zumal du eine für mich ganz besondere Wortwahl triffst. Ich gebe zu, ich brauche immer ein oder zwei Sätze lang um mich an dein Geschriebenes zu gewöhnen, weil es für mich nicht "üblich" geschrieben ist, aber genau das macht auch für mich den Reiz aus. Mal von der Atmosphäre abgesehen, von der du es schaffst, sie hervorzuzaubern.


    Und genau da habe ich bei deinem letzten Kapitel etwas Kritik anzubringen. Du schreibst so wunderbar, verwendest Worte und Adjektive, die man in nicht jeder oder kaum einer Geschichte findet und dann kam jene Textstelle:


    .... Ihre aufgedunsenen Lippen brabbelten spirituellen NONSENSE, ....


    HALLO? Was ist da passiert. Besonders bei deinem Schreibstil/Wortschatz ergeben sich doch massig andere Möglichkeiten um NONSENSE zu "umschreiben". Zumal das auch das erste englische Wort ist, das mir so extrem auffällt.
    Ich will dir hier in keiner Art zu Nahe treten, aber NONSENSE?? War es schon zu spät oder noch zu früh, als du diese Stelle der Geschichte geschrieben hast? Oder kamst du grad vom Feiern hrhr.


    Nein, Spass bei Seite. Wunderbare Geschichte bisher. Freue mich jedes Mal auf die Fortsetzung.

    Dämonen 3000
    Echsenmenschen 4500
    Krieger des Chaos 3000

  • Was heißt denn Nonense?


    Ich finde deine Geschichte wirklich gut, dein Schreibstil find ich super und außer das ich ab und zu ein Wort nicht kenne :O ist das Geschriebene auch gut zu verstehen.


    Will noch mehr lesen :] :D 

    YEAAAAAh ich bin wieder DAAAA :] :] :] :] :] :]




    ca. 3000 Pkt Zwerge ( Karaz Krokt ) 8)


    Skaven ( Klan Schriek ) ca. 2000 Pkt im Aufbau


    Jaja scheiß Namen ich weiß :O

  • Zitat

    Bloss eins was passiert denn jetzt mit dem aus dem ersten Teil der Geschichte, mir fällt grad der Name net ein


    Wenn du Renard meinst, den der anfangs das Kind gewesen war, der ist doch jetzt Hugo le Petit, weil er aus den Reihen der bretonischen Armee mit Schimpf und Schande entlassen wurde. Hugo ist ein Schmähname, vielmehr das Petit ist eine Verballhornung seiner mächtig großen Erscheinung. Gleich für das nächste Kapitel (am Wochenende dann erscheinend) er hatte auch eine Schwester, die mit dem Sohn der frostigen Baronesse D'Igny gezogen ist.


    Zitat

    Du schreibst so wunderbar, verwendest Worte und Adjektive, die man in nicht jeder oder kaum einer Geschichte findet und dann kam jene Textstelle:
    .... Ihre aufgedunsenen Lippen brabbelten spirituellen NONSENSE, ....

    Erstmal vielen Dank für das schöne Lob, ich bin überzeugt das nächste Kapitel wird deinen Geschmack ganz gut treffen ;) Ich geb dir recht, Nonsense ist hier in diesem Fall nicht besonders einfallsreich. Leider kann man hier im Forum nicht mehr bearbeiten, aber im Originaltext habe ich es jetzt durch WIRRSINN ersetzt. Hä? Wirrsinn? gibts das? Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher, aber das ist mir auch egal, weil es so treffend das ausdrückt, was ich sagen will. Sie beten ja eigentlich nicht sinnlos, nur eben wirres Zeug, flehen, etc. Ich hoffe ich bin deinen Ansprüchen damit gerecht geworden, die du Gott sei Dank schon an meine Kreativität stellst :D


    Zitat

    Will noch mehr lesen


    Ja auch das wird wieder bald so sein. Am Wochenende wird der nächste Teil gepostet. Bei weiteren Teilen will ich mal die Hand für mich noch nicht ins Feuer legen, weil sie noch nicht geschrieben sind und ich gerade viel um die Ohren hab.


    Vielleicht frag ich mal einen Mod, ob er in meinen ersten Thread ein - "Was bisher geschah ..." einzufügen, dann ist die Handlung auch wieder klarer.


    Danke für euer Interesse an meiner Geschichte, dürft ruhig öfter mal Kritik posten. Auch und gerade so Kleinigkeiten, wenn ich sie übersehn hab.

  • Japp... Wirrsinn trifft es ganz genau =) Schade, dass die Editierfunktion nicht verfügbar ist.


    Aber wie gesagt, freue mich schon auf eine Forsetzung....

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    Echsenmenschen 4500
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  • Scang :


    Nonsense kommt aus dem Englischem und setzt sich aus Non und Sense zusammen.
    Sense steht für Sinn, also Nonsense = Unsinn


    @cibout


    ohman ich bin auch ein Pfosten. Jetzt hab ich nochmal die Geschichte gelesen und erst jetzt gemerckt das das ja die ein und die selbe Person sind :mauer: 
    I-wie hab ich das Kampfende zwischen Renard und dem Ritter überlesen.

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    Einmal editiert, zuletzt von lordkhorne ()

  • lordkhorne : liegt ja nicht an dir. Es ist klar, dass man bei einer etwa wöchentlich erscheinenden Geschichte nach 12 Kapiteln schon mal den Faden verlieren kann. Desswegen würde ich ja gern so einen kleinen Übersichtspost am Anfang machen. Aber ist halt doof, dass ich nicht selber reineditieren kann. Dieses Kapitel ist vorerst leider das letzte vollendete, es kann also sein, dass es in Zukunft nicht mehr ganz so fix weitergeht. Trotzdem versuche ich zu einem Ende zu kommen und euch gebührend zu unterhalten ;) 


    Kapitel 13


    Einsam liegt im Granit die Feste der Nacht.
    Ghulverseuchter Horst des Schattenmeisters,
    des kaltblütigen, ehedem menschlichen, nicht und nie wieder lebendigen
    und doch nicht toten.


