Unterm Herdenstein (eine Tiermenschen Geschichte) - Des Dramas Zweiter Teil

  • ich meinte damit nicht unbedingt diese Geschichte, sondern ob du dich nicht beim Backround & Arts Team für Beast Herds "bewerben" willst.
    Die zwei voll illustrierten Armeebücher sind ja richtig gut.

  • (Achso...) Ich glaub meine Frau würde mir die Hörner vom Stamm reißen! :tongue:


    Naja, wer weiß, vielleicht kann ich ja trotzdem was beitragen. (Würd ich durchaus gern tun. Ich mag und unterstütze konstruktive Lösungsansätze in Krisensituationen. Von daher finde ich die Initiative großartig.)

    'I thought the beasts were simply mutants, human exiles devolved into man-beasts, altered by the power of warpstone. Certain of our learned professors claim as much.' Gotrek shook his head as if despairing at the folly of mankind. - Blood & Darkness (S.167)


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  • Kapitel 70 - Zweifel



    In seinem Bau plagte Kar-Wiek sich mit Gedanken um seine Sicherheit. Eine solch wichtige Aufgabe in den Händen unfähiger Unterlinge zu wissen, war nicht gerade etwas was den Skaven Kommandanten ruhig schlafen ließ. Ihm war bewusst, dass wo immer auch seine Geiseln und ihre Lakaien hergekommen sein mochten, möglicherweise noch viel mehr von diesen Ziegendingern lauern könnten. Bilder von Unmengen gehörnter und behufter Mischdinger, welche die Tunnel seines Klans durchströmten und ihm des Nachts die Kehle durchschnitten, jagten ihm einen unangenehmen Schauer über den Rücken und seine Duftdrüsen zuckten nervös. Vielleicht sollte er die ausgesandten Klanratten doch noch verstärken lassen? Es war nun ungemein wichtig den Tunnel zu sichern und - wenn möglich - wieder zu versiegeln. Wäre die Höllengrubenbrut nicht – angestachelt von all dem Warpstein – außer Kontrolle geraten und hätte somit auch nicht einige der Tunnel zum Einsturz gebracht, wäre die Situation zwar unter Kontrolle, aber auf der anderen Seite hätte Kar-Wiek auch nie den Glücksgriff gemacht die beiden Ziegen-Oberlinge in seine Klauen zu bekommen. Es galt also das Beste aus der Situation zu machen, die Karten richtig auszuspielen und keine Trümpfe aus der Hand zu geben! Sofort rief er einen seiner Handlanger zu sich um ein weiteres Dutzend Klanratten auf den Weg zu schicken. "… und macht schnell-schnell!"


    Kaum war der Bote auf dem Weg, befielen Kar-Wiek erneute Zweifel. Waren es doch zu wenige Verstärkungen? Augenblicklich begann sein linkes Augenlid zu zucken und er nagte nervös an seiner Schwanzspitze. Er brüllte erneut nach einem Diener und prompt schlürfte ein abgemagerter Hungerhaken in sein Quartier. Kar-Wiek war sich sicher, dass er nun Nägeln mit Köpfen machen musste und befahl dem Dürren, sich auf den Weg zum Quartier des Assassinen Gurgl-Snit zu machen, um dessen Dienste in Anspruch zu nehmen. Der Abgemagerte machte eine unterwürfige Geste und verließ im Rückwärtsgang und nach vorn gebeugt Kar-Wieks Bau. Der Skaven Häuptling war äußerst zufrieden mit seiner allumfassenden Umsicht und rieb sich in verschwörerischer Geste seine Pfoten.

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  • Jaa! Bin sehr dafür, dass Merrhok für The 9th Age schreibt. Im "Khemri"-Buch ist der gesamte Fluff ja auch in eine zusammenhängende Geschichte eingebettet. Da fände ich diese Geschichte gar nicht mal unpassend für die Bestienherden! Zumal sich der 9th-Age-Fluff dann wieder dem ursprünglichen GW-Fluff annähern würde, was eindeutig im Interesse Merrhoks wäre... ;)


    Das also sind diese Tage, an denen man zuhause sitzt, Bier direkt aus der kaputten Kaffeemaschine trinkt und wartet, dass es regnet, damit man endlich raus kann. - Horst Evers

  • Kapitel 71 - Verrat



    "Sabotage! Spionage! Verrat!", ging es Kar-Wiek durch den Kopf, als er die Nachricht erhielt, dass der Assassine Gurgl-Snit erschlagen und stümperhaft versteckt aufgefunden worden war, kurz nachdem er ihn zu engagieren gedachte. Der Dürre war nicht nur der Überbringer der schlechten Nachricht, er war aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch derjenige, der die Geheimnisse seines Herrn an dessen Konkurrenten verschachert haben musste! Wie konnte es auch anders sein? Der Hungerhaken sollte in jedem Fall das Abendbrot nicht mehr erleben, das stand für Kar-Wiek fest.


