Die Luft war erfüllt von Knallen, Surren und Gebrüll. Ein Minotaurus fiel blutüberströmt zu Boden, gefällt durch das konzentrierte Feuer von Musketen- und Bogenschützen. Doch all dies nahm Paul nicht wirklich wahr. Er starrte unverwandt die Chaosbrut an, die ihnen entegegenkam. Er zitterte, hatte zwar auf die Abnormalität angelegt, konnte aber keinen Finger rühren; das Schreien klang in seinen Ohren wieder und machte ihn schier wahnsinnig. Erst als die Brut schon gut die Hälfte ihres Weges zu den Armbrustschützen hinter sich gebracht hatte, konnte sich Paul fassen. "Feuer!!", schrie er panisch und schoss selbst. Die Angst seiner Gefährten konnte man schier riechen - oder sehen: Ein jeder Boltzen verfehlte sein Ziel, die Schützen hatten keine ruhige Hand bewahren können beim Zielen. Selbst Pauls Geschoss, das eigentlich hätte treffen müssen, tat dies nicht, da Paul während des Brüllens geschossen hatte. "Nachladen, beim Imperator, NACHLADEN!!!", befahl Paul hektisch, doch für einen weiteren Schuss war die Brut bereits zu nahe. Seine halb gespannte Armbrust zu Boden werfend zog der Regimentsführer sein Kurzschwert. Seine Untergebenen taten es ihm gleich.
Dann war die Ausgeburt des reinen Chaos vor ihnen. Neben dem ununterbrochenen Geschrei konnte Paul seltsam schmatzende Laute ausmachen, die aus dem Körper des Biests zu kommen schienen. Auch pulsierte auf dem Rücken der Brut etwas längliches, doch über solche Feinheiten konnte er sich keinen Kopf machen. Die Brut schlug zu. Mit drei "Armen" schlug sie blindwütig auf die Armbrustträger ein. Schlamm spritzte auf, jedoch kein Blut. Pauls Männer hatten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Jedoch sah Paul selbst keine Möglichkeit der Brut zu Leibe zu rücken, da diese immer noch wie wild um sich schlug. Auch die anderen Armbrustträger waren auf Abstand zu den Armen gegangen. Endlich war Paul wieder etwas gefasster. Schnell schätzte er ihre gegenwärtige Situation ein. "Umkreist das Biest, greift es von allen Seiten an!", befahl er herrisch Brüllend, um das endlose Geschrei des einen Kopfes der Brut zu übertönen. Wie alles, was er von dem Chaos zu Gesicht bekommen hatte würde er diese Widerwärtigkeit töten, und wenn er sie in Scheiben schneiden müsste.
Der Tränenfluss versiegte. Noch nicht einmal richtig Weinen konnte Benedikt. Voller Hass richtete er seinen Blick auf die verbliebenen Centigors. Nachdem sie Benedikts Kameraden abgeschlachtet hatten, hatten sie sich erst einmal einen ordentlichen Schluck aus ihren Fässchen, die sie die anscheinend die ganze Zeit mit sich herumtrugen. Nun steuerten sie Grölend auf eine Abteilung Hellebarden zu. In leichten Schlangenlinien erreichten sie die verängstigten Krieger. Dennoch schienen die Pferdemenschen keine Anstalten zu machen zuzuschlagen, geschweigedenn, dass sie ihren Feind sehen konnten. Dies nutzten die reaktionsschnellsten unter den Hellebardenträgern unverzüglich aus. Mit wütenenden Aufschreien schwangen sie ihre schweren Waffen und nahezu jeder Centigor ging in mindestens zwei Teilen zu Boden. Benedikts Kameraden waren gerächt.
Benedikt atmete aus, ein Teil seiner seelischen Pein war von ihm Abgefallen. Seine Augen, die bisher wie aus Zwang auf Die Centigors und seine Kameraden gerichtet waren und die er nicht hatte bewegen können ließen es nun zu, dass er sie wie immer benutzen konnte. Benedikt blickte sich um. Wie stand die Schlacht? Alles was er wollte war zu überleben, aber seine Chancen würden schlecht stehen, sollte die Schlacht verloren werden. Aus seiner Position konnte er die Kirche, in der sich seine Angehörigen verschanzt hatten, den Dorfplatz, auf dem er so oft getanzt hatte und den Dorfzugang, den er und seine Kameraden verzweifelt zu halten versucht hatten, überblicken.
Der Dorfplatz war von Menschen erfüllt: Bihandkämpfer die sich aus einem - so hoffte Benedikt- taktischen Rückzug neu formierten, Speerträger und Bogenschützen befanden sich auf ihm. Benedikt konnte eine Einheit Ritter ausmachen, die von 2 rasenden, übergroßen Stiermenschen attackiert wurden.
Durch den gefallenen Dorfeingang ströhmte eine weitere Herde Tiermenschen. Wie sollte das alles nur Enden?
Benedikt betete in Gedanken immer wieder das selbe Gebet, welches er als Heranwachsender gelehrt bekommen hatte; es sollte in der Zeiten der Not Trost spenden:
Heiliger Sigmar, der du über uns wachst!
Vereiniger der Stämme, Urvater des Imperiums!
In dunkelster Stunde wende ich mich an dich,
deine Hilfe erflehe ich.
Wende Schaden ab von mir, deinem Kind,
so wie ich Schaden von meinen Geliebten abzuwenden suche.
Gib mir Kraft,
auf dass ich in deinem Namen handeln vermag.
Stärke mich in meinem Glauben an dich, oh Sigmar,
damit ich nicht verzagen werde im Angesicht des Bösen.
So wie du mir zur Seite stehst,
so stehe auch den Meinen zur Seite, auf dass wir gemeinsam erstarken.
Heiliger Sigmar,
in dunkelster Stunde wende ich mich an dich!
Gepriesen seist Du!
Er wusste nicht wie oft er dieses Gebet bereits innerlich gesprochen hatte, aber er setzte immer wieder neu an. Durch ein schreckliches Wiehren wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Seine Augen schnellten in die Richtung aus der der Laut gekommen war. Ein Pferd bäumte sich mitsamt Reiter auf und fiel rückliks um, den Ritter unter sich begrabend. Sein Leben wurde durch einen Kameraden gerächt, der einem Minotaurus seine Lanze weit in den Mund stieß.
Benedikt erkannte:
Noch war nichts verloren! Sigmar würde ihnen den Sieg schenken!