    Die Baronesse D'Igny war eine knochige, magere, fast ausgezehrt wirkende Frau. Ihre adeligen, scharf geschnittenen Züge trugen, ganz im Gegensatz zu denen ihres Sohnes, eine nie weichende Strenge. Ihre mandelförmigen Augen ließ sie nicht von einem Weichen, befand man sich in der unangenehmen Lage, ein Zwiegespräch mit ihr führen zu müssen und man hatte das Gefühl, als bekäme die eigene Iris eine Gänsehaut bei der undurchdringbaren Kälte ihres bohrenden Blickes. Mathilde fürchtete sich sehr vor ihrer neuen Schwiegermutter. Auch Bertrec hatte sich verändert. Zwar verhielt er sich ausgesprochen höflich ihr gegenüber, las ihre wünsche von den schmalen Lippen, ehe sie sie noch in den Wind hauchen konnte. Nur vermisste sie seine Herzlichkeit, die neckischen Liebkosungen, mit denen er sie so oft zu erheitern gewusst hatte. Alles war kälter geworden und Mathilde spürte wie die Einsamkeit ihre Wurzeln in ihre Brust grub, das Fleisch durchwühlte, sich festbiss. Nur mit ihrer Kammerzofe, einem eingeschüchterten jungen Ding wurde sie zuweilen intim, dann klagten sie sich gegenseitig ihr Leid, fielen sich um den Hals und kauerten sich aneinander.
    Schloss Mont Igny lag nur wenige Dutzend Meilen von ihrem Heimatdorf und doch so unerreichbar weit weg, versteckt in einem schwer zugänglichen Tal in den bleichen Schwestern. Nie kam ein fremder je in diese Gegend. Wer sollte den zugewucherten Pfad zur Schlucht auch je finden, der Straße ins Dornengestrüpp folgen?


    Eines Tages, es war schon spät in der Nacht, wurde Mathilde zur Baronesse gerufen. Ein buckliger Diener im abgewetzten Frack geleitete sie mit einer stark rauchenden Fackel durch die engen, immerfeuchten Steinkorridore. Nur in den Wohnräumen hatte man gelegentlich Wandteppiche angebracht. Deshalb war es auch überall im Schloss kalt, nass und der Wind pfiff durch die schadhaften Fenster. Doch der Diener führte sie nicht in das Schlafgemach der Herrin, sondern brachte Mathilde zu ihrem Erstaunen in einen entlegenen Winkel des Schlosses. In ihrem seidenen Schlafrock, nur einen Seidenschal um die Schultern, fröstelte sie sehr. Schließlich erreichten sie eine Wendeltreppe und aus der Tiefe wallte ihnen ein Schwall faulig süßer Luft entgegen. Fast hätte Mathilde sich übergeben, doch dann fand sie es verlockend. Es war die überreife Süße von Fallobst, das zuckrig matschige Stadium der Vorverwesung und das wiederum erinnerte sie an ihre Kindheit, den elterlichen Obstgarten, das Summen der Hummeln, die Beine bepackt mit Pollen. Vor einer faserigen, spitzbogigen Holztür blieb der Diener stehen und nickte zum Zeichen, dass sie eintreten solle mit dem Kopf zur Tür. Vorsichtig drückte sie gegen den schweren Eisenbeschlag und knarrend wand sich der Bolzen im Schanier.
    Ihren staunenden Augen offenbarte sich ein Lichterspiel, ein Schattenspiel. Ein breiter, sehr langer Raum, dessen Ende sie nur erahnen konnte und aus dessen schwarzen Höhen seidenweiße Tücher bis an den Boden reichten, hinter welchen an den Wänden sechsarmige Leuchter flackerten. Über die Steinquader waren rotbrokatene Teppiche gelegt über welche gleichermaßen Licht und Schatten huschten. Auch war es warm. Feuer knisterte am ihr gegenüberliegenden Ende der Halle in eisernen Bottichen, beleuchtete schwach eine dunkle schemenhafte Masse in ihre Mitte, um welche sie konzentrisch angeordnet waren. Während sie näher kam, sog sie ununterbrochen die faulige Süße in ihre Lungen, die sie vorwärts trieb. In der Luft lag ein asthmatisches Keuchen. Mathilde stellten sich die Haare zu Berge. Langsam erkannte sie eine Pyramide in der Mitte des Feuerkreises. Doch sie schien nicht starr, vielmehr in dauerhafter Bewegung. Als sie bis auf zehn Meter herangekommen war erstarrte sie vor Schreck. Was sich ihr offenbarte war ein Schauspiel wie Sterbliche es nur hoffen können nie zu Gesicht zu bekommen. Schimmelnde, verweste Körper, durch die sich munter die Maden fraßen drängten sich übereinander, schlugen sich nicht aus innerem Antrieb, sondern einfach aus hirntoter Blödheit gegenseitig die runzligen Finger ins Fleisch, bissen sich, gurgelten, wankten vorwärts, taumelten zurück. Strähnig fiel den Mütterchen das Haar vom löchrigen Kopf, den Alten hatten graue Stoppeln das modrige Fleisch durchbrochen. Wie Fühler stießen sie immer weiter vor, tastend, zitternd.


    „Ruhig meine Lieben, Mama will euch mit jemanden bekannt machen.“ Im selben Moment wichen ihre Leiber wie von den Fäden emsiger Puppenspieler hin und her geworfen, zur Seite, gaben den Blick frei auf die Baronesse d'Igny, wie sie die steinernen Stufen einer Art Thronsockel herabschritt. Sie geiferten nach ihr, doch wagte es offenbar keines dieser Monster ihr in irgendeiner Weise zu nahe zu kommen und so kam die Baronesse mit ihrem Hofstaat, ihrem fauligen Fliegengeschmeiß, das sie wie ein Schwarm umgab, näher. Sie trug eine blutrote Hörnerhaube, darunter ihre schwarzen Locken prachtvoll hervorquollen, sich um ihre nackten, weißen Schultern schmiegten. In der linken hielt sie einen Stab von der Form einer Schlange, ihre zierlichen weißen Füßchen steckten in hohen Sandaletten, deren Riemen sich bis über das Knie wanden. Ihre Handgelenke waren von bronzenen Spangen umschlossen, auf denen gezackte Runen blitzten. Mathilde starrte mit weit aufgerissenen Augen auf den entblößten Körper der Baronesse. Sie war umwerfend schön. Ihre Beine waren lang und schlank, die Hüfte geschwungen, ihre Taille schmal, die Haut über ihrem blassen Fleisch weiß wie Schnee und straff. Mathilde tat einen Schritt vorwärts, streckte die Hand aus und vorsichtig befühlte sie die feinen Rippenbögen der Baronesse, ihre wohlgeformte Brust, das leicht hervorspringende Schlüsselbein, den schlanken Hals, die vollen Lippen, das schmale Gesicht, die zart hervorgehobenen Wangenknochen. Mathilde war voll Versuchung ihre heißen Lippen auf den eisigen Schmollmund der Baronesse zu drücken, als der Stab plötzlich von Leben erfüllt über die weiße Schulter kroch. Mathilde zuckte zurück, als sich ihr die Schlange zischend um den Leib zu wickeln begann. Da verzerrte ein gieriges Grinsen die edlen Züge der Baronesse und sie zischte:
    „Komm zu mir Tochter.“ Sie lachte und ihre spitzen Eckzähne blitzten selbst im matten Schummerlicht. Sie riss mit unerwarteter Schnelligkeit Mathilde die Kleider vom Leib, umfing sie mit ihrem kalten Körper, sog den Duft des Lebens in sich ein. Dann wand sich die Schlange um ihre beiden Rümpfe, presste sie aneinander und Mathilde spürte, während klamme Finger ihren pochenden Körper betastend an ihrer Jugend sich labten, wie langsam, doch bestimmt, sich etwas in ihren Hals bohrte. Sie sah nur rubinrot, die Hörnerhaube, hörte das Glucksen und Schmatzen. Dann ließ die Baronesse von ihr ab, nur ihre kalten Finger nestelten ununterbrochen an Mathilde herum, während sie sprach:
    „Willkommen Schwester der Nacht. Lange habe ich deiner entbehrt, schlug mir die Zeit mit meinen Knechten um die Ohren, harrte deiner Ankunft. Du bist genau so, wie du einst gewesen, als man dich mir entrissen. Doch sie werden büßen diese elenden Warmblüter. Schrecken werden wir verbreiten unter ihnen und Angst. Sei mein, Wiedergekehrte.“ Und mit diesen Worten zwang sie Mathilde die Stufen hinan in ihr ewiges Bett. Dann schloss die Baronesse den Deckel und um Mathilde wurde es schwarz.