    Wenn seine Konkurrenten davon wussten, was wussten sie noch? War sein meisterlicher Plan in Gefahr? Er musste ganz sicher gehen und unverzüglich handeln. Wenn er dafür diesen inkompetenten Leichenflickern die Hölle heiß machen musste, damit diese die Ziegending-Häuptlinge schneller wieder zusammennähen würden, dann würde er das ohne Zweifel tun! Die Beiden mussten umgehend verlegt werden, denn unter den gegebenen Umständen waren sie hier nicht mehr sicher. "... keine Trümpfe aus der Hand geben", zischte Kar-Wiek durch seine zusammengebissenen Zähne, als er sich persönlich zu seinen Gefangenen aufmachte. Auf irgendwelche dahergelaufenen Boten konnte er sich nun nicht mehr verlassen. Jeder schien ihm seinen langverdienten Ruhm streitig machen zu wollen und er war nicht bereit dies zuzulassen.


    Einige Minuten später tauchte er in seinem Leib-Lazarett auf und war verdutzt, dass er die beiden Ziegendinger nicht in der Horizontalen antraf. Sie saßen, gut verschnürt, verbunden und geflickt, an die Wand am Ende des Raumes gelehnt. Die beiden in schmutzige Schürzen gekleideten, eher an Fleischer erinnernden, Flicker schauten ihn unverwandt an. Allem Anschein nach hatten sie ihn hier nicht erwartet. "Gut-gut! Tue stets das Unerwartete", ging es Kar-Wiek durch den Kopf und er trat näher an seine Geiseln heran. Die Beiden schienen irgendwie ruhiggestellt zu sein, denn sie hoben nicht einmal ihre massigen Schädel um ihren Geiselnehmer anzuschauen. "Sind sie transportfähig?" "Äh... ja... äh... ich denke schon-wohl", stotterte einer der beiden Schmutzfinken verwirrt. "Ein gewisses... Restrisiko... bleibt natürlich..." "Restrisiko?!", entfuhr es Kar-Wiek wütend und er drehte sich zu dem verängstigten Leichenflicker um. "Äh... naja-ja...", stammelte er mit aufgerissenen Augen, im Rückwärtsgang auf die nächstgelegene Wand zusteuernd, "... so-ho-ho riskant nun auch wieder nicht-nicht. ... nicht wirklich." "Gut. Dann macht sie zum Abtransport bereit-reit! Ich will umgehend aufbrechen. Und sorgt dafür, dass sie laufen können-tun! Allein der Weg hier her war schon eine absolute Zumutung.", wetterte Kar-Wiek noch, als er das Lazarett bereits wieder halb verlassen hatte. Die beiden Bediensteten starrten noch eine Weile verwirrt und bewegungslos in die Dunkelheit des leeren Gangs, durch den ihr Herr soeben wieder verschwunden war.

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  • Kapitel 72 - (K)ein Weg zurück II



    Ghorhok versuchte sich zu konzentrieren und den Weg, welchen sie gekommen waren, in Gedanken zurückzugehen. Sie hatten sich bereits etwas zurückfallen lassen, um auszuruhen. Hier unten hatten sie zwar kein Gefühl dafür wann es Tag oder Nacht sein mochte, aber die Erschöpfung und der Hunger hatten sich dennoch bemerkbar gemacht. Um ein wenig Ruhe zu finden und nicht im schlimmsten Fall mitten im Bau des Feindes erwischt zu werden, hatten sie sich einen Seitentunnel gesucht, welcher in einer Sackgasse endete. So mussten sie auch nur einen Durchgang überwachen und hatten den Rücken frei. Als der Bronzehuf sich sicher war den Weg wieder im Gedächtnis zu haben, öffnete er die Augen und nickte seinen Kriegern zu. Diese packten ihre wenigen Habseligkeiten zusammen, zückten ihre Waffen und machten sich augenblicklich bereit um wieder in die Rattennester vorzustoßen.


    Merrhok war seinen Artgenossen näher als er glaubte. Genau genommen waren sie nur wenige Gänge voneinander entfernt. In dem weitverzweigten Labyrinth, welches die unterirdische Skaven Stadt umgab, war es jedoch keinesfalls selbstverständlich, dass man sich deshalb auch zwangsläufig über den Weg liefe. Während der junge Häuptling durch die Tunnel streifte, nagte er an einem der Hasen, welche er als Wegzehrung bei sich trug. Die verwirrenden Gefühlsschwankungen, welche ihn zuvor noch geplagt hatten, waren mittlerweile abgeklungen. Irgendetwas sagte Merrhok, dass dies möglicherweise etwas mit der weit geringeren Konzentration von Warpstein in diesen Teilen der Tunnel zu tun hatte. Der Vorteil war, dass er so wieder voll konzentriert war und das zwitschernde Fiepen, welches im entgegen kam, rechtzeitig hörte, bevor er entdeckt werden konnte.


    Nach einem Moment des Zögerns und Lauschens machte Merrhok umgehend kehrt und nahm die Bocksbeine in die Hand. Als er in einen Seitengang zu seiner Linken abbog konnte er nur hoffen, dass dies nicht der Weg wäre, den die Skaven nutzen würden. Nur wenige Minuten später sollte er herausfinden, dass seine Intuition ihn nicht im Stich gelassen hatte. Sie zogen weiter den Haupttunnel entlang, in Richtung des Aufstiegs. "Der Aufstieg!", ging es ihm augenblicklich durch seinen gehörnten Schädel und es durchfuhr in heiß und kalt bei dem Gedanken, dass diese Rattenwesen mit der Mission betraut worden sein könnten, den eingestürzten Tunnel – und somit den einzigen Rückweg – zu versiegeln. Er machte sich keine Illusion davon die gut 20 bis 30 Skaven allein zu erschlagen. Selbst mit dem Überraschungsmoment auf seiner Seite, würden sie ihn schneller überwältigen als er sie niedermachen konnte. Sollte er dennoch versuchen sie aufzuhalten? Und wenn ja, wie? Die Gedanken jagten einander in seinem Kopf und er fühlte buchstäblich wie ihm die Situation zu entgleiten drohte. Er brauchte mehr Zeit. Aber er hatte keine. Mit jedem seiner Atemzüge wuchs der Druck und die Gefahr für ihn selbst und seinen Großhäuptling nahm zu. Jeder der hämmernden Schläge seines wilden Herzens ermahnte ihn, wie stetig und unerbittlich die Zeit ihm durch die Finger rann.

