Ja, ich hab den Malkrieg auch vermisst ... Das Jahr war irgendwie ganz anders geplant 
Jetzt gehts aber erstmal fleißig weiter mit dem Hintergrund.
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Fortsetzung der Hintergrundgeschichte:
Kapitel 13-14 findet ihr auf: (Seite 10, Post 183) ...
Kapitel 15 - Brückenkopf
Seit fast zwei Wochen hingen
dichte Rauchschwaden über den Ausläufern des kleinen Gebirges. Man hatte große
Scheiterhaufen um Graufurt errichtet und Berge verdorbenen Fleisches verbrannt
oder verscharrt. Magnus hatte die wenigen Kriegspriester aus der Kraterstadt
nach Graufurt beordert, um damit zu beginnen, das Land und die Böden von der
Verderbtheit Nagashs zu reinigen. Er hatte Graufurt und das angrenzende
Wendhafen zum Andachtsbezirk und somit zum Refugium des Tempels erklärt. Sie
würden die kleine Ortschaft befestigen, sodass sie als Brückenkopf dienen und
das nähere Umland sichern konnte. Gemeinsam mit den Gebrüdern Feuerbach und der
Sturmfaust hatten sie beschlossen, vorwiegend mobile Einheiten in Graufurt zu
stationieren und so wurde bereits auf Geheiß von Larus Feuerbach eine Kaserne
für die berittene Garde des jungen Hauptmanns errichtet. Ebenso würde sich die
Legio Aviatorum im neu entstandenen Außenposten der Kraterstadt niederlassen,
um die Ländereien im Westen aus der Luft zu erkunden und rechtzeitig vor
nahenden Angriffen der Legionen Nagashs zu warnen. Die Freigildler hatten damit
begonnen, einen großen Auslauf sowie Futtervorräte für das Bestiarium der
geflügelten Legion anzulegen. In einiger Entfernung konnte er die Greifen und
Pegasi hören, wie sie mit ihren Flügeln schlugen oder die Krallen wetzten. Sie
alle waren kampferprobte und erfahrene Reittiere, deren Herren täglich mit
ihnen trainierten. Doch so wertvoll eine solche Einheit auch war, die
Ressourcen, die sie verbrauchte, waren beachtlich.
Magnus bahnte sich seinen Weg
durch abgekämpft wirkende Freigildler, die damit beauftragt waren, die Straßen
von Graufurt für die Nutzung von Pferdegespannen und Reiterei zu befestigen.
Seine Ohren summten ihm von Hammerschlägen und dem Gebrüll der Offiziere. Er
brauchte Ruhe. Ruhe zum Nachdenken und dafür, ihre nächsten Schritte zu planen
- und er wusste auch schon, wo er diese finden würde. Im Norden der Siedlung
hatte sich ein Konklave des Eisenschmiede-Arsenals niedergelassen. Bereits vor
Wochen hatte er ein Ansinnen diesbezüglich nach Fort Gardus gesandt und der
Lord-Celestant hatte geantwortet. Ein eiliger Brief hatte ihn wenig später
erreicht. Wie es schien, waren die Hallowed-Knights im Begriff, Fort Gardus aufzugeben,
nach Norden zu marschieren und um das Tor der sieben Scherben eine Sturmfeste zu
errichten. So, wie es der Allvater für jedes Reichstor vorgesehen hatte. Das
ansässige Konklave mit all seinen Großmeistern und Technikussen wurde somit
nicht mehr benötigt und hatte sich auf den Weg nach Neu Talabheim gemacht.
Luftschiffe der Kharadron hatten die Schmiede und Handwerker mit all ihren
Gerätschaften und Habseligkeiten nach Neu Talabheim gebracht. Der Hauptmann
hatte das Konklave, nachdem einige wichtige Arbeiten in der Kraterstadt
erledigt waren, nach Graufurt beordert. Hier hatten sie sich ausgerechnet in
dem Turm niedergelassen, in dem die geflügelte Legion vor wenigen Wochen den
Nekromanten zur Strecke gebracht hatte. Dorthin führte ihn sein Weg.