  • Gnah! Was heisst hier vorerst letztes vollendetes Kapitel. Los feier Krankenstand, Urlaub, schreib auf der Arbeit weiter. Egal was, nur mach WEITER!!!!


    Du kannst doch nicht einfach so sagen, dass du nicht schnell genug schreibst. Oder hast du eine Schreibblockade? Dann ab mit dir auf die Bahamas, sofern du da Internetzugang hast, sonst kommst du in einen kalten, dunklen, nassen Keller mit nur einem flackernden Monitor und einer Amiga-Tastatur um deine Geschichte fortzuführen.

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  • Haha, ok ich hab verstanden :tongue: Aber jetzt gibts erst einmal eine Überarbeitung des 2. Kapitels. Könnte euch vielleicht auch gefallen. Ist auf jeden Fall tiefer in den bretonischen Fluff eingearbeitet als das ursprüngliche Kapitel. Die ungewöhnliche Form habe ich absichtlich gewählt, um die Starrheit des bretonischen Zeremoniells auch auf Textebene umzusetzen. Aber ich will nicht zu viel verraten. Lest selbst und kommentiert mit spitzer Zunge! :P Viel Lesevergnügen!


    Kapitel 2


    Mächtige Mauern, steinern im mannigfach flackernden Kerzenschein. Spitzbogenfenster, himmelragend zwischen filigranen Säulen. Hochaltar, zu Füßen kniende Jünglinge in Kutten, Häupter gesenkt. Hallende Schritte des Primarchen wandelnd in der Brüder Mitte, strebend zum Heiligtum. Opulenz. Hellhauchende Nacht lässt die stahlentblößten Leiber frösteln, Gänsehaut, Haare zu Berge. Gehilfen schwenken durchbrochene, verzierte Silberkugeln, ihnen entschwindet der Duft göttlichen Räucherwerks, balsamisch würzige Nasenkost, glimmendes Harz. Schwerer Dunst legt sich zwischen Gaumen und Zunge, schmeckt süßlich, nach Zitrone, schmilzt wie heißer Honig. Graue Tonsur, ragend aus reichem Festgewand. Strengen Gesichts tritt der junge Lektor vor die geheiligte Versammlung, anstimmend den Gesang.



    Lektor: Gedenkt in Ewigkeit o Brüder der Herrin, der Lichtbringerin, der weisheitsvollen Wächterin über Recht und Ordnung.
    Chor: Wir gedenken in Ewigkeit.
    Lektor: Gedenkt den Söhnen und Töchtern der Herrin. Den auf Erden wandelnden und jenen, welche bereits das Antlitz der Herrin schauen in Ewigkeit.
    Chor: Wir gedenken in Ewigkeit.
    Lektor: Gedenkt eurer Pflichten, gedenkt eurem Schwur zu Tugendhaftigkeit, Treue, Standhaftigkeit und Güte.
    Chor: Wir gedenken in Ewigkeit.
    Lektor: So lasst uns nun diese freudige Zeremonie vollenden, in Ewigkeit …
    Chor: Amen


    Ein zweiter Lektor tritt ans Pult und schlägt ein in rotes Leder gebundenes Buch auf.


    Lektor: 

    Da wandte sich der heilige Filibert wider ihre unseligen Fratzen und sprach voll inbrünstigen Hasses:
    Weichen müsst ihr, denn es ist nicht recht, dass ihr auf Erden wandelt.
    Weichen müsst ihr, denn es ist nicht recht, dass ihr den Ackerboden besudelt.
    Weichen müsst ihr, denn es ist nicht recht, was eure Klauen schaffen.


    Brennen müsst ihr, denn es ist recht so.
    Pfählen muss man euch, denn es ist recht so.
    Mit heiligem Wasser muss man euch ätzen, denn es ist recht so.
    Bei Bewusstsein muss man euch die Zähne brechen, denn es ist recht so.


    Sterben müsst ihr, wenn ihr auch nicht lebt, denn das ist heiliges Gesetz.
    Schande über jeden der euch nicht inbrünstig hasst,
    denn wer euch nicht hasst, dem lastet euer Joch schon auf den Schultern.


    Hinterlist ist eure Tugend, Tücke gereicht euch zum Ruhm.
    Eure Macht ruht auf Kadavern, die Kraft sucht ihr im Blut.


    Wahrlich, wahrlich ich sage euch.
    Tod erntet wer Tod sät. Zum Sähmann kommt der Henker in Bälde.
    Fürchtet die Klinge der heiligen Herrin vom See, denn aus ihr sprießt das Leben das sie hingibt in Fülle.


    Lektor: Prophezeiung des heiligen Filibert de Lambroche, Buch der Weisheit.
    Chor: Ruhm sei ihm in Ewigkeit.


    Der Lektor küsst das Buch. Lektor ab. Primarch tritt vor die knienden Jünglinge.


