Als sie die Augen öffnete blinzelte ihr das morgendliche Licht entgegen und blendete sie für einige Sekunden. Sie entschied sich nicht länger liegen zu bleiben sondern gleich ein frühes kühles Bad zu nehmen. Als sie wieder in die Hütte kam, um sich einen Tee zu machen, saß eine kleine Krähe am Fenster. Diebisch schaute sie Phenelophe an. Phenelophe wollte eben das Fenster öffnen, da erhob sich die Krähe und flog auf einen nahe gelegenen Ast.
Dort schaute sie sich Phenelophe erst einmal ruhig an.
Nach ca. einer Stunde, als Phenelophe das Wetter genossen hatte und der Tag sich langsam zum späten Nachmittag neigte, die Krähe verschwunden war, hörte sie Lärm von draußen und lief hinaus auf die Veranda um zu sehen was los war. Dort flog ihr direkt die Krähe entgegen. Phenelophe duckte sich um der Krähe einlass zu gewähren. Kurz darauf hörte sie es wieder. Hufschläge. Langsam kamen sie näher. Als sie in Blickreichweite war, erkannte sie einen Reiter auf einem hohen Roß. Doch dieser sah Phenelophe und ergriff die Flucht.
Komische Leute hier. Dachte sie.
Auch einen Tag später als sie wieder vom Kräuter sammeln zurück kam, saß die Krähe noch in ihrer Blockhütte und glotze ihr diebisch hinterher.
"Was ist los? Einen Tag bist du schon hier und tust nichts außer dort oben zu sitzen. Wo treibst Du Dich nur nachts herum? Nie habe ich dich gesehen... Seltsames Tier." murmelte sie. Als es abends wurde machte Phenelophe den Kamin wieder an und legte ein letztes Mal getrocknete Äste und Blätter hinzu um es dann erlischen zu lassen. Als es aus war und kein Brand oder keine Glut sich mehr zeigte, stand Phenelophe auf und sah sich um. Die Krähe war verschwunden. Auf keinem Gebälk und an keinem Fenster oder auf einem Tisch war sie zu sehen.
Mitten in der Nacht huschte leise eine kleine Gestalt über die Dielen des Hauses. Phenelophe schlief tief und fest und bekam so nichts mit. Sie lief sehr still und mit bedacht die knarrenden Treppen behände hinauf ins oberste Stockwerk, dort kam sie auf Phenelophes Zimmer zu und stellte sich vor ihr Feldbett. Dann kniete sie sich hin und beobachtete Phenelophe.
Leises Atmen was auf einen tiefen schlaf hinwies war zu vernehmen.
Die Gestalt setzte sich auf das Bett und zog die Beine hoch. Schmutzig waren ihre Füße und gegerbt war ihre Haut. Ihr pechschwarzes Haar hing ihr in Strähnen vom Körper und kleine Kratzspuren bildeten Risse in ihrer Haut. Sie legte sich an Phenelophe mit dem Rücken und schmiegte sich sanft an sie. Phenelophe stieß einen leisen Seufzer aus. Ruhe trat ein. Das Mondenlicht erhellte das Zimmer. Lange Stunden. Langsam schloss die Gestalt ihre schwarzen Augen die mit einem gelben Rand verziert zu sein schien. Flaches Atmen konnte man nun vernehmen und so schlief die Gestalt und Phenelophe bis zum nächsten Morgen.
Als Phenelophe erwachte fand sie die Krähe in ihrem Schrank sitzend, Da sie ihn nicht geschlossen hatte seit Ihrer Ankunft hier, saß sie auf einem Rundholz im Schrank und schlief dort seelenruhig. Phenelophe ging hinunter und stellte kurze Zeit später vor dem Kleiderschrank eine Schüssel mit Wasser und Samen bereit. Der Tag verlief Ereignislos und nur ab und an sah sie eine Gestalt im Wald umherlaufen und ihre Blockhütte bespitzeln. sie machte sich auf den Weg um noch den Rest des Tages für Ihr Vorhaben zu nutzen.