Der ehemalige Wehrturm war kaum
noch wiederzuerkennen. Doppelt so hoch und um einige kleinere Anbauten ergänzt
erschien er seinem Zweck allmählich gerecht zu werden. Mehrere kupferne Rohre
flochten sich bereits bis an die Turmspitze und endsandten dunkle Rauchschwaden
gen Himmel, wo sie sich mit denen der Scheiterhaufen vermischten. Magnus betrat
das Gebäude. Ihm war nicht nach einem Gespräch - stattdessen begab er sich in
ein höher gelegenes Stockwerk, von dem aus er die Arbeiten im Hof beobachten
konnte. Aus einem der vielen Fenster hatte er gute Sicht auf einige Technikusse
und Schmiede, die an einem metallenen Gespann arbeiteten. Ein Streitwagen, wie
es schien. Der Hauptmann hatte das Gefährt in Auftrag gegeben, um die in
Graufurt stationierte Reiterstaffel zu stärken. Ein interessantes Konzept,
dachte Magnus. Das Gefährt war so kräftig, dass es sowohl Freigildler als auch
Stahlseelen tragen würde. Zudem verfügte es über kräftige Sensenklingen. Es
würde ihm eine Freude sein, diesen Koloss ins Gefecht zu entsenden. Auf einem
Tisch entdeckte er noch weitere Pläne, die möglicherweise einen Kriegswagen
oder eine Kutsche abbildeten, doch er war sich nicht sicher, ob diese noch
ausstanden oder bereits verworfen worden waren.
Er hatte den Wehrturm hinter sich
gelassen. Tief in Gedanken versunken musste er feststellen, dass ihn seine
Schritte zur Kaserne der Aviatoren geführt hatten. Ein Automatismus, der sich
in den vergangenen Tagen eingeschlichen hatte, wie er sich selbst eingestehen
musste. Der Legat am Eingang salutierte. Magnus nickte ihm zu und betrat das
halbfertige Gebäude. Dann hielt er kurz inne, machte auf dem Absatz kehrt und
trat zu dem Wachsoldaten. „Seid Ihr bereit für einen Ausritt, Legat?“ Der
Soldat warf einen prüfenden Blick zum Gehege der Junggreifen. Dann nickte er energisch
und bejahte. „Gut!“, erwiderte Magnus. „Wir werden unsere Augen gen Westen
richten. Sattelt Euer Reittier. Es brennt mir unter der Haut zu erfahren, wie
weit der Herr des Todes bereits seine knochigen Finger nach uns ausgestreckt
hat.“
Kapitel 16 - Das Auge des Sturms
Seit Tagen saßen sie nun im
Sattel und ihm schmerzten sämtliche Glieder. Die wenigen Stunden Schlaf jede
Nacht - wenn es denn überhaupt Stunden waren, reichten kaum aus, sich von den
langen Erkundungsflügen zu erholen. Dem Legaten schien es ganz ähnlich
zu ergehen. Sein Blick war in den letzten Stunden trüb geworden und er konnte
sich kaum noch auf dem Rücken seines kräftigen Reittieres halten. Magnus stieß
einen kurzen Pfiff aus und gab dem Pegasus mit einem Peitschen der Zügel das
Zeichen zum Halt. Der Legat tat es ihm gleich und brachte seinen gewaltigen
Greifen neben ihm zum Stehen. Sein Blick wanderte zu einem bestimmten Punkt am
Horizont und dann zu den sanften Ausläufern des Guran unter ihnen. Es dämmerte
bereits. „Wir sollten einen sicheren Platz für die Nacht suchen.“, rief der
Soldat zu ihm herüber. Magnus warf einen finsteren Blick zu der dunklen
Sturmfront, die sich bereits seit Tagen im Nordwesten aufbaute, sich jedoch
weder von ihnen weg noch in ihre Richtung bewegte. Wie ein dunkles Omen
verharrte sie dort. Magnus Gedanken kreisten um dieses Phänomen und die
Schlüsse, die er letztlich zog - ziehen musste, gefielen ihm ganz und gar
nicht. Er gab dem Legaten das Zeichen zur Landung und schnalzte mit den Zügeln,
woraufhin der Pegasus in einer helixförmigen Flugbahn nach unten stieß.
