Auf verlorenem Posten - Ein bretonischer Hofstaat auf dem Weg zum letzten Gefecht

  • Bei mir hat es eine ganze Zeit gedauert, bis ich dahinter gekommen bin wer der Chef von Mantic ist.

    Es ist schon richtig, dass Mantic erstmal als günstige Bezugsquelle von Minis für Warhammer fungieren wollte. Die Völker waren und sind zum Teil noch sehr identisch.

    Aber gerade das Regelsystem fand ich doch sehr anders. Es hat die komplette erste Edition gedauert, dass ich damit warm wurde. Der Fokus geht ganz klar zu den Einheiten, Charaktere sind nützlich, aber nicht notwendig (trotzdem spiele ich meist mit ihnen, alte Gewohnheit). Die Einheit, egal welcher Größe, hat ein Profil, nicht das einzelne Modell. Schaden wird nach dem Treffen verteilt, verwunden ist nicht nötig. Bricht die Moral, wird die Einheit entfernt. Inzwischen finde ich das System genial!

    Nicht falsch verstehen, ich will nicht auf die Eigenständigkeit von KoW pochen, ich möchte einfach verstehen wie Du das meinst und gegebenenfalls meine Meinung ändern.

    Danke für die Einladung Masterpainter , aber das braucht eine längere Vorlaufphase, da Ihr doch 6 bis 8 Stunden von mir entfernt wohnt.

    Ich spiele:


    Warhammer Fantasy 5., 6. und 7. Edition


    Kings of War 2. Edition


    und


    Infinity

  • ... ich möchte einfach verstehen wie Du das meinst und gegebenenfalls meine Meinung ändern.

    Ist nur meine Sicht der Dinge, was in erster Linie daran liegt, dass bei Warhammer für mich die absolut wichtigste Phase des Spiels die Bewegungsphase war und ist. Mit ihr steht und fällt alles. Kings of War ist Warhammer sowohl in der Art und Form der Einheiten gleich als auch im Bewegen und Angreifen ( = doppelte Bewegung). Wer die grundzüge und Taktiken in der 5. Edition Warhammer verinnerlicht hat, der schafft das auch in Kings of War. (So meine Meinung.) Viele Spiele sind damit schon entschieden. Nahkampf und seine Mechanik sind für mich zweitrangig. Die sind wirklich anders als bei Warhammer und das ist auch gut so, um es abzugrenzen. Auch das Prinzip des Moralbrechens find ich nicht unbedingt schlecht. Dass gebrochene Einheiten vom Spielfeld genommen werden, erinnert mich auch wieder an die 4./5. Edition und alles was danach kam. Wenn da eine Einheit in die Flucht geschlagen wurde, war es auch meist vorbei. Die Tatsache, dass eingeholte Einheiten ab der 4. Edition einfach als vernichtet galten, ist eben sehr prägnant, da es eine reine Design-Entscheidung ist, die nicht die Hergänge auf historischen Schlachtfeldern zum Vorbild hat. Das ist eine Sache die ich bei beiden Systemen nicht so mag.


    Die 3. Edition Warhammer hatte das (meiner bescheidenen Meinung nach) viel besser und gerechter gelöst. Das ging zwar zu Lasten des Spielflusses, konnte aber den Sieger eines Nahkampfes ebenso der Kontrolle über seine Einheit berauben und damit zum Nachteil gereichen, während die Verfolgten noch immer entweder im Wege waren oder wenigstens um ihr nacktes Überleben kämpfen konnten. Obendrein war es ihnen sogar möglich sich irgendwann doch noch zusammenzuraufen, auch wenn die Schlacht dann meist geschlagen war.


    Die Verfolger sind hingegen sowohl bei Kings of War als auch bei Warhammer immer noch zur Stelle und gefährlich. Das mag vielen Lesern hier selbstverständlich vorkommen, ist es meiner Meinung nach aber nicht. Die Verfolgung von Feinden und das darauf folgende Blutbad hat meist die Ordnung und Operationsfähigkeit der Sieger ebenso zerschlagen wie den Feind selbst. Formation spielt plötzlich keine Rolle mehr, Einzelpersonen verfolgen sich blitzartig in alle Himmelsrichtungen, pures Chaos. Die wenigsten Regimentsbefehlshaber hatten ihre Meute da noch unter Kontrolle. Sie ganz vom Morden abzuhalten oder gar zurückzurufen war leichter gesagt als getan. (Die 3. Edition Warhammer spiegelt das einfach recht gut wieder. Die späteren Editionen gehen - genau wie Kings of War - gar nicht weiter darauf ein.)