Sie durch den Wald als kenne sie sich hier aus wie in ihrer Westentasche und kam so zu einem verborgenen Tempel. Er war über und über mit Moos bedeckt und schwer zu finden, da er eher unterirdisch statt überirdisch angelegt wurde. Mit kurzen Kniffen öffnete sie ihn und stieg mit einem kleinen Licht die in Stein gehauenen Stufen hinab. Unten angekommen, lief sie geradewegs weiter und im Lichtschein konnte sie kleine Säulen links und rechts erkennen. Am Ende tat sich vor ihr eine Tür auf. Ebenfalls wie alles aus Stein. Jedoch so bearbeitet das sie nicht allzu schwer war und sich mühelos beiseite schieben ließ.
Drinnen schaute sie nach rechts und links. Schweiß lief ihr über das Gesicht und Perlen liefen ihre Haut entlang. Sie entfachte 2 Fackeln und lief auf eine Art Altar zu. Dieser jedoch sah verziert aus Blut klebte noch an ihm und Schmutz lag überall. Sie öffnete ihn und entnahm ihm Kapseln, lose Seiten, einen Ring und ein Medallion. Das Medallion legte sie sich um den Hals, den Ring steckte sie sich an den Finger und die losen Seiten, sowie die Kapseln steckte sie in ihren Gürtel. Eilig lief sie wieder zur Blockhütte. Dort packte sie die losen Blätter aus, und nahm die Kapseln aus ihrem Beutel.
"Wer dies hier ließt, wird vermutlich zum stamm der Dunkelelfen gehören und einen höheren Rang als die üblichen Dunkelelfen besitzen.
Also wisse dies:
Benutze die Artefakte, welches einen Ring und ein Medallion darstellt gut und achte die Kraft der Kapseln! Benutze nur im Nötigsten und wenn Du der Gefahr bist an nahsten. Viele Dinge werden sich noch ereignen und Du musst sie zu schätzen wissen.
Du wirst vermutlich zu den Magiern gehören und vieles gelernt haben. Waffen werden Dir einen Weg zeigen. Magie, einen völlig anderen. Schätze dies!"
Leider konnte sie nicht mehr daraus erfahren und steckte ihn wieder zurück an den Gürtel. Ebenso die Kapseln, die sie in ihrem Beutel aufbewahrte. Der Ring enthielt einen Kleinen unauffälligen Kristall und das Medallion ließ sich öffnen und eine Art Spiegel kam zum Vorschein.
"Was soll ich mit einem Taschenspiegel?" wunderte sich Phenelophe.
Der Abend brach an und rasch war es Nacht. Der Mond verlor seine Leuchtkraft und als Phenelophe in ihr Zimmer kam, saß die Krähe an ihrem Bett und schaute sie an. Phenelophe ließ sich nieder und legte sich zum schlafen. Die Krähe verließ das Zimmer und verflüchtigte sich ins untere Geschoß.
Mitten in der Nacht als es zum neuen ag anzubrechen begann, der Mond noch stand und die Sterne mit ihrer Leuchtkraft versuchten den Mond zu übertrumpfen, wurde Phenelophe wach. Unten im Erdgeschoß polterte es und Phenelophe schlug plötzlich die Augen auf.
Leise zog sie sich an und nahm ihren Stab. Langsam näherte sie sich der Treppe und blieb stehen. Unten am Fuß der Treppe irrte eine kleine Gestalt herum. suchte einen Weg nach draußen und wimmerte vor sich hin. Schwarzes Haar flatterte ihr hinterher und splitterfasernackt rannte sie umher. Dann völlig unerwartet bleib sie stehen, klappte zusammen und es gab einen lauten Knall. Dann war es ruhig.
Phenelophe lief nach unten und näherte sich der Gestalt. Ein Mädchen, nicht älter als 11 oder 13. Jung. Blutjung. Gegerbte Haut und mit offenen Augen lag sie da. Ihre Augen waren sonderbar. So was sah man nicht alle Tage. Schwarz waren die Iris mit einem gelben Rand herum. Wie ein Tunnel zogen sie die Augen an. Sie nahm das Mädchen und legte es kurz darauf in ihrem Zimmer auf das Feldbett. Sie holte die Schüssel mit dem Wasser und tränkte ein Tuch darin ein. Leicht tupfte sie über die Stirn und säuberte sie im Gesicht. Kurze Zeit Später öffnete sie die Augen und ergriff sie ergriff die Panik. Völlig verängstigt zog sie sich in eine Ecke des Zimmers zurück und schaute unter ihrem Haar hindurch auf Phenelophe.