    Primarch: Ritter Bretonias, hört meine Worte. Heute ist ein Tag der Freude, denn diese jungen Männer werden in den Stand eines ehrenwerten Ritters erhoben. Doch manche Pflicht bürdet ihre neue Stellung ihnen auf. Ehre, Tugend, Sitte, darum wollen wir sie prüfen, ob sie den Erfordernissen ihres neuen Lebens in angemessener Weise begegnen. Jüglinge, die ihr vor dem Antlitz der Herrin erschienen seid, um ihre Gnade und ihre Huld zu erflehen, sagt mir dies, wisst ihr den ritterlichen Codex inwendiglich?
    Jünglinge: Wir leben ihn.
    Primarch: So sprecht gemeinsam die sieben Gebote.
    Jünglinge: Diene der Herrin des Sees in Ewigkeit. Verteidige die dir anvertrauten Ländereien. Schütze alle Schwachen und kämpfe für die Gerechtigkeit. Vernichte die Feinde der Tugend und der Ordnung. Gib niemals einen Kampf auf, solange der Feind nicht bis auf den Letzten, und sei es der Geringste, geschlagen ist. Niemals breche das Vertrauen eines Freundes oder Verbündeten. Stets lege Höflichkeit und Achtung für deinesgleichen an den Tag.
    Primarch: Wahr habt ihr gesprochen und edlen Mutes. Schwört nun bei eurer Klinge, diese Gebote zu befolgen und niemals auch nur einen Jota von ihnen abzurücken. Denn schartig wird des Ritters Klinge und verweigert ihm den Dienst, bricht er mit den Geboten der Herrin, dem heiligen Codex oder tritt er auch sonst irgend fehl.
    Jünglinge: Wir schwören es.
    Primarch: Edel habt ihr gehandelt und weise. Doch mehr noch ist des Ritters Pflicht. Nun alsi sagt mir, kennt ihr die Vorschriften der Ehre?
    Jünglinge: Ein Ritter stellt sich seinen Feinden im Kampf Mann gegen Mann, die Schusswaffe gebraucht er niemals. Ein Ritter lehnt niemals eine Herausforderung des Feindes ab. Niemals zieht ein Ritter sein Schwert wider einen Bruder noch eine Schwester, es sei denn im Zweikampf oder Turnier und niemals zieht sich ein Ritter vor seinen Feinden zurück.
    Primarch: Wahr habt ihr gesprochen und edlen Mutes. Nun empfangt in aller Ehre den Ritterschlag und fühlt euch aufgenommen in die Reihen der Herrin von jetzt an und in Ewigkeit.
    Chor: Amen.


    Der Primarch schlägt den Jünglingen mit der flachen Klinge auf Haupt und Schultern. Ein Lektor erscheint am Pult und schlägt ein mit grünem Leder eingebundenes Buch auf.


    Lektor:

    Karg und öde flieht das Land und seit Menschengedenken hüllen Nebel die Täler.
    Wie Sandbänke erhebt sich Hügel um Hügel aus dem wogenden Schwadenmeer. Zarte grüne Rücken
    buckeln empor. Über steilen Klippen thront der Mensch, die Naturgewalt ehern im Griff. Das Lied
    des Windes stets im Ohr, hält er seine Wacht unter den Schwingen der Raben, den krähenden Boten des Todes.
    Es ist die Faust des glühenden Zorns, die Klinge der Gerechtigkeit,
    das scharfe Auge des Heils, der Schoß der Tugend, ein Hort wider Unzucht und Laster.
    Es ist Bergerac, der Herrin Haupt, der Dom auf dem Fels und seine tapfern Ritter.
    Psalm VIX, Vers 13-22, Buch der Lieder


    Chor: Für Lob und Ehre streiten wir in Ewigkeit, für die Herrin, Amen.


    Der Lektor küsst das Buch. Die Zeremonie fährt fort. Kelche werden reihum gereicht. Gesänge angestimmt. Heiliges Brot gebrochen und als die ersten Strahlen des neuen Tages die Scheiben durchdringen ist das Ritual vollbracht.

  • Schade, dass sich bisher niemand zu Wort gemeldet hat. Gerade bei einer Überarbeitung wäre interessant gewesen, welche Fassung ihr für die bessere haltet. Was ihr auszusetzen habt (Ich weiß, dass Fehler drin sind, hab im Nachhinein nämlich noch welche gefunden :P nur kann man hier ja leider nicht editieren), gerade auch auf die Form bezogen.

  • Auch das vierte Kapitel habe ich jetzt einer umfassenderen Änderung unterzogen, um es "bretonischer" zu gestalten. Ich hoffe der ein oder andere hat die Muse, sich diesen längeren Abschnitt zu Gemüte zu führen. Grüße Protheus


    Kapitel 4


    Renard sagte die neue Freiheit ungemein zu. Er zog von einem Dorf zum nächsten, wobei er oft in herabgekommenen Tavernen oder abgelegenen Bauernhöfen kampierte. Die Leute wusste er mit seinem leutseligen Wesen schnell auf seine Seite zu bringen und es kam nur selten vor, dass er für Kost und Logis einen kleinen Dienst zu verrichten hatte. So war es bis in den dritten Monat hinein seine schwierigste Aufgabe gewesen, ein kleines Rudel Wölfe, welches einige Schafe eines Eremiten gerissen hatte, zu vertreiben. Renard war dieses säumige Dasein durchaus genehm, doch die Pläne der Herrin sahen anderes mit ihm vor. Zu jener Zeit war der Herzog von Parravon den ewigen Grenzstreitigkeiten mit dem Freiherrn von Ubersreik überdrüssig geworden. Also hatte er eine Delegation aus Rittern und Damen gesandt, in einem Konzil im imperialen Ubersreik die herrschenden Differenzen auszuräumen. Doch kam es, wie es kommen musste. In der hochehrbaren Delegation der edlen Ritter, befand sich eine Dame von glänzender, ja nahezu übernatürlicher Schönheit. Lady La Patruce, die kastanienbraun umlockte. Sie war eine Dame ersten Ranges am Hofe des Herzogs und für ihre Weisheit im ganzen Land geschätzt. Von zartem Schleier verdeckt war ihr holdes Antlitz, mit Geschmeiden und Ketten aus Gold und Silber umrankt ihr schlanker Hals und zehn Mädchen waren nötig ihre Schleppe zu tragen, damit sie nicht am Boden schleifte. Eng umschlang ein kunstvoll besticktes Mieder ihre schlanke Taille und darüber thronte die hohe Brust. Ihre filigranen Finger steckten in schneeweißen Seidenhandschuhen und immer wenn ihrem feinen Näschen der derbe Gestank der Männerwelt entgegenbließ, presste sie mit ihren zarten Gliedern ein parfümiertes Tüchlein über die Lippen. Lieblicher Lawendel war ihrer Lunge Labsal.
    Jeder Ritter Bretonias hätte ohne zu zaudern sein Leben gegeben, allein um der Ehre dieser vorzüglichsten aller Frauen willen. Eifersüchtig wachten sie über die Ergebenheitsbekundungen des Freiherrn und seiner Offiziere, auf dass sie es nicht wagen sollten, Lady La Patruce auch nur eine Verbeugung oder einen Kratzfuss zu wenig darzubringen. Ehre wem Ehre gebührt und dieser göttergleichen Dame mit den edelsten Tugenden gebührte alle nur zu erbietende Ehre, das galt den bretonischen Edelmännern als ausgemacht.