Sie hatten ein kleines Feuer
entzündet und eine magere Ration Dörrfleisch angebrochen. Vor Magnus lagen
mehrere Karten des Grauwasserlandes, die er für den Hauptmann angefertigt
hatte. Nun war er im Begriff, den kahlen Fleck im Nordwesten mit Tinte zu
füllen - auch wenn ihm dieser verdammte Sturm dabei in gewisser Weise einen
Strich durch die Rechnung machte. Tage zuvor hatten sie versucht, in den Sturm
hineinzufliegen - ihn zu durchqueren, doch es war nicht möglich. Der Nebel war
so dicht, dass Magnus die Hand vor Augen nicht hatte sehen können. Keine guten
Voraussetzungen für einen sicheren Erkundungsflug. Doch sie mussten in diesen
Sturm hinein. Er hatte eine dunkle Vorahnung ob dieses unnatürlich anmutenden
Naturereignisses und er musste sie bestätigt oder widerlegt wissen. Plötzlich
schreckte er aus seinen Gedanken auf. Der Legat stand neben ihm und betrachtete
die vor ihnen liegenden Karten. „Ihr werdet in diesen Sturm fliegen, nicht
wahr?“, fragte er mit fester Stimme. Magnus grinste. „Wir werden in diesen
Sturm fliegen!“, gab er zurück. „Es ist wichtig - ich glaube, etwas verbirgt
sich in ihm. Es ist lange her, aber ich habe etwas ähnliches in Shyish
gesehen.“ Der Soldat blickte ihn mit ernster Miene an und erbleichte. „Im Reich
des Todes...“ Magnus nickte und legte seinem Gefolgsmann eine Hand auf die
Schulter. „Ganz recht, Soldat, etwas kommt auf uns zu. Etwas Dunkles und Böses
und wir müssen sicher gehen, womit wir es zu tun haben. Es gibt nur einen Weg,
in einen Wirbelsturm zu gelangen, nicht wahr? Also esst und ruht Euch aus. Bei
Morgengrauen brechen wir auf.“
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Kräftige Winde warfen die Tiere
hin und her und verlangten ihren Herren das Äußerste ab, nicht aus den Sätteln
und in die Tiefe gerissen zu werden. Fast zwei Meilen, so schätzte Magnus,
hatten sie an Höhe gewonnen, bevor sie sich dem Rand des Sturms genähert
hatten. Wie ein dunkler Wirbel lag dieser nun unter ihnen. Noch immer
offenbarten die Wolken nicht, was hinter ihnen verborgen liegen mochte. Er
hoffte innständig, dass der Legat die Nerven behalten und seinen Anweisungen
Folge leisten würde. Dann wandte er sich zu seinem Gefolgsmann und versuchte,
das Tosen zu übertönen. „Langsam... wir nähern uns auf höchstens zweihundert
Fuß!“, mahnte er erneut. Der Legat nickte und plötzlich flaute der Wind ab. Sie
näherten sich dem Zentrum. Er konzentrierte sich auf die Bewegungen des
Pegasus, straffte sich und bereitete seinen Geist auf das vor, was da kommen
mochte. Es wurde heller. Wie er es erwartet hatte. Das Auge des Sturms lag
unter ihnen. Fast völlige Windstille. Weder er noch der Soldat sagten etwas,
während sie ihre anmutigen Reittiere in der Schwebe hielten und den Blick
gebannt in die Tiefe richteten. Der Nebel war nun weniger dicht, doch war die
Sicht auch hier auf wenige Schritt beschränkt. Einige Momente verstrichen, bis
Magnus endlich das Zeichen zum Sinken gab.
Schritt um Schritt stießen sie in
den Wirbel hinab und noch immer war die Sicht bis auf wenige Armlängen
beschränkt, sodass sie nur langsam vorankamen. Sie mussten verhindern, dass die
Tiere in Panik verfielen. Magnus hatte jegliches Gefühl für Entfernung und Höhe
verloren - es gab schlichtweg nichts, woran sie sich hätten orientieren können.