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  • Kapitel 73 - Einsame Entscheidung



    Drei tiefe Atemzüge brauchte es, dann tat der junge Häuptling das Undenkbare und versuchte aus Leibeskräften in den Tunnel hineinzubrüllen, in den die Skaven soeben verschwunden waren. Das Ergebnis war wenig überraschend. Sein Schrei war kein gellender Kriegsschrei, wie man ihn bei einem Gor seiner Statur erwarten würde. Seine Kehle und Stimmbänder versagten ihm noch immer den Dienst und es kam nur ein krächzendes Stöhnen hervor. In diesem Moment wünschte er sich geradezu, dass dieser suizidäre Akt ihm nicht einfach so verwehrt bleiben würde und er frei entscheiden könnte, ob er sein Leben hier und jetzt aufs Spiel setzte.


    Blinde Wut stieg in Merrhok auf und er wollte den verhassten Rattenwesen seinen Schrei wenn nötig persönlich hinterhertragen. Augenblicklich rannte er los. Nicht von den Skaven weg sondern direkt hinter ihnen her. Sein Plan sah vor, dass sie ihm folgen würden während die Hoffnung darin lag, dass er sie damit dauerhaft von der Erdspalte zur Oberfläche fernhalten würde, ohne dabei sein Leben lassen zu müssen. Adrenalin schoss durch seine Blutbahn und sein Puls hämmerte ihm bis zum Schädel als er vor sich die Umrisse zweier Rattenmenschen erkannte. Wenn er nicht schreien konnte, musste er sie dazu bringen dies für ihn zu tun. Er hielt in vollem Tempo und mit einem sonoren Brummen seiner Kehle auf sie zu. Zwei Schritte bevor er mit ihnen zusammenstieß senkte er sein Haupt auf Höhe seines Beckens und spießte den letzten der Skaven – welcher gerade im Begriff war sich nach dem eigenartigen Geräusch hinter sich umzudrehen – auf seine Hörner auf. Er riss den Schädel nach oben und die Ratte zappelte und quiekte wie am Spieß. Die anderen Klanratten gerieten unweigerlich in Panik und stimmten ein ohrenbetäubendes Fiepen und Quieken an. Der Tunnel war schlagartig erfüllt von einem eigenartigen Geruch und Merrhok wusste, dass er jetzt ihre Aufmerksamkeit hatte. Es würde nur wenige Augenblicke dauern bis sie realisieren würden, dass er allein und sie hingegen viele waren. Er schüttelte also den im Todeskampf befindlichen Skaven mit einer ruckartigen Seitwärtsbewegung seines Schädels ab und wandte sich zur Flucht.


    Merrhok hatte das Gefühl noch nie so schnell gerannt zu sein und es grenzte an ein Wunder, dass er in der Dunkelheit nicht stolperte oder mit Hindernissen kollidierte. Bei allem Willen am Leben zu bleiben, spitzte er dennoch aufmerksam die Ohren ob er denn auch verfolgt würde. Aufgeregte Quiek- und Zwitscher-Geräusche in seinem Rücken verrieten, dass er noch immer die ungeteilte Aufmerksamkeit der Skaven haben musste. Ob sie sich jedoch aufgeteilt hätten oder ihm vielleicht doch geschlossen folgen würden, das war unklar.


    Nicht nur die von Kar-Wiek entsandten Klanratten waren von Merrhoks halsbrecherischer Aktion aufgescheucht worden, auch Ghorhok und seine Gors hatten die Schreie der Ratten vernommen. Dem Bronzehuf war schnell klar, dass es hier unten nicht viele Gründe für die Skaven gab in Todesangst auszubrechen. Dies war ihr Reich. Der Aufruhr mochte also durchaus ein Zeichen dafür sein, dass mittlerweile auch andere Behufte hier unten waren und den Kampf aufgenommen hatten. Irgendwer – ob nun Freund oder Feind – steckte hier ganz offensichtlich in unmittelbarer Lebensgefahr. Ghorhok fackelte nicht lange und schlug umgehend – aber nicht zu überhastet – den Weg in die Richtung ein, aus der er die Schreie zu vernehmen geglaubt hatte.


    Merrhok rannte weiter so schnell ihn seine Hufe trugen. Das Herz schlug ihm bis zum Hals und er war sich keineswegs sicher, ob er beruhigt darüber sein sollte, dass es im Gang vor ihm wieder heller zu werden schien. Gerade passierte er die nächste Tunnelbiegung, da schmetterte er äußerst unsanft in etwas Hartes.