    Die Verhandlungen liefen sehr viel besser als erwartet und so einigte man sich nach einem ersten Tag hitziger Wortgefechte, an dem man gegenüber den Schandtaten der Gegenpartei, nicht nur in der jüngsten Vergangenheit, verbal zu Felde gezogen war, dass man die Gespräche am nächsten Tage fortführen wolle. Ein Triumph sonder gleichen, der mithin den mäßigenden Einflüssen der edlen Dame zuzuschreiben war, welche allein mit ihrer Anwesenheit die bretonischen Edelmänner zu ungeheuren Formen des Anstands zwang, welche sie sonst gegen dieses ehrlose Volk von Räubern und Barbaren niemals an den Tag gelegt hätten. Doch was anfangs glücklicher Kunstgriff des Herzogs zu sein schien, wurde schon bald zum Stein des Anstoßes grober Verwerfungen. Gerade waren die Speisen aufgetragen worden. Unter vielerlei Ehrbezeugungen hatte der Freiherr von Ubersreik Lady La Patruce an die Tafel geleitet, als das Malheur, welches niemals gesonderten Eingang in die bretonischen Chroniken finden wird, geschah. Ein angetrunkener, dickwanstiger Landadeliger der imperialen Delegation erhob sich von seinem Platze, um seine Blase in einer dunklen Ecke des Saals zu erleichtern. Doch war er seiner Sinne nicht mehr Herr und stolperte über die am Boden ausgebreitete Schleppe der La Patruce. Der Schleier riss und gegen ihren Willen starrten die ehrlosen in ihr makelloses Antlitz, das nun bar jeder Hülle war. Ihre seidenweiße Haut, ihre hohen Wangen, die schwarzen, mandelförmigen Augen – die lüsternen Blicke des imperialen Abschaums verzehrten sich nach ihr.
    Entrüstet sprangen die Ritter Bretonias von ihren Plätzen. Der Freiherr war noch bemüht, den Schaden in weiten Grenzen zu halten, doch es war umsonst, denn gerade in jenem Augenblick urinierte der sich berappenden Trunkenbold über den seidenen Schleier. Affront! Satisfaktion! Brüllten die Ritter wie von Sinnen. Als wäre dies nicht schon schlimm genug, zog der Schändling seine Taschenflinte und traf den edlen Sir Maurice de Balaunait in der Flanke. Zornestrunken hackten ihn darauf die ehrenwerten Ritter aus seinem erbärmlichen Leben, bevor sie sich unter grässlichen Flüchen und fürchterlichen Verwünschungen zurückzogen. Der Herzog von Parravon, als er hiervon Kunde erhielt, sah sich gezwungen, sämtliche diplomatische Mittel auszuschöpfen, um den Konflikt in Bälde zu befrieden. Noch am selben Abend, da er die Nachricht erhalten hatte, schickte er seine Boten durchs Land, denn der Feind sollte den Blutpreis zahlen, für seine grenzenlosen Unverschämtheiten, die kein Ritter von Bretonia guten Gewissens hinnehmen konnte. Auch Renard folgte dem Ruf zu den Waffen. Bald schon wälzte sich die streitbare Schar über den Pass der grauen Dame gen Imperium.


    Doch nun brach für Renard entgegen seinen Erwartungen eine einzigartige Zeit der Liederlichkeit an. An der Grenze angekommen hatte der oberste Paladin des Herzogs, Graf Willibald de Montaigne, die Bewegungen des Feindheeres, denn auch der Freiherr von Ubersreik hatte seine Truppen in scheuer Vorsicht gesammelt, sorgfältig auszukundschaften und unterdessen Stellung zwischen den steilen Hängen im Pass der grauen Dame zu beziehen. Im bretonischen Tross befanden sich jedoch nicht nur edle Ritter, sondern allerhand Bauern -, Wirts – und Künstlervolk. Gaukler und Feuerspeier unterhielten das reitende Volk. Dirnen und Mägde willfuhren ihnen zu hauf.
    Renard erfreute sich an den vielen bunten Eindrücken. Tags vertrieb er sich die Zeit mit ritterlichen Zweikämpfen, die ihm schnell den Ruf eines besonders geschickten, unüberwindbaren Gegners eintrugen, was seiner eigentlichen Leidenschaft in ungeahntem Maße zugute kam. Das beeindruckte Weibsvolk drückte sich in Scharen um seine mächtige Brust und er liebte sie, liebte sie alle. Die drallen Bauernmägde liebte er ihrer üppigen Brüste, die schlanken Stadtdirnen ihrer schmalen Taillen und Schultern willen, welche er mit seinen riesigen Pranken zu Boden drückte, während er lustvoll in sie eindrang. Seine sprossende Männlichkeit entfachte in ihm immer wieder aufs neue mächtige Flammen der Begierde. Renards Verlangen steigerte sich von Mal zu Mal. Nur wenigen konnte dieses animalische Treiben verborgen bleiben, doch war man gewillt seine Ausschweifungen hinzunehmen, da man seine unglaubliche Kraft durchaus zu schätzen wusste. Die gesammelte Ritterschaft behandelte ihn weit ehrerbietiger, als sein geringer Stand es verlangt hätte und Renard gefiel sich sichtlich in seiner Rolle. Er gebärdete sich als Herr über seine Brüder, indem er ihnen Befehle gab, dies und jenes für ihn zu besorgen. Stets hatten ihn nun zwei seiner liebsten Dirnen zu begleiten, falls ihn die Wollust heimzusuchen drohte. Bei den ritterlichen Zweikämpfen begann er seine unterlegenen Gegner zu verhöhnen sobald sie am Boden lagen, zu bespucken, einem urinierte er gar ins aufgebrochene Visier. Der Hochmut kommt ungefragt, kommt unbemerkt und klopft nicht an. Jede ritterlicher Tugend war in neblige Vergangenheit getaucht, in fernen Sphären, jedenfalls vergessen. Als die Ausschweifungen des jungen Renards zum Ärgernis des Grafen Montaigne immer mehr liederliche Nachahmer fand, schien eine Grenze überschritten, welches jedem duldsamen Maß Hohn sprach. Der Graf musste handeln, wollte er die Disziplin in den eigenen Reihen auch nur halbwegs aufrecht erhalten. Doch war sein persönliches Eingreifen nicht von Nöten.