Er spürte nichts, noch nichts? Was hatte er erwartet? Ghyran war nicht wie
Shyish - vielleicht war dies doch ein ganz gewöhnlicher Sturm und er hatte
vorschnelle Schlüsse gezogen. Wie auch immer, sie würden es bald erfahren. Der
Legat unter ihm zog an einem Zügel und ließ den Greifen leicht beidrehen. Er
schien etwas gesehen oder gehört zu haben. Ein weiterer kräftiger Flügelschlag
des Greifen fegte die wenigen Nebelschwaden unter ihnen beiseite und nun sah
auch Magnus etwas. Waren sie am Grund angelangt? Er nahm eine Bewegung wahr.
Etwas Großes durchbrach die Nebelwand und fuhr mit atemberaubender
Geschwindigkeit in den Greifen. Und nun spürte er auch das vertraute Kribbeln.
Seine Hand fuhr zum Griff des Hammers. Die Waffe brannte vor Energie. Er hatte
sich nicht geirrt... Diesen Feind kannte er. Die Kreatur verfügte über eine
abstoßende, drahtige Muskulatur und lange Krallen. Er erkannte faserige Flügel
und ein hasserfülltes Gesicht voller spitzer Zähne. Diese Dinger verzehrten
sich nach dem Geschmack von Blut. Oftmals schlachteten sie ein ganzes Dorf ab
und hatten damit ihren Hunger noch lange nicht gestillt. Ein Varghulf.
Eindeutig. Das Monster rammte eine lange Kralle in die Flanke des Greifen und
entlocken diesem ein erschrockenes Kreischen. Alle Vorsicht war nun gewichen.
Magnus nahm weitere Bewegungen wahr und versuchte, sich einen Überblick zu
verschaffen. Das wilde Flügelschlagen des Greifen vergrößerte stetig ihren
Sichtradius. Der Legat hatte seine Waffe gezogen und der Greif packte den
Varghulf mit einer Kralle. Das Monster war unglaublich kräftig, doch der
Schnabel des Greifen fuhr in den muskulösen Brustkorb des Wesens und zerriss es
in der Luft. Weitere Schemen tauchten in den Nebelschwaden auf und nun nahm
Magnus auch den beißenden Geruch des Todes wahr. Verderbnis und faulendes
Fleisch. Sie mussten hier verschwinden, auf der Stelle. „Zurück!“, brüllte er in
Richtung des Legaten und stieß mit der Faust in Richtung Himmel. Der Soldat
gehorchte, auch wenn es ihm sichtlich schwerfiel, den Greifen zum Aufsteigen zu
bewegen. Das Tier hatte eine große klaffende Wunde in der Flanke und war
sichtlich geschwächt. Weitere Varghulfs drangen aus dem Nebel auf den
Gefolgsmann ein, doch dieser gab seinem Reittier nun die Sporen und zwang es
zum Aufstieg.
Der Lärm des Sturms unter ihnen
ebbte ab. Der Greif wirkte angeschlagen. Sie würden erneut eine Rast für die
Nacht finden müssen und dann direkt nach Neu Talabheim fliegen, um den Feind
anzukündigen, der im Begriff war, ihnen seine Aufwartung zu machen. „Was war
das?“, rief der Legat zu ihm herüber. „Das Ding war ja riesig!“ Magnus
schmunzelte ob der zornigen Miene des Soldaten. „Ein Varghulf. So bezeichnen
Vampire einen ihrer Artgenossen, der sich der Bestie in seinem Inneren
vollständig und bereitwillig hingegeben und jeglichen auch nur entfernten
Anschein von Menschlichkeit weit hinter sich gelassen hat.“ Der Legat nickte
und betastete die Wunde des Greifen. „Ich sollte bald rasten - fliegt Ihr
weiter zur Kraterstadt, Sire. Der Hauptmann muss erfahren, was wir gesehen
haben.“ Nun war es Magnus, der nickte und ihn durchfuhr ein wenig Stolz für
seinen Aviatoren bei dessen selbstlosen Worten. Seine Gedanken wanderten zur
Kraterstadt und kreisten nun um die entstandenen Verteidigungsanlagen, Wälle
und Kriegsmaschinen. Dieser Gegner würde der Stadt einiges abverlangen, doch
sie würden bereit sein ...