    Ghorhok blieb kurz die Luft weg, als er frontal von Merrhok über den Haufen gerannt wurde. Seine bronzene Panzerplatte bewahrte ihn zwar vor ernsthaften Verletzungen, aber die Wucht mit der der junge Häuptling in ihn hineingerauscht war, hätte selbst einen Ochsen von den Beinen gefegt. Ghorhok hätte fast instinktiv zugeschlagen, konnte sich aber im letzten Moment dazu durchringen seinen Hieb mit der Axt nicht durchzuziehen. Merrhok blickte ihn geschockt und ungläubig an. Dann halfen sich die beiden wortlos gegenseitig auf die Beine und der stumme Häuptling wies der Gruppe von Gors die Richtung aus der er gekommen war. Sie hatten kaum Zeit sich darüber zu wundern, dass Merrhok hier unten war und sie keiner Worte würdigte, da vernahmen sie die verräterischen Geräusche der nahenden Ratten.


    Die Waffen bereits gezückt, gingen die Gors in Position um die Skaven gebührend zu empfangen, wenn auch sie um die Biegung des Tunnels kämen. Das Trappeln der Pfoten und die nagetierartigen Geräusche kamen näher und näher, während der Puls und die Wut der Gors ungeahnte Höhen erreichten. All die aufgestaute Energie entlud sich schlagartig als die Skaven unmittelbar vor den lauernden Tiermenschen auftauchten. Einige der Rattenwesen erlitten beinahe einen Herzinfarkt, als sie sich plötzlich mit weit aufgerissenen Augen und Mäulern einer ganzen Wand riesiger Gegner gegenübersahen, welche sie beinahe um das Doppelte überragten. Die erste Reihe hatte keine Zeit zu reagieren. In blinder Wut hieben die Gors auf ihre Widersacher ein und hinterließen nur blutigen Ruin. Die anderen Klanratten versuchten ihre Speere zu heben und die Gegner auf Distanz zu halten, aber deren Hiebe waren unerbittlich und wurden mit übermenschlicher Kraft geführt. Holz splitterte und Skaven quiekten, als sich die Behuften in wilder Raserei durch ihre Feinde pflügten. Die Nager, welche den Attacken der Gors nicht unmittelbar zum Opfer fielen, wandten sich zur Flucht aber ihre Gegner setzten ihnen ohne zu zögern nach. Jetzt waren es Merrhok und seine Artgenossen, welche die Ratten durch die Tunnel jagten.


    Es galt keinen von ihnen entkommen zu lassen. Denn weder durfte man die Mission gefährden, noch die Gefahr unterschätzen welche darin bestand, dass der Aufstieg zur Erdoberfläche versiegelt werden könnte. Merrhok wünschte, er hätte seinen Brüdern zubrüllen können was sie zu tun hätten. Wie die Dinge lagen konnte er jedoch nur hoffen, dass sie auch ohne seine Hilfe darauf kämen was hier und jetzt zu tun wäre. Ihm fiel bereits ein großer Stein vom Herzen, als er hörte wie Ghorhok seinen Krieger dazu anstachelte keine der Ratten am Leben zu lassen. Die Gors teilten sich auf und verfolgten ihre Opfer unbarmherzig. Quiekende Angstschreie erschallten in den Tunneln und starben mit den verängstigten Klanratten nach und nach dahin. Endlich zog Ruhe ein und die wild schnaufenden Gors fanden sich wieder an den Tunnelkreuzungen zusammen. Als sie sich wieder komplett vereint wussten, wandte sich Ghorhok an Merrhok um zu ergründen wie er und seine Krieger denn zu der Ehre gekommen waren einem solchen Gemetzel beiwohnen zu dürfen.


    Als der junge Häuptling das Maul öffnete und nur ein gepresster Laut daraus hervordrang, befürchtete der Bronzehuf bereits zu Recht, dass ihm der stumme Gor die gewünschten Antworten schuldigbleiben würde. Merrhok wies auf seine Kehle und Ghorhok begann zu verstehen. Dann wies der Stumme in Richtung des Aufstieges und blieb dabei sehr nachdrücklich. Der Bronzehuf runzelte die Stirn, bezweifelte aber keineswegs, dass es triftige Gründe gab ihm in diese Richtung zu folgen. Er wies seine Gors an, noch einmal auf Vollständigkeit durchzuzählen und ihm dann wieder geordnet und so ruhig wie möglich zu folgen. Merrhoks Gesten hatten unweigerlich klargemacht, dass in der angezeigten Richtung noch mehr Widerstand zu erwarten sei und dessen Beseitigung höchste Priorität hätte. Ghorhok machte sich also bereit noch mehr Skavenblut zu vergießen, bevor er seinen Großhäuptling finden sollte.

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  • Kapitel 74 - Schreie im Dunkeln



    Sie waren bereits eine Weile in den unterirdischen Gängen unterwegs, als einer der Gors beinahe über die Leiche eines Skaven gestolpert wäre. In diesem Teil der Tunnel roch es nach Angst und Merrhok erkannte, dass dies der Ort war an dem er die Klanratten angegriffen hatte. Wenn tatsächlich einige der Ratten ihren Weg zum Aufstieg fortgesetzt hätten, dann wären sie jenseits von diesem Punkt anzutreffen. Merrhok machte eine warnende Geste, um die Aufmerksamkeit der anderen Gors zu erhöhen. Sie mussten schnell und gründlich sein. Wenn die Skaven es schaffen würden den Rückweg unpassierbar zu machen, würde es ungleich schwieriger – wenn nicht gar unmöglich – werden die Tunnel wieder zu verlassen und zu den Herden zurückzukehren. Auch Ghorhok war sich dieser Gefahr mittlerweile bewusst. Denn die Skaven hatten auf Dauer nur aus einer Richtung Gefahr zu erwarten und es war nur logisch, dass sie dieser Bedrohung so schnell wie möglich Einhalt gebieten würden. Es galt also zu handeln bevor alles zu spät wäre.