    Vieleicht ist es der Grad der Abstraktion bei gewissen Phasen und Mechanismen, der mir den Eindruck gibt, dass sie sich so ähnlich sind. Letztenendes ist das auch nur mein subjektiver Eindruck.


    Wenn Du z.B. persönlich viel mehr auf den Nahkampf schaust und die Art wie er gestaltet wurde, kann ich verstehen, dass Du einen anderen Gesamteindruck hast.


    Ich habe nur immer Armeen gespielt, die im Nahkampf keine Brecher waren und ein verrissenes Ruder dann auch nicht mehr herumreißen konnten. (Auf gecrunche mit Charaktermodellen und dicken magischen Gegenständen war ich auch nie allzu scharf. Auch das ist mir zu viel "Spiel" und zu wenig "Schlacht".) Deshalb musste und muss die Bewegungsphase immer sitzen. Da gibt es keine Zu- oder Unfälle. Entweder passt alles oder die Auslöschung der eigenen Einheiten ist nur noch eine Frage der Zeit.

  • ;) wenn man mit der Argumentationsweise sagt KoW wäre WHFB, dann kann man auch sagen WHFB ist Fantasy Warrior.

    Dort schob man schon Regimenter, als man bei WHFB noch Einzelfiguren bewegte! ;)

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    ich hab nix zu malen .... ein ganzes Zimmer voll nix ....


    http://broncolaineswargamingsite.blogspot.com/


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    aktuelle Systeme:

    Lion Rampant / EDEN / FUBAR / Steinhagel / Kugelhagel / KoW 2.0

  • Es klingt immer sehr faszinierend, als ob Ihr da die "Macher" der Systeme persönlich kennt?

    Teilweise tut man das ja auch!

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  • Merrhok , Du hast schon recht, die Bewegungsphase finde ich auch am wichtigsten, aber gerade da finde ich, dass sie bei KoW noch wichtiger ist. Alle Fantasyspiele, die ich mir mal angeguckt hab, haben eine ähnliche Zugaufteilung, macht ja auch irgendwie Sinn. Klar gibt es Ähnlichkeiten, aber ich glaube das der Fokus bei den unterschiedlichen Spielen woanders liegt. Bei Warhammer waren es, zumindest für mich, die Charaktere, auch bei den Editionen nach der 5.. Bei KoW ist es die Bewegungsphase. Der Mangel an Wichtigkeit der Charaktere hat mich zu Anfang total irritiert. :OGerade der unterschiedliche Fokus macht für mich den Reiz eines Systems aus und in der Hinsicht gibt es kein besseres oder schlechteres System, nur unterschiedliche.

    Herzog Richard , nein persönlich kennen tu ich die nicht, aber mit der Zeit kennt man ihre Spiele und deren Stil und dann klingt es vielleicht so. Das ist aber nur bei mir so, vielleicht kennen die anderen ja tatsächlich welche persönlich.

    Ich spiele:


    Warhammer Fantasy 5., 6. und 7. Edition


    Kings of War 2. Edition


    und


    Infinity

  • Das Los der Löwin


    Es war finstere Nacht in Parravon und nur der Schein zweier Kerzen erhellte das Turmzimmer der Burgherrin von Sanglac. Wie gebannt las sie in einem uralten Buch, Zeile um Zeile, Absatz für Absatz und Seite auf Seite, hungrig nach all dem Wissen, welches darin auf Entdeckung wartete. Lucia verspürte keine Müdigkeit. Lediglich der Kopfschmerz suchte sie hin und wieder heim, wie sie es nunmehr seit beinahe über einem Jahr fast schon gewohnt war, seitdem sie bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zur Verteidungung der Festung durch einen Angreifer am Kopf verletzt worden war. Damals war sie durch den Treffer ohnmächtig im Sattel ihres Hengstes zusammengesunken und noch heute fand sich eine geschwungene Narbe an ihrem Haaransatz, welche jedoch meist von ihren dunklen Locken verdeckt wurde. Sie kniff die Augen zusammen als sich erneut eine schwarze Wolke des Schmerzes auf ihr Haupt hernieder legte und nur der leise Klang einer Stimme riss sie alsbald wieder aus ihrer Insichgekehrtheit. Was war das? Hätte sie es nicht besser gewusst, hätte sie geglaubt ihr Sohn sei im Stockwerk über ihr aus einem nächtlichen Traum aufgeschreckt. Grund für Albträume gab es dieser Tage genug, aber das konnte es unmöglich sein. Seit seinem Unfall hatte das Kind kein Wort mehr von sich gegeben. Es schlief einen endlosen Schlaf, ganz gleich ob bei Tag oder Nacht. Oder doch nicht?