    Eines Abends, Renard und seine närrischen Kumpanen hatten wie so oft dem Wein in hohem Maße zugesprochen, wurden die Reden hitziger, als sonst. Ein vornehmer junger Edelmann erdreistete sich, das Verhalten der Meute auf das Schärfste zu tadeln. Vor versammelter Runde hieß er Renard Ursache des widerwärtigen Sündenpfuhls, was jenen jeglicher Besinnung beraubte. Schäumend vor Wut sprang er den verdutzten Ritter an, riss ihm, während er ihn ordentlich verdrosch, die Kleider vom Leib, um ihn vor der johlenden Menge an eine entastete Fichte zu binden. Demütigen wollte er den frechen Frevler, welcher sich seiner Person widerspenstig erwies. Im Hochgefühl der eigenen Macht suhlend, röhrte er wie ein Hirsch in die fackelerleuchtete Dunkelheit, als das Getöse der Menge plötzlich erstarb. Erstaunt wandte er sein Haupt. Hart fuhr ihm der Schmerz ins Gesicht und er schmeckte das Blut seiner aufgeplatzten Lippen. Erst jetzt gewahrte er die kühle Nacht, wie sie in eisigen Schauern über seine Haut kroch. Zornesfalten überzogen seine Stirn, als er die Augen wieder öffnete und ein Wutschrei brach aus seiner breiten Brust, dass es von den steilen Felswänden widerhallte. Renard keuchte heftig, so sehr hatte ihn der Schmerz in Rage versetzt.
    Vor ihm stand ein älterer, schmächtiger Ritter, das graue wellige Haar sauber gekämmt, die fein geschnittene Wangenpartie penibel ausrasiert. Nur an seiner Unterlippe haftete ein schelmischer Spitzbart, der sich in sein strenges Gesicht seltsam gut einbettete. Doch was Renard fesselte, waren seine wasserblauen Augen. Dieser stechende Blick der reinen Verachtung und grenzenloser Abscheu.
    Indem er mit einer knappen Geste seinem Knecht befahl den gepanzerten Handschuh wieder aufzunehmen, presste der ehrwürdige Ritter über seine schmalen Lippen:
    „Betrachte dich als gefordert, Unsäglicher. Nur der heilige Schwur hindert mich, dir nicht an Ort und Stelle deinen Hochmut von den Schultern zu hacken. Schändlicher, der du deinen Bruder lachenden Mutes verrätst. So du noch einen Funken Ehre im Leib trägst komm morgen zu Tagesanbruch zum alten Grenzstein vor dem Lager.“
    Dann wandte er sich um und ging. Es war still. Niemand wagte den Mund aufzutun.
    Renard verharrte und blieb starr. Die Lust war ihm geschwunden. Auch seinen Gefährten war der Ernst der Stunde keineswegs entgangen. Schweigsam verbrachten sie die Nacht und erstmals seit seinem Fortgang erinnerte sich Renard der kleinen Ikone seiner Schwester und als er sie öffnete schämte er sich aus ganzem Herzen. Wie wenig hätte sie sein Verhalten verstanden. Es bräche ihr das zarte Herz im Busen, erführe sie von meinen schändlichen Taten, dachte er. Reumütig fiel er auf die Knie und weinte bittere tränen, denn er erkannte sein Unrecht. Heiß kullerten sie über seine mächtigen Wangen. Die ganze Nacht hindurch verbrachte er betend. Erst als die ersten Sonnenstrahlen über die Kuppen der Berge brachen, erhob er sich, um sich von Frederic, seinem Pagen rüsten zu lassen. Zu viert schritten sie dann hinaus vor das Lager, wo sich bereits eine beträchtliche Menge Schaulustiger angesammelt hatte. Es war ein stummes Spektakel. Der Tod schwebte über der Richtstätte und wie ein gemeiner Tagedieb stahl er die Freude aus aller Anwesenden Herzen. Als Renard und seine drei Gefährten ankamen, befahl ihnen ein Page außerhalb des provisorisch errichteten Kampfringes Aufstellung zu nehmen. Dann schwang sich ein brokatberockter Höfling auf ein niederes Podest, zog eine Rolle hervor und begann laut vorzulesen:

  • Also erstmal Gratulation, wirklich toll geschrieben, deine Geschichte, wie wär's einmal mit einer Anfrage bei nem Verlag ;)? Besonders gut gefallen hat mir das erste Kapitel, obgleich es weniger Handlung beinhaltete als die nachfolgenden. Aber es war einfach cool, als ich nachdem ich den ersten Teil davon ( der mit dem Tagtraum Renards ) gelesen hatte, mich eher enttäuscht fragte, ob das nur eine der vielen sinnlosen Gemetzel-Geschichten sei und dann darauf kam, dass es tatsächlich die Fantasie eines Kindes darstellen sollte. Es war einfach beeindruckend! Ich würde mich über ein weiteres Kapitel sehr freuen.

    MfG DD
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    3000 punkte Zwerge
    2000 punkte Orks und Goblins
    Das Imperium 2000 punkte


    1500 punkte Space Marines

  • Danke für dein Lob. Vor allem freut mich, dass du es nicht nur bei einem Post á la "Will mehr" belassen hast, sondern auch gesagt hast, was dir gefällt. Mir geistert schon eine noch vage aber vielversprechende Idee für ein weiteres Kapitel im Kopf rum. Wird von der Atmosphäre etwas ähnlich werden, wie das überarbeitete zweite Kapitel. Wo ich es dann zeitlich verorte ist aber nicht sicher. Wahrscheinlich schiebe ich es irgendwo zwischen Kapitel 9 und 13 ein. Leider wirst du dich auch noch bis ins neue Jahr hinein gedulden müssen, weil ich noch nicht weiß, wann ich Zeit und Muße finden werde ;) 
    Wenn du gerade Lust hast, könntest du mir eine Frage beantworten (es darf sich diesbezüglich jeder aufgefordert fühlen :P): 
    Mich interessiert als Autor natürlich, was gut ankommt und was nicht so gut ankommt. Gerade für das erste Kapitel habe ich ja sehr positive Resonanz bekommen. Überraschende Wendungen scheinen also äußerst beliebt zu sein? Wie gefällt euch denn, wie beispielsweise im überarbeiteten Kapitel 2, das ritisch-atmosphärische? Gut? Weniger? Ab und zu ist das schon ok, aber bitte nicht zu oft?

  • Ich finde du könntest immer wieder etwas in der Art einbauen, allerdings glaube ich, dass wenn du allzu oft in diesem Stil schreibst, die Geschichte etwas schwierig zu verfolgen wird. Aber wie gesagt, hie und da gefällt mir dieses Atmosphätische ganz gut, ich finde man kann sich die Szene dann recht gut vorstellen, was wahrscheinlich auch das Ziel ist :).
    Ich würde dir, auch wenn es gut ankommt, jedoch raten, nicht allzu oft überraschende Wendungen einzufügen, weil das, vermute ich zumindest einmal, dann doch eher schräg wirkt, aber gerade am Anfang einer Geschichte empfinde ich den "Aha-Effekt" wirklich als ganz gut.

    MfG DD
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    Einmal editiert, zuletzt von Druchii-Dawi ()

  • Danke für deine Einschätzung, im wesentlichen liegt die sehr nahe an meiner eigenen. Wie gesagt, ich wollte ja noch einen atmosphärischen Teil schreiben - demnächst :D 
    Ist halt bischen blöd, dass der Thread zu so einem Arbeitsthread verkommt, weil ich dauernd kreuz und quer posting betreib, aber vll. frag ich irgendwann mal nen Mod, ob man das Ganze entflechten kann.
    Freut mich aber, dass trotzdem immer noch der ein oder andere dabei ist. :)

  • Nachschub! Wundert euch bitte nicht, dass es sich bereits um Kapitel 15 handelt. Ihr habt nichts verpasst. Kapitel 14 soll die nächsten Wochen nachgeschoben werden. Es ist halt so eine Sache mit der Kreativität. Mal galoppiert sie in die eine Richtung, mal in die andere und besser fängt man sie geschickt ein, als dass man sie zwingt, einen vorbestimmten Weg zu gehen. Noch eine kleine Bemerkung: Sir Galahad de Lumière hieß der Bursche, der Hugo le Petit, oder Renard, wie er damals noch hieß, fordert und im Duell besiegt. Die Bergerac/Ordensgeschichte soll als vollvertige Parallelgeschichte neben der eigentlichen Handlung im Hintergrund ablaufen. Das Spiegelbild des Lebens eines Ritters. Sir Galahad soll nach meiner aktuellen Konzeption als Jungritter also bereits im Kapitel 2 bei seiner feierlichen Aufnahme in den Orden erkennbar sein - an seiner Heraldik! Lasst euch also überraschen, was mir sonst noch so alles einfällt ;) Viel Spaß beim Lesen!