    Beseelt von dem Gedanken das Schlimmste für sich und sein Vorhaben zu verhindern, preschte Ghorhok nach vorn. Er wetzte durch die grünlich erleuchteten Tunnel und achtete gar nicht mehr darauf, ob seine Gefährten ihm folgen konnten. Langsam hatte er es satt durch diese stinkenden, muffig feuchten Gänge zu irren ohne nennenswerte Fortschritte zu machen. Also wollte er es endlich hinter sich bringen, den Aufstieg sichern, die Rattenplage eindämmen und dann Gurlak finden.


    Als er endlich vorbei an den Leichen des Rattenogers sowie der des rotgehörnten Gors war und kurz vor dem Aufstieg, sah er die Skaven vor sich. Sie waren damit beschäftigt eigenartige Rohre unterhalb des Erdspaltes zu platzieren. Was auch immer der Zweck dieser Sache wäre, Ghorhok hatte nicht vor sie gewähren zu lassen und griff mit wütendem Brüllen an. Die Klanratten stoben mit einem Mal auseinander. Die ließen die Rohrstücken fallen und versuchten ihre Speere zu heben, während sie den Raum zwischen ihrem Rücken und der Wand zu minimieren suchten. Der Bronzehuf teilte wuchtige, schwere Hiebe aus und die vor Schreck erstarrten Skaven benötigten einen Moment um sich gewahr zu werden, dass sie in der Überzahl waren und darin ihre Chance lag den Gegner zu überwältigen. Gerade als sie zusammenrückten und mit erhobenen Speeren nach vorn traten, stürmte auch der Rest der Gors den Gang entlang und die Bewegung der Ratten erstarb augenblicklich. Ghorhok roch Panik, Angst und sein Blut geriet in Wallung. Die rote Wut ließ ihn blind auf die kleineren Skaven eindreschen und er richtete grausame Verwüstung unter den körperlich unterlegenen Nagern an. Blut spritzte und Hirnreste bedeckten bereits den Bauchpanzer und die Schnauze des Bronzehufs. Um ein Haar hätte er in seiner wilden Raserei auch seine eigenen Krieger nicht verschont, welche sich nun an ihm vorbeischoben und den direkten Nahkampf mit den Klanratten suchten. Sie waren keine Gegner für die gut sechseinhalb Fuß hohen Tiermenschen und starben allzu rasch unter erbärmlichem, angsterfülltem Quieken. Dann herrschte wieder Ruhe im Dunkel.


    Ghorhok kam wieder zu sich und atmete schwer. Er war von oben bis unten besudelt mit den Körperflüssigkeiten und Überresten seiner Opfer. Seine Nüstern bebten und es brauchte eine Weile, bis er wieder in die Welt jenseits der Wut zurückgefunden hatte. Er blickte dem stummen Merrhok einen endlosen Moment lang in die Augen, dann wandte er sich wieder seinen Kriegern zu. Nachdem er die Verluste und Verletzungen begutachtet hatte, ließ er wieder mobil machen. Sie hatten keine Zeit zu verlieren und er würde jene, die zu stark verletzt waren hier zurücklassen. Nichts sollte sie nun noch aufhalten. Mit einem toten und zwei verletzten Gors weniger, machte er sich wieder auf den Weg in Richtung der unterirdischen Stadt. Irgendetwas sagte ihm, dass sie ihrem Ziel bereits sehr nahe gewesen waren. Noch einmal würde er sich nicht ablenken lassen, das hatte er sich fest vorgenommen.

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  • Kapitel 75 - Eile


    Kar-Wiek lief inmitten seiner Sturmratten und hatte ein beruhigendes Gefühl von Sicherheit. Ihm gefiel das Klirren ihrer schweren Rüstungen und auch ihr beinahe durchgängig schwarzes Fell hob sie unter dem Rest seiner Untergebenen stark hervor. Das waren echte Skaven, würdige Diener des großen Kriegsherrn, zu dem ihr Meister alsbald aufsteigen sollte! Einige Schritte hinter ihnen liefen die beiden Geiseln, gefesselt und angetrieben von Meutenbändigern, welche immer wieder aus sicherer Distanz mit ihren Treiberwerkzeugen nach den beiden gewaltigen Gors stocherten und sie so vorwärtstrieben.


    Graktar und Gurlak schienen noch immer unter dem Einfluss von Drogen zu stehen. Ihre Bewegungen waren unsicher und die immer wieder in ihnen aufbrodelnde Wut kam nur unmerklich an die Oberfläche. Sie stolperten mehr vorwärts, als dass man es hätte 'gehen' nennen können und sie schienen nur wenig von dem mitzubekommen, was um sie herum geschah.