    Bewegungslos und in die Dunkelheit starrend lauschte Lucia in die Stille der Nacht, bis ein Windhauch die Flammen der beiden Kerzen zu tanzen beginnen ließ und sie schließlich aus ihrer Erstarrung löste. Sie tat einen tiefen Atemzug und rieb sich die Narbe an der Stirn. Dann fiel ihr Blick wieder auf die pergamentartigen Seiten des Buches, welches sie vor sich auf dem hölzernen Pult liegen hatte. Es schien so viele ihrer Fragen zu beantworten. Ängste, die sie bis dahin nächtelang hatten wach liegen lassen, schienen mit einem Mal gar nicht mehr so bedrohlich. Natürlich war ihr Gatte noch immer nicht von seiner Pilgerreise zurückgekehrt und an manchen Tagen gab sie sich dem Gedanken hin, dass er sie wahrscheinlich nie wieder in seine starken Arme schließen würde, aber dann kehrte ein schuldbewusstes Nagen in ihrer Magengrube zurück und sie befahl sich aufs Neue, dass sie stark sein und ausharren müsse; für sich, ihren Sohn und für ganz Sanglac.


    Die schweren Gedanken wogen deutlich leichter seitdem sich in dem alten Enric, wie aus finsterer Nacht und scheinbarer Hoffnungslosigkeit, ein gütiger Ratgeber an ihre Seite gesellt hatte. Nicht nur hörte er geduldig zu wenn Lucia ihm ihre Sorgen darlegte, er wusste auch auf fast jede Frage eine Antwort und löste Probleme derer sie sich vorher teils nicht einmal bewusst gewesen war. So hatte er ihr schließlich auch jenes Buch zukommen lassen und versprach ihr, dass es Mittel und Wege bereithalten würde, um ihren Sohn schlussendlich wieder auf die Beine zu bringen. Seitdem las Lucia jede Nacht darin, bis sie in tiefen Schlaf fiel.


    Der Inhalt des Buches war vielschichtig und trug einen tiefer und tiefer in eine Welt der Erkenntnis und des Vertrauens auf die Mächte der Magie, welche in jedem Lesenden verborgen lag. Was teils kryptisch begann und von fernen Orten erzählte, geleitete Lucia bald immer schneller und zielsicherer zu Themen, welche ihr schon seit so langer Zeit unter den Nägeln brannten. Wie besessen las sie Seite um Seite, studierte die Darstellungen und Skizzen. Fast hätte sie schwören können, dass einige von ihnen sich über die Zeit veränderten. Wenn sie eines Nachts an einer Stelle weiter zu lesen begann und den Punkt suchte, an dem sie in der Nacht zuvor aufgehört hatte, war es ihr manchmal als könne sie den Anschluss im Text nicht mehr finden und läse jede Nacht völlig neue Dinge. Diese zweifellos völlig irrige Illusion sorgte dafür, dass sie sich die Nächte nur noch mehr um die Ohren schlug und so viel zu lesen versuchte wie sie nur aufnehmen konnte, in der absurden Angst, dass es am nächsten Tag vielleicht nicht mehr da sein könnte. Sie wollte alles wissen, nichts auslassen und selbstverständlich kein Detail verpassen, welches sie der Genesung ihres einzigen Sohnes näher zu bringen vermochte.


    Stellenweise weigerten sich Lucias Augen mintenlang auch nur zu blinzeln. Sie fiel über die Seiten her wie eine hungrige Löwin über ihre Beute, nachdem sie sie über endlosen Strecken zu Tode gehetzt hatte. Schließlich verließen sie erst kurz vor dem Morgengrauen die Kräfte und sie schloss ihre blutunterlaufenen Augen, als sie - noch immer am Pult sitzend - einschlief.