Kapitel 17 - Vor den Toren
Bis in den Abend hinein hatte der
Kriegsrat getagt. Die Brüder hatten auf eine offene Feldschlacht bestanden und
darauf, den Feind in der Ebene vor der Kraterstadt zu stellen. Hierbei würde
Herban Feuerbach einen Großteil der in Neu Talabheim stationierten Infanterie
ins Feld führen. Die Liberatoren der Sturmfäuste sollten dabei von mehreren
Einheiten Musketenschützen, Hellebardenträgern und Schwertkämpfern des roten
Heeres unterstützt werden. Larus Feuerbach und Imrahil Sturmfaust würden noch
heute aufbrechen, um die Reiterstaffel in Graufurt zu mobilisieren und sie aus
dem Schutz des Kovaki-Forsts ins Gefecht zu führen. Doch die Zeit drängte. Nach
ihrer gestrigen Entdeckung hatte Magnus den Pegasus bis an den Rand der
Erschöpfung getrieben, um die Nachricht vom bevorstehenden Angriff
schnellstmöglich nach Neu Talabheim zu tragen - der Sturm hatte sich fortan an
seine Fersen geheftet. Inzwischen hatte er sich bis auf wenige Meilen der Stadt
genähert und die Brüder rechneten mit einem Eintreffen des feindlichen Heeres
im Morgengrauen. Bis dahin mussten sie vorbereitet sein ...
Magnus beobachtete, wie die
Liberatoren und Freigildler in dicht gestaffelten Reihen das Westtor der Stadt
passierten. Er erkannte einige Stahlseelen des inneren Zirkels, die mit ihren
großen Turmschilden und Sturmlanzen im Zentrum der Liberatoren marschierten und
stellte mit Erstaunen fest, dass ihre Zahl seit dem letzten Sternenkonklave
gewachsen war. Wie es schien, hatte die Unantastbaren-Kammer noch keine nennenswerten
Fortschritte erzielt. Der Prozess der Neuschmiedung veränderte weiterhin das
Wesen dieser Krieger. Er würde Krestus aufsuchen müssen, um mehr über diese
Entwicklung in Erfahrung zu bringen. Das gleichmäßige Stampfen der
marschierenden Soldaten lenkte seine Aufmerksamkeit erneut auf das Westtor. Die
Einheit des Erranten bildete die Spitze der langen Kolonne, dann folgte die
Infanterie des roten Heeres. Die Heraldik der Feuerbachs war prachtvoll - jedes
Regiment führte große Banner mit den Farben und Symbolen der Kraterstadt. Eine
Heerschau, wie er sie zuletzt in Azyrheim gesehen hatte.
Als die ersten Sonnenstrahlen auf
die Ebene fielen, hatten die Truppen vor den Toren der Stadt Aufstellung
bezogen. Der Sturm war inzwischen so stark abgeflacht, dass nur noch ein
dichter Nebel den Horizont verbarg. Doch nun wussten sie, was dieser Nebel
ausspucken würde. Er blickte die Schlachtreihe entlang, prüfte die Formationen
und Schildwälle, spielte in seinen Gedanken noch einmal all das durch, was die
Brüder auf ihrer großen Schlachtenkarte erdacht hatten. Magnus würde der ihm
angedachten Rolle jedoch nicht vollständig gerecht werden. Der Hauptmann hatte
ihn angewiesen, die Züge der Aviatoren und die des Eisenschmiede-Arsenals von
einem der Wehrtürme aus zu lenken, um den Spielraum für Fehler möglichst gering
zu halten. Doch weder die Sturmfaust noch der Hauptmann waren nun hier. Magnus
ertappte sich bei einem Anflug von Scham ob dieser offenen Zuwiderhandlung,
doch er konnte einfach nicht zusehen, wie andere diesen Kampf für ihn
austrugen. Diese Ungläubigen besudelten seinen Andachtsbezirk mit ihrer
Anwesenheit und ihre Absichten waren eindeutig. Es war seine heilige Pflicht,
den Dienern Nagashs entgegenzutreten. Er stieß einen Pfiff aus und ließ seinen
Blick erneut die Schlachtreihe entlanggleiten. Dann fixierte er das hoch
aufragende Banner der Sturmfäuste, das sich im Wind leicht wölbte. Der Pegasus
setzte neben ihm zur Landung an und schnaubte. Er hatte sich noch nicht
vollständig von den Strapazen der letzten Tage erholt und blickte missmutig zu
ihm auf. „Heute brauche ich dich nicht.“, flüsterte Magnus dem Tier zu
und griff behutsam nach den Zügeln.
