Zum Geleit
Willkommen zu dieser erzählerischen Kampagne in den Grenzgrafschaften. Es war nicht leicht zu entscheiden, welches Unterforum für so ein Thema geeignet ist, denn es wird hier Dreierlei geben: Schlachtberichte, Miniaturenbemalung und interaktive Aventüren.
Es soll damit das uralte Problem jedes Warhammer-Generals mit einem Schlag gelöst werden: Dass es nämlich bei vollen Schatzkammern allzu einfach ist, neue Truppen anzuheuern - ihnen aber unter dem Pinsel ein Gesicht zu geben und sie in Uniformen zu zwängen eine ganz andere Sache ist, welche viel Zeit und Eifer erfordert.
So wird der Anreiz in dieser Kampagne folgendermaßen gesetzt sein: Je mehr bemalte Miniaturen, desto höher die Siegchancen – doch dazu später mehr.
Zunächst widmen wir uns der Historie...
Von Ursprung, Herkommen und Schicksal des Otto von Krieglitz
Aus den Chroniken der edlen Geschlechter des Averlandes, gesammelt und beschrieben durch Ludo Maus.
Es ist hier in treues Gedächtnis zu setzen, daß der Freiherr Otto von Krieglitz, alldieweil er noch ein Jüngling von wenigen Jahren gewesen, eine wunderliche Neigung und große Begierde gegen das Schwarze Gebirge getragen habe. Ob solches aus natürlicher Art entsprungen oder aus der Erinnerung seiner Ahnen, das vermag niemand mit Gewißheit zu sagen. Doch grenzten dieselben Berge an die alten Erblande seines Geschlechts, welche vormals den Herren von Krieglitz zu eigen gewesen waren.
Den alten Stammsitz aber hat Otto mit seinen leiblichen Augen niemals gesehen. Was er davon wußte, hatte er allein aus dem Munde seines Großvaters vernommen, welcher oftmals von der Burg Krieglitz und ihren festen Mauern erzählte. Dieselbe Burg aber war viele Jahre zuvor von den grimmigen Grünhäuten eingenommen und jämmerlich verheert worden. Also verfielen Haus und Hof, Feld und Wald der Wildnis, und seit jener Zeit hat, wie die Alten berichten, keines der Kinder Sigmars mehr gewagt, in jene verlassene Mark zu ziehen.
Je mehr aber solches erzählt ward, desto heftiger entbrannte des jungen Herrn Gemüt. Oft gedachte er der hohen Gipfel, welche in die Wolken ragen, und der finsteren Täler, darinnen ewiger Nebel liege und seltsame Kreaturen hausen möchten. Also ward sein Herz vom Fernweh ergriffen, alldieweil ihm das Leben am Hofe der durchlauchtigen Kurfürstin Ludmilla zu Averheim unerquicklich und enge dünkte. Denn wo andere an Tanz, Jagd und höfischen Ehren ihre Freude fanden, da richteten sich seine Gedanken allezeit nach den wilden Grenzlanden.
Als er nun mannbar geworden war, trat er unter das Pistolierskorps des Averlandes. Denn daselbst fanden sich viele junge Edelleute, welche zwar ehrbaren Geschlechtes, doch ohne väterliches Erbe geblieben waren. Diese hofften durch Tapferkeit im Krieg zu erwerben, was ihnen Geburt und Erbschaft versagt hatten; sintemal die Gunst der Fürsten sich gemeiniglich eher zu den reichen Häusern neigte denn zu den armen.
Und es begab sich, daß Otto in manchem Grenzhader und kleinem Feldzuge seinen Mut also wohl bewährte, daß sein Name bald unter den Schützenreitern bekannt ward. Seine Hauptleute lobten ihn um seiner Kühnheit willen und empfahlen ihn oftmals der Kurfürstin. Also geschah es, daß ihm befohlen ward, etliche Fahrten in die unwegsamen Gegenden des Averlandes zu führen, auf daß Straßenräuber, ketzerische Rotten und die verderblichen Tiermenschen daraus vertrieben würden. Solches vollbrachte er mit gutem Glücke, dieweil er mehr auf klugen Rat als auf blinde Vermessenheit vertraute.