"Also wenn das der Dank sein soll, dann weis ich ja nicht." Phenelophe stand auf, holte sich eine Decke und warf sie dem Mädchen zu. Sie selbst setzte sich ebenfalls in eine Ecke und legte sich somit schlafen. Leise kam ein Laut vom Mädchen: "Dank`." "Wir reden morgen weiter Kleine, ruh Dich aus" . "Ruh aus." kam es von der anderen Ecke wider.
Am nächsten Tag als Phenelophe die Augen aufschlug war das Mädchen verschwunden. Habe sie alles nur geträumt? Kann das sein? Wo ist das sonderbare Mädchen hin? Hat sie Halluzinationen? Sie verlebte den Tag und machte sich für Ihre Abreise fertig. Die Krähe saß wieder im Haus und flog mal hier mal dort hin. Langsam gewöhnte sich Phenelophe an sie und fand Zugang zu ihr. Sie gab ihr den Namen Hygieia.
Phenelophe war fertig, im Kamin brannte wieder Feuer und dieses Mal wartete sie auf Mitternacht und sah in die Ferne Welt nach draußen. Wohin es sie diesmal zog wusste sie nicht, doch sie hoffte bald am morgigen Tag auf ein Rasthaus zu treffen. Hoffte aber nicht allzu viel. Die Krähe zog sich wieder, wie jeden Abend zurück und verkroch sich in einem kleinen Schrank in einer Ecke. Phenelophe folgte ihr unauffällig und verbarg sich im Dunkeln. Denn eine Ahnung beschlich sie. Unerwartet und völlig perplex erlebte Phenelophe etwas was sie nie hätte zu Träumen gewusst. Vor ihren Augen, wurden die Krallen der Krähe kürzer, und an ihre Stelle kamen kleine Zehen zum Vorschein. Ihr Körper streckte sich und die Federn fielen zu Boden und verwesten. Ihr Kopf wurde menschlicher und ihre Flügel zogen sich zu langen dünnen Ärmchen heran. Das einzige was sie verriet waren ihre Augen. Sie blieben und wurden nur schmaler, länger und drückten völlige Anmut aus. Wieder saß sie Nackt im Schrank und umschlang sich mit den Armen.
Phenelophe lief hoch, holte Kleidung aus ihrem Gepäck und Riss es kürzer. Legte es dem Mädchen an und zog es so dass es sich an ihren Körper schmiegte. Nun stand vor ihr ein Mädchen in Fell gekleidet, etwas hilflos vor ihr. "So ist das... Du hast mir eine Menge zu erzählen, weißt Du das?", "Menge" erwiderte das Mädchen. "Ich habe auch schon einen Namen für Dich. Ich hoffe Du bist zufrieden und nimmst ihn an. Hygieia soll er lauten." sprach Phenelophe.
Somit kam die Nacht und als sie Ihr ein paar Worte beibrachte, brach der Tag an und alles wurde wie Früher. Hygieias Gefieder sprießte und kleidete sie wieder in völliges Pechschwarz ein. Die Kleidung wurde ihr zu groß und sackte zu Boden. Hygieia flog auf eine Stuhllehne und saß dort nieder. Sie nahm ein ledernes Band und befestigte es an ihren Krallen. Dann hob Hygieia ab und setzte sich auf Phenelophe Schulter nieder. Das Band hatte keine Wirkung, es glitt von der Krallen nieder und Phenelophe steckte wieder weg.
Sie nahm Ihre Kleidung, ihren gepackten Beutel und das restliche Gepäck und sattelte Niquesse. Langsam verließen sie den Ort und Phenelophe ritt wieder in den Wald, woher sie kam. Ein kleiner Trampelpfad zeigte ihr den Weg.