Das Tier landete neben dem
stämmigen Krieger und Magnus schwang sich aus dem Sattel. Der Pegasus schnaubte
kurz, erhob sich dann erneut in die Lüfte und flog in südlicher Richtung davon.
Krestus Korel, der Lord-Vexillor der Sturmfäuste, blickte zu ihm herab und
schmunzelte. „Solltet Ihr nicht dort oben stehen und ein paar Befehle geben?“,
fragte er. „Solltet Ihr nicht dafür sorgen, dass sich Euer innerer Zirkel in
Zurückhaltung übt", gab Magnus zurück und wies in Richtung einiger schwer
gepanzerter Liberatoren, die sich ihren Weg in die vorderste Reihe des
Schildwalls bahnten. Der Vexillor drehte sich um und sein Blick verfinsterte
sich. Mit einem Ruck riss er die massive Bannerstange in die Höhe und ließ sie
mit einem dumpfen Schlag in den Boden fahren. Die Liberatoren hielten in ihrem
Treiben inne und blickten erschrocken zu ihnen hinüber. „In Eure Reihen!“,
donnerte der Vexillor in ihre Richtung. Ein Windstoß ging von dem Banner aus
und fuhr in das Konklave. Die Liberatoren erstarrten und machten erste
Anstalten, sich in den zentralen Block der Einheit zurückzuziehen. Der Krieger drehte
sich zu ihm um und seine Miene hatte sich wieder entspannt - fast lächelte er. „Er
scheint wütend zu sein.“, stieß er mit einem Grinsen aus. „Wer?“,
fragte Magnus, doch da brach auch schon eine mächtige Gestalt zwischen einigen
Schildgeborenen hervor und steuerte mit Zornesfalten im Gesicht auf ihn zu ...
„Was tut Ihr da, Priester?“,
brach es aus dem Erranten hervor, der nur kurz vor ihm zum Stehen kam. Große, schwülstige
Adern pochten entlang seiner Schläfen. „Ihr habt Anweisung, die Technikusse
zu befehligen und den Luftraum zu sichern!“ Magnus schnaubte. „Ich ...
habe Anweisung die Kirche Sigmars an den äußersten Rand Ghyrans zu tragen und
allem Unreinen entgegenzutreten, das es wagt, sich dem Allvater zu widersetzen
- das ist es, was mein Orden tut!“, grollte er. Nun stieg auch in ihm die
Zornesröte empor. Die Augen des Kriegers verengten sich zu Schlitzen und es
schien ihm in den Fingern zu jucken, nach dem riesigen Zweihänder zu greifen,
den er auf dem Rücken trug. „Wenn Ihr Euch dem Wort meines Bruders
widersetzt, solltet Ihr auch bereit sein, die Konsequenzen dafür zu tragen.
Seid Ihr...“ - ein dumpfer Schlag ließ sie hochschrecken. Der Vexillor
hatte Sein Banner neben ihnen in den Boden gerammt und kleine arkane Blitze
zuckten in alle Richtungen davon. „Dafür ist jetzt keine Zeit!“, schnaubte
der Krieger und deutete mit dem freien Arm nach Westen. Magnus folgte der Geste
und auch der Errant ließ vorerst von ihm ab. Dunkle Punkte hatten sich aus dem
Nebel gelöst und bildeten eine lange, ungleichmäßige Linie. Dann folgten
weitere unscharfe Punkte und weitere - Reihe um Reihe löste sich aus den
Schwaden. Wie eine nicht enden wollende Woge ergoss sich die dunkle Masse aus
Gestalten in die Ebene. „Ihr wollt kämpfen, Priester?“, raunte der
Errant, ohne ihm den Blick zuzuwenden. „Dann kämpft an meiner Seite - wir
werden sehen, ob Ihr in einem Schildwall unter meinesgleichen besteht.“ Der
Vexillor konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und trat in die vorderste
Reihe der Liberatoren. „Wer richtet mit Stahl über die Feinde allen Lichts?“,
brüllte er der dunklen Woge entgegen - „Nur die Gläubigen!“, hallte es
die Linie entlang, während die Liberatoren Hämmer und Schwerter auf Schilde
schlugen.