    Gurlaks Schädel fühlte sich an wie ein Schwamm. Lichter, Formen und Stimmen nahm er nur verschwommen und distanziert wahr. Sein Körper war seltsam taub und unwillig zu gehorchen. Von seiner Brust ging ein stechend brennender Schmerz aus. Immer wieder hatten er den Drang die Stelle zu betasten, wurde aber von seinen Fesseln daran gehindert. Wie es dazu gekommen war, dass er nun fest verschnürt und in den Fängen Fremder war, das wusste er nicht. Das Letzte woran sich der Großhäuptling erinnern konnte war, wie er in den Tunneln mit einem Ungetüm gekämpft hatte. Da waren auch noch andere seiner Art und sie kämpften mit einem monströsen Rattenwesen. Dann starben alle und auch er erinnerte sich, wie er getötet worden war. Aber nun war er hier und er hatte keine Ahnung, wie das sein konnte. War er bei den Dunklen Mächten? War das sein Schicksal im Warp? Nein, das konnte und wollte er sich nicht vorstellen. In diesem Moment traf ihn wieder einer der Folterspieße im Rücken, um ihn anzutreiben. Gurlak biss die Zähne zusammen und verzog das Gesicht. Es fühlte sich an wie ein Stromschlag. Erst lähmend, dann ließ der Schmerz nach und augenblicklich setzte der Reflex ein davor davonzulaufen. Es war erniedrigend.


    Als der mächtige Häuptling sich umsah, um zu sehen wer ihn da malträtierte, glaubte er eine Art Rattenwesen zu erkennen, bevor er einen weiteren Stoß in den Rücken und einen Schlag auf den Schädel erhielt. Er drehte sich wieder um und blickte erneut auf die schwarz wabernde Masse vor und um sich herum. Je länger er hinsah, desto deutlicher schien zu werden, dass das nicht irgendeine Art von Substanz war, sondern die schwarzen Rücken unzähliger Lebewesen. Es waren Ratten. Nein, es waren… Skaven.


    Graktar ging es ganz ähnlich. Er war kaum Herr seiner Sinne, hatte aber durchaus bereits seine Lage und die Spezies, welche ihn hier gefangen hielt, erkannt. Er ließ sich nichts anmerken, solange er nicht in der Lage war einen erfolgversprechenden Fluchtversuch zu unternehmen. Die Schmerzen hatten ihn noch immer fest im Griff. Sein Abdomen brannte sie Feuer und wenn er an sich heruntersah, konnte er Fäden erkennen, welche seine Bauchdecke zusammenhielten und deren Enden wie Grashalme daraus hervorragten. Wenn er sich leicht nach vorn beigte, hatte er das Gefühl der Schmerzen besser Herr zu werden und er versuchte so viel von seiner Umgebung und seinen Häschern aufzunehmen, wie es ihm nur möglich war.


    Sobald sich die Gelegenheit bieten würde - davon war der alte Gor absolut überzeugt - wäre er auf und davon, aus dieser Hölle von Schmerz und Ungeziefer.

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  • Kapitel 76 - Mit dem Rücken zur Wand



    Ghorhok, Merrhok und der Rest der Gors rannten mit der Zuversicht siegreicher Krieger wie eine Walze aus Hörnern, Klingen und Hufen durch die muffig feuchten, unterirdischen Gänge in Richtung der Skaven Stadt. Das Blutvergießen hatte sie angestachelt jegliche Vorsicht in den Wind zu schlagen und so trampelten sie wie die wilde Horde durch die Dunkelheit.


    Kar-Wiek erwartete nun jeden Moment, dass die Sprengladungen, welche von seinen Klanratten in Position gebracht worden sein sollten, detonieren würden und er spitzte gespannt die Lauscher. Mit der Versiegelung des Zuganges zu den Unterwegen hätte er ein Problem weniger, welches seinem Aufstieg im Wege stehen würde. Die Verlegung seiner Gefangenen aus der Unterstadt heraus, wäre sein zweiter Schachzug. So konnte er sicherstellen, dass die Lakaien seiner Konkurrenten ihm nicht unbemerkt auf den Pelz rücken und sein Geheimnis in Erfahrung bringen würden. Innerhalb der Stadt hatten die Wände einfach zu viele Ohren und die Spione von Kar-Wieks Neidern waren schlicht überall.


    Die Kolonne aus Sturmratten, Klanratten und Treibern hatte die Grenzen der Stadt bereits verlassen und einen abgelegenen Teil der Tunnel angesteuert, der nur über einen einzigen Durchgang betreten werden konnte. Dies würde in Kar-Wieks Augen die Überwachung vereinfachen und sicherstellen, dass er seine nächsten Schritte ungestört planen könne. Zudem wäre er hier näher am Zugang zur Oberfläche und könnte den Lärm der Explosion, welchen er so sehnlichst herbeiwünschte, kaum überhören. Aber so sehr er seine ausgefransten Rattenohren auch aufstellte, der Tunnel, aus dem er das Donnern der Rohrbombensprengsätze erwartete, lag in absoluter Stille. Kar-Wiek wies einen Teil seiner Leibwache an, zusammen mit den Klanratten, den Treibern und den beiden Gefangenen das Lager im von ihm auserwählten, isolierten Bau aufzuschlagen, während er selbst mit dem Rest seiner Sturmratten hier an der Tunnelkreuzung bliebe, um später zu ihnen zu stoßen. Genauere Ausführungen hielt er gegenüber seinen minderintelligenten Dienern nicht für angebracht oder gar nützlich. Sie mussten nicht mehr wissen als er ihnen zugestand. Zudem käme so auch keiner von ihnen auf die dumme Idee etwaiges Wissen zu teilen. Kar-Wiek wusste eben ganz genau, wie man mit seinen Unterlingen umzugehen hatte.