    Kapitel 15


    Auf einem Berg aus geziegelten Dächern und Fachwerkgemäuer, hinter dem schleierhaften Dunst der qualmenden Schornsteine, in den herben Geruch verkohlten Holzes, das Laute Stimmenmeer auf dem Markt voll gackernder Weiber und grunzender Händler, also mitten in der Felsenstadt Bergerac, steht der gewaltige, gotische Felsendom, ein Werk des berühmten Dombaumeisters Erwin Alfred Kruppelsbinge, welcher erst Jahrzehnte nach seinem Tod vollendet ward. Der kopfsteingepflasterte, von dreistöckigen, reich verzierten Kaufmanns – und Ritteranwesen umbordete Marktplatz, ist jeden Tag schon früh am Morgen, wenn die Sonne ihre Vorhut über die umliegenden Bergkämme sendet, von Handwägelchen, dickbäuchigen Bauersfrauen und pfiffigen Handelsgehilfen bevölkert. Nur wenige gezimmerte Buden ranken sich um den zentralen Brunnen, Giebel an Giebel und in ihrer Mitte thront das bronzene Reiterstandbild Manfreds des Standhaften, Gründer von Bergerac anno 1449 imperialer Zeitrechnung.
    Der Rest ist Chaos. Kreuz und Quer hat man Karren herangeschafft, überladen mit rauen Knollen, welken Rüben und Kräutern. Bäcker stapeln ihre duftenden Brotleiber übersät mit Mehl und Kümmel, daneben aufgebrochene, aus der Decke geschlagene Rehe eines Jägers, der kräftige Brocken saftigen Fleisches aus den Rücken schneidet. Auch die Flussfischer preisen ihre Waren an. Mit gewaltigem Brumbass brüllen sie in die schnatternde Menge, wedeln mit ihren Fischen, den frischen und verkaufen einem die alten, welche stinken nach faulem Ei, also Verwesung. Zwischen den Ständen sickert ein Rinnsal aus Blut, Urin, Abwasser, in welchem die Kleinsten ausgelassen mit ihren nackigen Füßen umherspringen. Sie lieben es, wenn der lauwarme Sud zwischen den Zehen emporquillt. Doch am meisten freuen sie sich, wenn sie bis zu den Knöcheln im heißen Kuhmist versinken. Die ganze wogende Menge stößt Hitze aus ungezählten Poren. Verschwitzte Achseln, schweißperlende Stirnen, dampfender Atem, atemraubender süßlich säuerlicher Gestank, nach gärendem Schimmel und Käse. Der Würgereiz klammert sich klammheimlich an die Gurgel, drückt ganz fest zu den Hals. Langsam quetscht man sich durch die Lumpen umwickelten Gestalten, strebend immer zu dem kühlen Monument der starren Kunst. Man tritt auf faules Obst, räudige Hunde streunen mit zottigem Fell um die wankenden Knie, markieren hier und dort, Ratten quieken, Schweine, Ziegen, Katzen, Spatzen. Dazwischen Bettler, Invaliden mit behelfsmäßigen Krücken, diebische Waisenkinder, mürrische alte Hausmägde mit fettigen Kitteln, bucklige Greise am Stock, Dirnen, Huren und Gesinde. Hammer treffen auf Holz, langstielige Löffel plätschern in kochendem Wasser, das prasseln wilder Feuer, Schreie, Augen blitzen und leuchten, Ohren zucken erregt, Nasen rümpfen sich, dann strecken sie sich in die Länge, Hälse recken, Beute verstecken. Man könnte sagen; Es war ein Tag wie jeder andere auf dem Markt von Bergerac.


    Über den Wirren jedoch, thront auf festem Sockel, der Tempel des heiligen Herzens, der Felsendom zu Bergerac. Mächtig ragen seine drei Türme in den azurblauen Himmel. Die Finger ertasten die kühlen Granitblöcke, in die man mit dem Meißel, auf hüfthohem Podest, herrliche Portalfiguren und Pilaster in den Stein getrieben hat. Zur Linken drei betende Jungfrauen in Tuniken, die straffen Brüste entblößt, die Lippen makelloser Gesichter leicht geöffnet, wie zu sinnlichem Hauch. Zur Rechten drei wackere Jünglinge in geschmiedeter Platte, das Haupt bartumwuchert, die Züge entschlossen und feierlich. Unter die Achsel haben sie die reich verzierten Helme geklemmt.


    Die bronzenen Portalflügel erzählen von den 12 gewaltigen Schlachten des Gilles le Breton, dem Einiger Bretonias. Reiter auf wütend schnaubenden Rossen, Infanterie mit Speer und Hellebarden, über und über gewappnete Reisige, Kampf und Ehre all überall. An den Flanken, auf den schlanken Stützsäulen an der Außenhaut sitzen groteske Wasserspeier, Drolerien, dämonische Fratzen. Spitze filigrane Türmchen, ein umlaufender Balkon hinter reich verzierter Brüstung zwischen steinernen Bögen, die sich dem steilen Dach des Hauptschiffs zuneigen. Knarrend öffnet man ein beschlagenes Eichentor. Schon strömt einem eine kühle Prise aus dem Längsschiff des gewaltigen Bauwerks entgegen. Es riecht nach räucherndem Harz und kaltem Kerzenwachs. Acht gewaltige Säulen streben zu beiden Seiten vom Eingang bis hin zum Chor in die Höhe. Dumpfes Taglicht strömt durch die Blutroten Scheiben. Doch es ist dies nicht das quirlige Blut eines Jünglings, sondern die Farbe des dicken, zähflüssigen, fast schwarzen Lebenssaftes eines uralten, zahnlosen Bettlägrigen, wie es müde in seinen Adern zirkuliert. In den einfallenden Sonnenstrahlen tanzte der Staub. Nur ein paar runzlige Mütterchen buckeln in den langen Holzbänken, gehastetes Gemurmel leerer Worthülsen, wie sie metallisch in den Raum fallen, verhallen ungehört. Um den Pfeilerkern der kolossalen Tragstützen schmiegen sich je vier ebenbürtige Halbsäulen, drei blanke Rundungen bis unter das reiche Kapitell, welches verziert von Ornamenten und bärtigen Schöpfen, in Grate und Rippen im Kreuzgewölbe mündet. Steht man vor dem Altar, erblickt man drei symmetrische halbrunde Nischen im Chor, worin lebensgroße Marmorbüsten stehen. Linkerhand die des Alfred Legano, des ersten Patriarchen des Hochheiligtums. Mittig folgt Niobe, die vor Gram zu Stein gewordene, wie sie ihr Gewand vor Seelenpein zerreißt. Noch immer speisen ihre kullernden Tränen ein Becken voll heiligem Wasser zu ihren Füßen. Nicht wenige vertrauen auf die schmerzlindernde Kraft desselben. Zu Letzt, die des Einigers aller Bretoni, Gilles le Breton.
    Zu beiden Seiten führen reich ornamentierte Portale in zwei Seitenschiffe, die sogenannte Ehren – und die Mahnkapelle. Beide ragen weit über das Dach des Mittelschiffs in den Himmel und bilden die Seitentürme der monumentalen Kathedrale. Der gewaltige Glockenturm steht im Zentrum des Chors über dem goldbeleisteten, Pfeilerumstandenen Granitaltar. Beide Seitenschiffe sind achteckig und haben weder Säulen noch Fenster. In der Mahnkapelle herrscht stets feuchte Schwärze und absolute, in Stein geschlagene Stille. Nur in der Mitte des Raumes brennt allezeit auf einarmigem Kandelaber eine kleine Kerze. Die Luft steht im Raum, sie schmeckt leicht salzig.