Wie in Trance wirkte er ein
Schild des Glaubens auf die ihn umgebenden Stahlseelen, während er mit aller Kraft
dem Druck auf das Turmschild standzuhalten versuchte. Die Schlachtreihen hatten
sich ineinander verkeilt und gelegentlich öffneten die Liberatoren den Wall aus
silbernem Sigmarit, damit die Freigildler die hineinbrandende Flut aus Leibern
mit Hellebarden und Schwertern in Stücke hacken konnten. Doch die schiere Masse
der Untoten war erdrückend. Dicht neben ihm zuckte die Hellebarde eines
Soldaten zwischen den Schilden hindurch und fand ihr Ziel im Schädel eines
Untoten. Im Augenwinkel nahm er verschwommen das Wüten der Retributoren wahr,
die wie ein Wirbelsturm in die Wellen aus Verderbnis fuhren. Eine weitere
Einheit spröder Skelettkrieger brach in den Schildwall und Magnus musste sich
mit voller Kraft gegen den Schild stemmen, um nicht von den Füßen gerissen zu
werden. Mit einem Ruck senkte er den Turmschild und trieb seinen Streithammer
in den Brustkorb des Wesens vor ihm. Dann verkantete er den Kopf des Hammers in
einen zweiten Untoten und riss ihn, den Schild aufschwenkend, in den
Schildwall. Drei Freigildler hackten unverzüglich auf das Geschöpf ein und
verteilten Knochensplitter in der aufgewühlten Erde. Soeben wollte er einen
weiteren Untoten zu sich heranziehen, da brach ein großes Geschöpf durch die
Reihen der Skelette und krachte mit der Kraft einer Kanonenkugel in den
Schildwall. Mehrere Liberatoren gerieten ins Taumeln oder stürzten. Magnus
wurde von den Füßen gerissen und mehrere Schritt nach hinten geworfen. Gerade,
als er sich aus eigener Kraft wieder aufrappeln wollte, packte eine kräftige
Hand seinen Schildarm und zog ihn zurück auf die Beine. Herban Feuerbach schenkte
ihm einen kurzen, durchdringenden Blick und warf sich dann mit einem Brüllen
gegen den Varghulf, der noch immer unter den Liberatoren wütete. Der Errant
rammte sein Schwert mit der Rechten in das muskulöse Untier und packte es mit
der Linken am Hals. Dann drängte er es vor sich her und aus der im Schildwall
entstandenen Bresche heraus, während die ersten Liberatoren ihre Reihen wieder
schlossen. Auch an anderen Stellen brachen nun weitere Varghulfs durch die
Reihen der Liberatoren. Azurne Blitze fuhren mit einem ohrenbetäubenden Fauchen
in den dunklen Himmel und verkündeten den Tod gleich mehrerer Stahlseelen. Zu
seiner Linken nahm es ein gutes Dutzend Schwertkämpfer mit den riesigen Klauen
eines Varghulfs aus. Er straffte sich, sandte ein Stoßgebet an den Allvater und
ergriff dann erneut den Streithammer, um den tapferen Soldaten zu Hilfe zu
kommen ...
Seine Rüstung war durchnässt vom
Blut der Bestie und dem einiger Freigildler, die den Fängen des Varghulfs zum
Opfer gefallen waren. Um ihn herum tobte noch immer ein erbitterter Kampf und
er erkannte, dass die heranstürmenden Untoten stetig an Boden gewannen.
