Ich bin immer noch am Schreiben, und in diesem Fall habe ich folgendne Part der Geschichte überarbeitet:
13. Opfergnade und Nebelzug
Elenora
Andere hätten den Rausch des Überlebens gesucht, Wein und falschen Trost. Elenora nicht. Sie diente Khaine, nicht dem Kult der Sinnesfreuden. Die meisten ihrer Schwestern waren in Morathis Schulen geformt worden, und ja, auch sie hatte dort ihre Prüfungen abgelegt, Formeln gelernt, Sprüche gemeistert. Doch während man sie zu biegen glaubte, blieb ihr Herz schwarz und scharf wie eine Opferklinge. Sie war Hexenkriegerin, bevor man sie „Zauberin“ nannte. Töten war ihre Liturgie.
Khaine verachtet Magie, heißt es. Ihr war das gleich. Die Kraft steckte in ihr; sie lenkte sie dahin, wohin Khaine blickte: zum Mord. Dass sie noch atmete, gefiel Malekith; er hatte sie unter seinen Schutz gestellt, solange Khaine sie ansah. Morathi lächelte, doch sie traute ihr nicht. Schattenklinge lauerte im Schatten ihres Namens, wartete auf ein Wort der Königin, ein Flackern der Gunst, und seine Klinge würde ihre Rippen suchen. Es beunruhigte sie nicht. Viele fürchteten, auf Morathis Liste zu stehen; Elenora fragte sich nur, wie viele auf ihrer eigenen Liste standen. Ulthuan war groß — und die Liste geeigneter Opfer war lang.
Mitten im Nebel traf sie mit der Marschkolonne auf einen Versprengten, einen Druchii aus Gorbacks zerschlagener Streitmacht. Flucht war Schande. Die Sitte kannte Gnade: Opfergnade, die rituelle Hinrichtung der Fliehenden im Namen Khaines. Keldric gewährte ihr die Bitte, den Ritus zu vollziehen, und ließ die Kolonne halten.
Der Krieger kniete. Elenora zeichnete Khaines Zeichen auf seine Stirn, die Finger rot von Bruderblut. Kein Zögern. Die Klinge fuhr. Drei Herzschläge und ein Flüstern. Ein feiner, metallischer Geschmack legte sich ihr auf die Zunge; Khaine nahm, was er gab. Sein Atem ging fort, ihrer blieb. Sie hob die Arme, rief ihren Gott und dankte ihm für das Festmahl des Tages — und für das von morgen. Khaine liebt Zahl und Maß.
Keldric, geduldig wie ein Strick, ließ sie weiterziehen. Sein Blick sagte „Weiter“. Er dachte es, und Elenora hörte es in seiner Kälte: Sie lebte; also stand ihre Klinge gut bei Khaine. Die Asur würden überrascht werden. Die Asur würden sterben.
***
Keldric
Die Nebelbänke lagen schwer über dem Südtal Ulthuans, dicht genug, um den Atem zu schmecken. Feuchte kroch in Leder und Ketten; das leise Reiben von Riemen und Schnallen erstarb im Dunst. Elfenaugen waren Segen und Fluch, die der Druchii ebenso wie die der Asur. Heute halfen sie niemandem. Gut, dann sprach man lautlos.
Die Kolonne glitt über den Pfad der Talschneise. Sie passierten den Ort des vorangegangenen Mordens: einsame Schwerter, dunkle Blutlachen, Schleifspuren, wo Körper fortgezogen worden waren. Keine Leichen. Nur der Geruch blieb, metallisch und süßlich; der Wind trug ihn Keldric zu, als wäre er sein Page. Weiter vorn ragte ein Pfahl aus dem feuchten Gras. Gorbacks Kopf, sauber aufgesetzt als Warnung — für die, die noch folgten. Dahinter ein Haufen verbrannter Druchii — die Asur begruben die Ihren und machten mit den Seinen ein Zeichen. Barbarisch? Vielleicht. Oder einfach gründlich. Keldric lächelte in sich hinein. Zu hastig gewesen, junger Narr, und dumm genug, zu glauben, man könne seine Rolle sich nehmen.
Er straffte die Zügel. Gyrcom, seine Kampfechse, hob den Schädel; Dampf stieg in kurzen Stößen aus den Nüstern. Ein Handzeichen, ein Atemzug — und die Linie stand. Die Echsenritter hielten, diesmal willig. Wie oft hatten diese Bestien ihn im letzten Moment verraten, stur, blind, zwei Ellen vor und dann still? Nicht heute.