    In Gedanken über die administrativen Details seines Meisterplans versunken starrte Kar-Wiek halb geistesabwesend ins Dunkel des Tunnels vor sich. Nicht, dass er darin viel hätte sehen können, aber das schier endlose Warten auf den erlösenden Knall hatte ihn mürbe gemacht und er war vom konzentrierten Lauschen in einen Zustand der Geistesabwesenheit übergegangen. So führten ihn die Irrwege im Labyrinth seiner Ränke über zahlreiche Umwege auch wieder zu den von ihm entsandten Klanratten mit den Bomben und mit abwesendem, irren Blick murmelte er vor sich hin, "Was im Namen der Gehörnten Ratte treiben-treiben diese nutzlosen Tagediebe nur wieder so lange-lange?" Seine Sturmratten warfen sich fragende Blicke zu, während sie versuchten bewegungslos um ihren Herrn in Stellung zu bleiben und dabei den Eindruck zu erwecken, als wüssten sie was sie hier taten.


    Kar-Wiek zwang sich erneut zur Konzentration. Sie müssten einfach Erfolg haben! Es hing zu viel davon ab, als dass diese unzuverlässigen Taugenichtse jetzt versagen könnten! "Bumm, ... Bumm, ... Bumm... ", ging es ihm durch den Kopf. Er war so auf das Geräusch einer Explosion fixiert, dass das was er nun tatsächlich hörte, ihn traf wie der Schlag. Erst ein undeutliches Rumoren, ein Trappeln, keine Rattenfüße. Die Augen des Häuptlings weiteten sich und seine Barthaare stellten sich auf wie Antennen. Dann entspannte sich sein Unterkiefer. "Hier läuft etwas falsch-falsch. Das ist ganz und gar nicht gut-richtig!", schoss es ihm durch den Kopf und sein Blick begann ziellos umherzuirren. Seine Sturmratten bemerkten die Unruhe ihres Herrn und festigten den Griff um die Schäfte ihrer Hellebarden.


    Langsam aber bestimmt bewegte sich Kar-Wiek rückwärts durch die Reihen seiner Leibwächter. Dieses Geräusch. Er kannte es. Es klang wie die Schritte seiner Geiseln, nur vervielfacht und mit mehr Wucht, mehr Geschwindigkeit. Sie konnten jeden Moment hier sein. Woher wussten sie, dass er hier war? Wie hatten sie ahnen können, dass er die Gefangenen ausgerechnet hier und jetzt in diesen Unterschlupf bringen würde? Waren sie tatsächlich mit seinen Neidern im Bunde? War da eine Verschwörung im Gange, um seinen unaufhaltsamen Aufstieg doch noch zu verhindern? Kar-Wiek fühlte Panik in sich aufsteigen und es verlangte ihm viel ab nicht seine Drüsen zu erleichtern. Nun hörten seine Sturmratten es auch. Das Getrappel aus dem Gang vor ihnen wurde immer deutlicher und die Elite Krieger senkten ihre Hellebarden, während sie ihren Stand festigten. Kar-Wiek gab von hinten Anweisungen. "Tötet sie alle-alle! Lasst keinen am Leben! Ich werde indes den Rückweg sichern und die Anderen herbeirufen." Auch unter den Sturmratten machte sich Nervosität breit und das Zucken ihrer Maulwinkel und Schnurrhaare war genauso verräterisch wie die umherhuschenden Blicke zu ihren Kameraden.


    Kar-Wiek verschwand gerade so in das Dunkel des Tunnels, welcher zu seinem isolierten Unterschlupf führte, als er die Umrisse der gehörnten Hünen erkennen konnte, wie sie auf seine Leibgarde zugestürmt kamen.

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  • Kapitel 77 - Wettlauf mit der Zeit



    Mardugors Entsatz-Gruppe von etwa zwanzig Gors hatte sich gerade am Erdspalt eingefunden, als zwei verletzte Gors von den wachhabenden Ungors nach oben gezogen wurden. Sie hatten die Leichen zweier anderer Krieger bei sich. Einer davon war grausam entstellt und nur noch seine roten, polierten Hörner verrieten, dass es sich einmal um Kwurhgor gehandelt hatte. Als die beiden Versehrten berichtet hatten, dass ihre Brüder gerade noch einmal in die Tunnel aufgebrochen wären, schickten sich die Söhne des Utu an, um so schnell wie möglich nach unten zu gelangen. Die Verletzten hatten ihnen, so gut es ging, erklärt was sie erwarten würde und welche Richtung sie in etwa einschlagen müssten. Mehr konnten sie in diesem Moment nicht für sie tun und Mardugors Krieger waren auch nicht in der Stimmung weitere Worte zu verlieren. So verschwanden sie in der Dunkelheit und begannen ihre Reise ins Ungewisse.


    Die Sturmratten versuchten nicht vor Angst zu erstarren und ihre Hellebarden in einer dichten Wand aus Klingen auf den Feind zuzuhalten. Die Tatsache, dass sich ihr Befehlshaber abgesetzt hatte, war nicht gerade ermutigend und so waren die Duftdrüsen der Skaven zum Bersten gespannt. Noch einmal festigten sie ihren Stand und suchten Halt am unebenen Tunnelboden. Dann blieb ihnen nichts mehr zu tun als sich auf den Aufprall vorzubereiten und einige der Ratten schlossen ihre Augen, um nicht den Mut zu verlieren.