  • Sehr schöne Geschichten. Folgen denn auch wieder bunte Bretonen?

    So sieht der Plan in der Tat aus, ja. Im Moment halte ich noch Ausschau nach Rittern. (Das müssen bei mir ganz konkret Modelle aus den späten 90ern sein.) Die werden dann, einer nach dem anderen, mit der jeweiligen Heraldik bemalt und erhalten einen Hintergrund, bis sie Sollstärke haben.


    Im Moment fehlen mir so etwa 11 Ritter Modelle. Das heißt, wenn im Moment gespielt wird, dann sind es nur Fluff-Spiele, aufgebaut auf Infanterie und den Helden, deren Saga erzählt wird. (Drüben im entsprechennden Thread kann man z.B. eine solche Schlacht nacherleben.)

  • Kälte


    Clotilde machte sich ernsthaft Sorgen. Natürlich wusste sie, dass es ihr als Dienstmagd nicht zustand Bedenken über das Verhalten ihrer Herrin zu äußern, aber dennoch nagte ein ungutes Gefühl an ihr und sie biss sich auf die Unterlippe, beim Blick auf den hohen steinernen Turm, in dem die Burgdame von Sanglac ihre Gemächer hatte. Bereits seit Monaten hatte keiner der Bediensteten mehr einen Fuß in einen der Räume setzen dürfen. Sie kamen und gingen nur noch der Wäsche und Nahrung wegen. Alles musste vor verschlossenen Türen abgestellt werden, als gälte es die Übertragung einer ansteckenden Krankheit zu vermeiden. Clotilde wusste nicht viel über solcherlei Dinge. Aber sie spürte, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Ihre Herrin sprach kaum noch mit irgend jemandem. Das Kind, welches aufgrund seiner Bettlägerigkeit in den Gemächern ganz oben im Turm untergebracht war, hatte schon seit einer gefühlten Ewigkeit niemand mehr zu Gesicht bekommen. Seine Mutter machte indes eine Miene wie fünf Tage Regenwetter und der Himmel schien ihr aus unerfindlichen Gründen Recht zu geben. Dunkle Wolken verdeckten die Sonne. Nieselregen wechselte sich mit Sturm und Gewitter ab.


    Als vor einem Monat der Gemahl der Herrin – der Vicomte der Festung Sanglac – von seiner langen Queste heimgekehrt war, dachten alle die dunklen Tage seien vorüber. Das Burgvolk jubelte und brach in regelrechte Feierlaune aus. Aber die Lady Lucia war still geblieben. Erst hatte es kaum einer bemerkt, aber als sie die versteinerte Miene ihres Herrn sahen und wie sein kühler Blick von seiner Gattin fast wie in einem Spiegel erwidert wurde, spürten auch die einfachsten Bauern, dass die langersehnte Heimkehr ihres Herrn nicht alle Übel der Welt zu bannen vermochte.


    Antoine war seitdem nicht mehr in das Herrenhaus zurückgekehrt. Er verbrachte seine Tage mit Ausflügen in den Bergen oder betend in der Burgkapelle, in welcher er auch sein Nachtlager aufschlug. Der einst edle Herr hatte sich grundlegend verändert. Es schien als könne er das vagabundenhafte Pilgerleben kaum mehr lassen. Ebenso sprach er nicht, auch wenn seine ehemaligen Knappen noch so sehr seine Nähe suchten. Auch sie spürten, dass ein anderer Mann zu ihnen zurückgekehrt war und dass sie wohl kaum da anknüpfen können würden, wo das Schicksal sie einst getrennt hatte.


    Clotilde warf einen Blick auf das Turmfenster ganz oben im steinernen Gemäuer. Das Innere des Raumes lag in Schatten gehüllt und der Wind ließ keinen Laut aus den Gemächern der Herrin vernehmen. Als ihr ein Schauer über den Rücken lief, war sie sich nicht sicher ob die kalte Luft oder die allgemeine Stimmung daran Schuld gewesen sein mochten. Schließlich wandte sie sich ab und ging wieder ihren alltäglichen Beschäftigungen nach.