Gelegentlich brachen bleiche, drahtige Gestalten mit atemberaubender
Geschwindigkeit durch die Reihen der Liberatoren und meuchelten ein oder zwei
Soldaten, bevor sie mit derselben unglaublichen Geschwindigkeit wieder im
Getümmel verschwanden. Magnus Blick glitt die Schlachtlinie entlang nach
Norden. An der rechten Flanke hatte sich eine große Gruppe Untoter gelöst und
versuchte scheinbar, die Stadtmauer oder einen der Wehrtürme zu erreichen.
Einige Musketenschützen eröffneten bereits das Feuer und plötzlich spürte er
das vertraute Kribbeln. Jemand - oder Etwas - wirkte Magie. Dunkle Magie. Er
versuchte, das Wesen des feindlichen Zaubers zu erfassen, doch für einen
Bannversuch war es bereits zu spät. Ein Wirbel aus dunklen Schatten erhob sich über
den Untoten, die noch immer auf die Stadtmauer zuhielten. Kurz erstarrte das
rotierende Konstrukt und es schien, als wäre der Zauber fehlgeschlagen und
würde gleich darauf in sich zusammenfallen. Doch dann vernahm Magnus ein Zischen
und der rotierende Wirbel raste den Kraterrand hinauf und krachte in die
äußeren Wehranlagen.
Ein großer Spalt klaffte in den
Wallanlagen nahe des nördlichen Wehrturmes. Neben den stetigen Musketensalven
hatte nun auch eine Salvenkanone das Feuer auf die herannahenden Untoten
eröffnet, doch der Feind musste diesen Zug lange im Voraus geplant haben. Die
Liberatoren an der linken Flanke versuchten mit aller Kraft, die Skelette und
Zombies an ihrem Vormarsch zu hindern, deren schiere Masse war jedoch schlichtweg
zu erdrückend. Die ersten Untoten hatten bereits die Bresche erreicht. Magnus
spürte, dass es an der Zeit war, die Aviatoren zu rufen und er griff bereits
nach dem Horn an seinem Gürtel, da bewegte sich plötzlich etwas in der Bresche.
Zwei massige, schwer gepanzerte Kriegsrösser walzten mit mäßigem Tempo über die
vordersten Untoten hinweg und verschwanden kurz darauf hinter dem noch intakten
Teil der Mauer. Stattdessen schob sich nun etwas Großes vor den Spalt und
füllte ihn fast zur Gänze aus. Ein Turm, so schien es. Ein ... ein Kriegswagen.
Der Kriegswagen, den er bereits auf Bildern und Skizzen in Graufurt gesehen
hatte. Das Gefährt war mehrere Meter hoch und ersetzte nun vollständig den
fehlenden Mauerabschnitt. Zwischen den Zinnen des mobilen Turmes erkannte er
Soldaten, die nun das Feuer auf den herannahenden Feind eröffneten. In Gedanken
pries er das Eisenschmiede-Arsenal. Erneut besann er sich auf das Geschehen um
ihn herum, als er plötzlich mehrere vertraute Hornstöße vernahm ...
Die Kavallerie aus Graufurt war
eingetroffen, ihnen voran die Sturmfaust und Larus Feuerbach. Magnus spürte
seine Erschöpfung. Er kämpfte nicht mehr im Schildwall, allerdings schien die linke
Flanke eh keiner genauen Schlachtordnung mehr zu folgen. Er ließ den Schild
sinken und lauschte dem Lärm der Schlacht. Eine dieser bleichen Gestalten fand
eine Lücke zwischen zwei Liberatoren und schnellte auf ihn zu. Einen Moment
später wurde sie von der surrenden Sensenklinge eines Streitwagens erfasst, der
durch sein verschwommenes Blickfeld raste. Die zwei Hälften des Geschöpfes
rollten noch ein Stück weiter und kamen vor ihm zum Liegen. Eines der Augen
blinzelte noch. Gerade holte er mit dem Streithammer aus, da wurden die
bizarren Köperteile in einem Wirbel aus Hufen und Metall fortgerissen. Er
schloss die Augen und lauschte dem Klang, den die gepanzerten Reiter beim
Aufprall verursachen würden - eine Sinfonie, die ihm nur zu vertraut war.
Fortsetzung der Hintergrundgeschichte auf: (Seite 14, Post 272) ...