Kein Laut ist zu hören. Schon seit einer Weile wird er nicht mehr verfolgt.
Irgendwo heulen Hunde.. Dies verstärkt seine Paranoia und er rennt weiter.
Da er im Wald ist, kann er nicht sehen, dass sich das Wetter in der letzten Stunde geändert hat. Es ist das erste Ereignis heute Abend, das zu seinem Gunsten gewesen ist. Er spürt die Nässe auf seiner Haut, doch dies ermutigt ihn nur noch mehr weiter zu laufen.
Plötzlich sind da Geräusche…Hufschlag auf einer Straße…Der Lärm kommt näher und näher und näher…
Sich in irgendeinem Gebüsch versteckt an die Erde pressend liegt er da, in der Hoffnung die Diener seines ehemaligen Freundes fänden ihn nicht. Ihn, den Mann, der dieser Stadt mehr als einmal im Kampf gegen diese untoten Bestien ausgeholfen hatte. Ihn, den besten Feuermagier in diesem erbärmlichen Landabschnitt. Ihn, den man früher den großen Darius nannte. Es ist beschämend…
Die Patroullie ritt vorbei. Er muss weiter. Er muss so schnell von hier fort, wie es nur irgendwie möglich ist. Nach einigen Schritten sieht er die Straße, die etwa drei Schritt breit ist. Sie führt zu einem der angrenzenden Dörfern.
Sich umschauen und weiter. So lange er im Dickicht bleibt, sollte es ihm möglich sein ungesehen an den ausgesandten Kopfjägern vorbeizukommen. Doch dann…Wo soll er hin?
Es gibt noch keine Zeit für solche Gedanken…Schnell weiter, bevor wieder Reiter vorbeikommen.
…Die Nacht war Darius unterwegs. Überall sah er Gespenster, Schatten der Verfolger. Er wäre dadurch beinahe einer marodierenden Bande von Orks in die Fänge gelaufen, doch jetzt war er endlich den Fängen des Fürstenhauses Telvani entkommen. Dies hoffte er zumindest.
Es ist ein wunderschöner Sommertag. Durch die dichten Kronen der Bäume fällt das noch scheue Sonnenlicht und haucht der bedrückenden jedoch auch friedlichen Atmosphäre des Waldes Farbe und Leben ein. Die Maler aller großen Städte würden eine Menge bezahlen, um ein solches Schauspiel miterleben zu können.
Darius schritt nun zwar erschöpft doch irgendwie auch erquickt weiter. Seine Robbe wurde schon ganz am Anfang der Flucht entsorgt. Er lief seit dem nur noch in seiner Hose, seinem Hemd und einer sehr leichten und dafür nicht wirklich effektiven Lederrüstung. Nicht einmal seine Zauberutensilien konnte er mitnehmen. Alles außer einem Beutel Gold hat er verloren. Aber dafür lebt er…noch.
Der Wald wird immer heller, doch es liegt nicht an der aufsteigenden Sonne. Nein, er wird einfach lichter. Schon wieder kreuzt eine Straße seine Marschrichtung. Doch diesmal läuft nicht alles glatt. Beim Überqueren dieser recht breiten Straße übersieht er etwas.
Eine Kutsche liegt etwa 50 Schritt weiter die Straße entlang halb in dem Wald. Zwei Männer versuchen diese anscheinend zu reparieren, da ihr ein rad fehlt.
Er ist gerade auf der anderen Seite der Straße angelangt, als ihn eine weibliche Stimme ruft: „Hey, du.“ Er bleibt stehen. Ein Schaudern läuft ihm über den Rücken, doch wagt er es nicht sich umzudrehen. “Was ist? Hörst du schlecht? Hilf uns und du wirst entlohnt werden.“ Er rührte sich immer noch nicht. Was sollte er nur tun? „Ist jetzt die ganze Welt verrückt geworden? Eine Herzogin befiehlt es einem Bauern ihren Männern mit ihrem Wagen zu helfen und dieser besitzt die Frechheit sich zu weigern. Soll ich meine Männer dich zwingen lassen?“
Ach, ja. Er sah ja jetzt tatsächlich sehr arm aus, mit seinen leicht angerissenen Sachen. „Nein, Madam. Wie Sie wünschen, Madam.“
Zu dritt ist es nicht besonders schwer den Wagen zu reparieren und so ist die Arbeit nach einer Viertelstunde erledigt. „Und jetzt zu deiner Belohnung, obwohl ich dich für dein verhalten eher auspeitschen lassen sollte…“ „Verzeiht, Madam. Ich habe mich bloß gefragt, ob Sie mich auf ihrer Kutsche beim Kutscher mitfahren lassen könntet? Als Belohnung.“
„Na gut. Dann beeil dich mit dem Aufsteigen. Wir fahren jetzt los.“
Endlich in der Stadt Methumis angekommen, allein die Fahrt mit der Kutsche nahm einen Tag in Anspruch, bedankt sich Darius bei der freundlichen Dame und geht als erstes zu dem Stadtvorsteher.
Sein alter Freund und größter Konkurrent für die Stelle als Stadtmagus von Boronstein ist ein ehrenhafter Mann. Außerdem ist er einer der wenigen, die ihm noch helfen könnten.
Die Wache kennt ihn schon und lässt ihn natürlich gleich passieren. Er stürmt in das Arbeitszimmer seines Freundes, schließt hastig die Tür hinter sich zu und dreht sich zu Amestus, doch was er erst jetzt bemerkt, es steht noch eine Gestalt im Zimmer. Die persönliche Wache der Telvani legte eine Hand auf den Griff des reich verzierten Schwertes. Darius kam zu spät…
Das ist erst der Einstieg. Ich werde mich bald wieder dransetzten, wenn mir mal wieder die welt über den kopf zu wachsen scheint...