    Ganz anders die Ehrenkapelle. Es ist diese nämlich ein hoher Turm, der mit glühender Asche gefüllt ist. In ihm ist eine drehbare Maschine angebracht, die sich nach allen Seiten schräg zur Asche hin neigt. Auf der Schräge kredenzt man den heiligen Feuern die Totenopfer, doch in der Mitte, auf einem Berg aus Fels und Flamme, da liegt der Selige selbst. Nur die mächtigsten Männer des Ordens werden hier bestattet. Sieben Tage ist ihr Leichnam aufgebahrt. Sieben Tage balsamieren ihn sieben der edelsten Jungfrauen der Stadt und siebzig ihrer Brüder rasieren sich die wallenden Locken vom Haupt, um sie dem Toten zum weichen Bett zu häufen. Nach dem siebten Tag jedoch feiert man die große Zeremonie, dann entzündet man den Leichnam und lässt ihn sieben Tage brennen. Der bestialische Gestand verbrannten Fleisches zersetzt dann die Luft, doch erst durch die heilige Lohe kann seine Seele zur Herrin ziehen, um an ihrer Tafel zu speisen. Die Flammen der Läuterung haben ihn gereinigt. Zwei Posten wachen über den zu Staub zerfallenden. In Stößen wallt des Feuers heißer Brodem durch den orange widerscheinenden Raum. Heiße Wellen branden an den leuchtend roten Backen des stillen Betrachters. Es knirscht und knackt die heilige Glut. Dann zuletzt wirft man einen Blick auf die gravierte Marmorplatte, wie sie kündet vom einst noch lebenden:


    Hier fährt zur Herrin, der ehrenwerte Bruder und Ritter des Grals, Sir GALAHAD de LUMIÈRE. Er starb eines natürlichen Todes, denn unbesiegt blieb er im Kampfe. Möge seine Seele Einzug finden in die ewigen Hallen ihrer Göttlichkeit, der Herrin vom See.


    Zu Füßen der Platte liegt ein kunstfertig geschmiedeter Vollhelm, dazu ein goldumrandeter Schild. Darauf bäumt sich ein schwarzer Pegasus am Rad, auf rot-weiß gevierteltem Grund.
    Nach vierzehn Tagen folgen Wettkämpfe zu Ehren des Verstorbenen. Ringen, Laufen, Kugelstoßen, Pferderennen und Lanzengang. Erst dann ist dem Toten das letzte Geleit gegeben und der Alltag hält erneut Einzug in dem namentlichen Städtchen Bergerac. Wie jeden Morgen strömen die Leute auf den Markt, schreien, grölen, leben.

  • So :D


    Nun hab ich am stück alles gelesen, bis auf die überarbeitung des 4ten und des letzten Kapitels und das um diese Uhrzeit :D Aber damit du auch mal ein wenig mehr rückmeldung bekommst überspringe ich den Schreibstyle da das geschmackssache ist (aber ja er gefällt mir).


    1. In Kapitel 1 schriebst du folgenden Satz:


    „Heilige Herrin vom See, gebenedeit sei die Frucht deines Geistes, das Land deiner Knechte, entsprossen deinen Schenkeln."


    Gebenedeit? Soweit ich informiert bin bedeutet das doch beneiden oder nicht? Hierdurch und durch den letzten Teil des Satzes, ,,entsprossen deinen Schenkeln." Finde ich den Satz doch etwas merkwürdig, vielleicht sogar ungünstig formuliert. Allerdings kann ich mir vorstellen das es gerade bei letzteren Punkt damit zu tun haben könnte, das ich den Fluff der Bretonen gar nicht kenne :D


    2. Ebenfalls im Kapitel 1 glaube ich:


    ,,Lustig fraßen sich seine Klingen durch ihre Rümpfe." Huch? Wie freßen sich Klingen denn Lustig durch Rümpfe? Würde gerne deine Hintergedanken erfahren, um die Wortwahl nachvollziehen zu können :)


    Das waren die gröbsten Sachen die mir ins Auge sprangen. Es gab dann immer mal wieder kleine Abweichungen von deinem Schreibstyle, aber niemals so etwas gravirendes (ausser Nonsense, aber das wurde ja auch angesprochen) wie diese zwei.


    Mehr Kritik... kann ich kaum äußern =) Es sind zwar noch einige Dinge die ansprechen würde ABER die Geschichte ist noch nicht zuende und vielleicht ergibt sich der Sinn dann später ;)


    Zu der überarbeitung zu kapitel 2: Viel besser! Ich glaube vorher ist nicht jedem Klar geworden über was du da schreibst aber nach der überarbeitung ist es super insziniert.


    Alles in allen mach weiter so, ich werd sobald ich Zeit hab mal nochmal Lesen ich weiß nicht wie viel ich übersehen haben könnte ;)


    P.s: bitte vergebt mir fehlende Rechtschreib und Grammatik überprüfungen, ich hab nicht geschlafen und muss gleich loß um Pünktlich in der Berufsschule sein zu können ;)

    ,, Am Ende so sagen sie, wird der Tag kommen, da alle Männer tot sind oder unter dem Banner des Chaos stehen, und der Champion des Lichts allein gegen eine Horde bestehen muss, eine letzte flackernde Kerze in einer Welt, die in Finsterniss versunken ist."


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