Zu eben derselben Zeit erhob sich großer Zwist um den Handel jenseits des Nachtfeuerpasses. Denn Graf von Erhard hielt die Stadt Munzig inne, deren Ratsleute zwar nach altem Reichsrecht dem Kaiser unmittelbar verpflichtet waren, in Wahrheit aber allein dem Willen ihres Herrn gehorchten. Derselbe Graf hatte eine sonderliche Kunst, Kaufleute reichlich zu schröpfen, darum niemand die alte Zwergenstraße passieren konnte, ohne schwere Zölle zu entrichten. Wer sich aber seinem Willen widersetzte, dem wurden Scheuern verschlossen, Knechte entzogen oder die obrigkeitlichen Briefe so lange verweigert, bis sein Handel verdorben war. Also mehrte sich der Schatz des Grafen von Jahr zu Jahr, alldieweil in Averheim das Murren der Kaufleute und Ratsherren immer lauter wurde.
Darum traten endlich die vornehmsten Meister der Kaufmannsgilde vor die gnädige Kurfürstin und baten sie einträchtig um Rat und Hilfe. Sie führten an, das Averland dürfe sich hinfüro nicht länger von eines fremden Herrn Gutdünken abhängig machen. Vielmehr müsse jenseits des Passes ein eigener Handelsort gegründet werden, versehen mit Mauern, Waffen und eigenem Gericht, auf daß die Kaufleute frei und sicher ihres Gewerbes warten könnten.
Die Kurfürstin aber erkannte wohl, daß in solchem Vorhaben nicht allein großer Gewinn, sondern auch erheblicher Nutzen für das ganze Land verborgen liege. Denn wo Kaufleute siedeln, da folgen Wehr, Gesetz und Herrschaft gar bald nach. Also bewilligte sie das Unternehmen und nahm es unter ihren besonderen Schutz. Die Kaufmannsgilde aber öffnete ihre Truhen und gab reichlich Silber aus für Wagen, Zugvieh, Zimmerleute, Werkzeuge, Knechte, Kriegsknechte und allerlei Vorrat, dessen man in der Wildnis bedurfte. Zwar murrten etliche Herren bei Hofe und sprachen, die Krone solle sich nicht um der Pfeffersäcke Gewinn willen bemühen; doch fanden ihre Worte wenig Gehör.
Da nun beraten ward, wem eine so gefährliche Fahrt anzuvertrauen wäre, fiel die Wahl auf Otto von Krieglitz. Denn obschon noch jung an Jahren, hatte er sich als tapferer Hauptmann und verständiger Führer erwiesen. Seine Knechte hielten treulich zu ihm, und niemand zweifelte an seiner Standhaftigkeit. Gleichwohl fehlte es nicht an solchen, welche heimlich sprachen, die Kurfürstin habe einen jungen und landlosen Freiherrn darum erwählt, daß sein Verlust geringer zu beklagen wäre als der eines mächtigeren Fürsten, so Sigmar dem Unternehmen keinen glücklichen Ausgang bescheren wollte.
In denselben Tagen gedachten viele Schreiber und gelehrte Männer des edlen Rutgar, Kronprinzen des Wiesenlandes, dessen Name noch immer in Ehren gehalten wird. Derselbe war viele Jahre zuvor mit tapferen Männern in die Grenzgrafschaften gezogen und hatte allda die feste Rutgarburg gegründet. Lange Zeit galt dieselbe als ein Bollwerk des Reiches mitten unter den Heiden und wilden Völkern. Was aber hernach aus Rutgar und seinen Gefährten geworden sei, darüber gehen die Reden weit auseinander. Etliche sagen, sie seien in den Fehden der Grenzfürsten umgekommen; andere berichten von einer letzten blutigen Schlacht wider die Grünhäute. Wieder andere aber wollen wissen, Rutgar habe tief im Gebirge ein verborgen Reich gegründet, darinnen seine Nachkommen noch heutigen Tages herrschen sollen. Sigmar allein weiß, wie sich solches in Wahrheit verhält.
Otto von Krieglitz aber hielt das Werk Rutgars für ein Zeichen, daß tapfere Männer des Reiches auch in den fernsten Marken dauerhafte Herrschaften aufzurichten vermöchten. Darum zog er aus unter dem Banner seiner gnädigen Kurfürstin Ludmilla, auf daß eine neue Kolonie gegründet werde. Doch trug er neben seinem Eid gegen Fürstin und Land noch einen anderen Wunsch in seinem Herzen verborgen, nämlich dereinst die verlorenen Erblande seines Geschlechts wiederzugewinnen, so Sigmar der Heldenhammer solches fügen wollte.