„Nazgarim“, zischte er — der Ruf zum Schweigemarsch. Die Handzeichen folgten: offene Hand — Lautlosigkeit; zwei Finger — Keil schließen; spitzer Hieb der Klinge nach vorn — Vorrücken. Ein Fünfertrupp Schwarzer Reiter beugte sich tief über die Hälse ihrer Pferde und flüsterte beschwichtigende Silben. In jedem Druchii steckte ein Bestienmeister; hier trat er zutage.
Elenora stand bei den Speerträgern. Sie reichte die Befehle weiter; zwanzig Männer aus Naggaroth, ein harter Kern, der tat, was man ihm auftrug. Links ordnete Kadras seine Korsaren, zweihundert Sklavenjäger mit schnellen Händen und noch schnelleren Klingen. Sie brauchten keine Worte, nur ein Ziel.
Keldric wies die Harpyien weit nach hinten, außer Hörweite der Wachen und Hornisten. Den Echsenrittern ließ er die Knebel anlegen: zwei Speerträger pro Tier, ein mit Leinen umwickeltes Knebelholz tief zwischen Zähne und Zunge. Das Dröhnen der Reptilien erstickte zu dumpfem Brummen; nur Gyrcoms Atem blieb als Dampf sichtbar.
Keldric nickte dem Streitwagenführer, er nickte dem Schützen an der Repetierspeerschleuder am Ende der Kolonne. Beide kannten ihr Stichwort.
Ein Zeichen. Vor.
Sie glitten tiefer in den Nebel. Das Gelände weitete sich, eine feuchte, graue Ebene zwischen einem kleinen Waldsaum rechts und sanften Kuppen links. Keldric setzte die Klingen, wie es der Raum verlangte. Er schloss zu seinen Echsenrittern auf, füllte die zweite Reihe und nahm die Spitze. Diese Flanke war seine; sobald der Nebel den Hals hob, würde er stoßen. Halbrechts hielten die Harpyien, im Zaum, auf Befehl. Hinter dem Wald lauerte der Echsenstreitwagen in Deckung, bereit, nach links oder rechts durchzubrechen. Zwischen Streitwagen und Korsaren rückte die Repetierspeerschleuder vor, sobald Sicht entstand. Kadras zog seine Korsaren enger in die Mitte — Keldric riss seine Linie nicht auseinander; Kadras’ Auftrag war schlicht: vor und töten, so viel die Arme trugen. Rechts des Waldes formierte sich das Speerträger-Regiment mit Elenora; ihr erstes Ziel war der nördliche Turm — Augen aus Stein —, von dem aus man das Lager der Asur sehen und Hornisten, Boten sowie den Adlerhorst zum Schweigen bringen konnte. Neben Keldric, etwas vorgezogen, schoben die Schwarzen Reiter ihre Nasen in den Nebel, witterten Fallen, störten Schlaf. Und in der Frontlinie, wo ihn keiner sah, verschmolz Fahadlad mit den Speerträgern. Keldric hatte befohlen, heute zuerst den Weißmagier zu nehmen, bevor eine Warnung durch das Lager lief. Keldrics Befehl.
Der Plan war schlicht und tödlich. Erst die Wachen — lautlos. Dann die Pferdelinie, damit keine Reiterei sattelte. Das Magierzelt, ehe ein Funke den Nebel zerschnitt. Die Speerschleudern, wenn sie auf einer Kuppe standen — Riemen kappen, Sehnen lösen, Drehgestelle verkeilen. Sollte der Alarm dennoch losgehen, brach der Streitwagen in die Zeltgassen, die Korsaren schnitten die Fluchtwege ab, und die Echsen pressten von rechts in den Bauch der Erwachenden. Wenn die Sonne den Nebel fraß, gehörten Blut und Feld bereits den Druchii.
Keldric prüfte Gyrcoms Maul, die Leine, das Gewicht im Sattel. Die Echse scharrte; Krallen ritzten feuchte Erde. Der Geruch von nassem Leder lag in der Luft, und irgendwo tropfte Wasser von einem Ast auf Stahl. Die Schatten hatten das Feld beschrieben, Maß um Maß; heute kommandierte er blind, aber nicht ahnungslos.
Ein Tropfen fiel. Nichts rührte sich. Über dem Waldsaum stand bereits die erste Blässe.
„Helme“, sagte er leise. Stahl sank über Gesichter. Ein einzelner Pfiff aus dem Weiß. Weg frei.
„Vorwärts.“ Gyrcom setzte sich in Bewegung, und mit ihm der Keil. Der Nebel vor ihnen war nur eine Tür. Hinter ihr wartete Arbeit.