    Der Zusammenprall war blitzschnell und hart. Ghorhok, Merrhok und die Gors rissen mit ihren Äxten und Klingen an den Hellebarden-Blättern, um sie nach unten oder zur Seite an ihren Körpern vorbeizuführen. Wären die Sturmratten entschlossener gewesen, hätten sie einen hohen Blutzoll für einen solchen Sturmangriff eingefordert. Aber die rasenden Hünen glitten trotz diverser Schnitte und Kratzer an der Klingenwand vorbei, um im Gegenzug ihren Stahl in die Leiber der Skaven zu vergraben. Als der ersten beiden Reihen fielen wie die Fliegen, ging Panik durch die Reihen der Ratten und ihre Formation geriet in Unordnung. Anstatt sich der verpufften Wucht des Angriffs nun entgegenzuwerfen und die Gors mit systematischen Hieben und Stichen ihrer schweren Waffen zuzusetzen, gewann der Überlebenswille der Skaven die Oberhand und einige von ihnen wandten sich zur Flucht. Fatalerweise schlugen sie dabei nicht den Weg in Richtung der Skaven Stadt ein, sondern wählten den Weg zum Rest ihrer Einheit, durch den Tunnel zu Kar-Wieks geheimem Unterschlupf.


    Merrhok entging nicht, dass die Ratten einen anderen Weg gewählt hatten als erwartet. Er kämpfte sich so schnell er es vermochte durch die Einheit hindurch, nicht darauf bedacht so viele Skaven wie möglich zu töten, sondern eher sie hinter sich zu lassen. Einige der Rattenwesen waren froh ihm aus dem Weg gehen zu können, jene welche es nicht taten, wurden niedergemacht. So fand sich der junge Häuptling im Handumdrehen hinter der Einheit, während seine Artgenossen noch – in der Masse an Sturmratten versackt – um die Oberhand kämpften. Merrhok beschloss keine Zeit zu verlieren. Wenn diese Skaven seinen Herrn in ihrer Gewalt hätten und jetzt unter Druck gerieten, wäre nicht abzusehen was sie tun würden. Also rannte er so schnell er konnte in den kleineren Tunnel, hinter den Flüchtenden her. Irgendetwas sagte ihm, dass er keinen Moment zögern durfte, wenn er Gurlak noch lebendig antreffen wollte.

    'I thought the beasts were simply mutants, human exiles devolved into man-beasts, altered by the power of warpstone. Certain of our learned professors claim as much.' Gotrek shook his head as if despairing at the folly of mankind. - Blood & Darkness (S.167)


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  • Kapitel 78 - Mit dem Rücken zur Wand II



    Kar-Wiek drohte einen halben Herzinfarkt zu erleiden, als ihm drei seiner Lebwächter aus dem Tunnel zu seinem privaten Unterschlupf entgegenstürmten. Diese Narren mochten gerade das Todesurteil für sich und ihren Herrn unterzeichnet haben, wenn der Feind mitbekommen hatte wo sie zu finden wären! Mit weiten Pupillen und dem Schrecken auf seinem Rattengesicht, rang er um Fassung.


    Mit schriller Stimme rief er nach seiner Garde und befahl ihr Aufstellung zu nehmen. Niemand sollte den Bau betreten und wenn sie es doch wagen würden, sollten sie dafür mit Blut bezahlen. Die Sturmratten strömten durch den relativ breiten Raum und bildeten dichte Ränge. Hinter ihnen gingen ihre kleineren Artgenossen in Stellung und versuchten mit ihren Speeren die Posen ihrer kampferprobten und besser ausgerüsteten Brüder nachzuahmen. Kar-Wiek begab sich ins Zentrum, auf eine kleine Anhöhe, hinter der Verteidigungslinie und ließ die beiden Gefangenen zu sich bringen. Mit dem Rücken zur Wand, war er zum Äußersten bereit. Und wenn er die beiden Ziegendinger opfern müsste, um dem Ansturm seiner Feinde Einhalt zu gebieten, dann würde er sicher auch dies tun. Widerwillig zwar, ... aber er würde es tun.


    Die Treiber zerrten die beiden gefesselten Großhäuptlinge vor ihren Herrn und zwangen sie auf die Knie, mit Blick auf den Eingang zum Bau. Links und rechts von ihnen gingen Wachen in Stellung, welche die Klingen ihrer Hellebarden drohend unter die Kehlen der beiden düster dreinblickenden Gors hielten. Wer auch immer den Raum betreten würde, sollte sich im Klaren darüber sein, dass Kar-Wiek alle Trümpfe in der Pfote hatte und nicht davor zurückschrecken würde sie gnadenlos auszuspielen, wenn die Situation es erfordern würde.


    Mardugors Krieger hörten im Dunkel vor sich Geräusche, die eindeutig auf einen Kampf hinwiesen. Stahl auf Stahl, wildes Brüllen, Schmerzensschreie und eigenartiges Quieken. Sie stürmten unverzüglich voran um ihren Artgenossen im Kampf um die Befreiung ihrer Herren beizustehen. Ghorhoks Gors waren zwar überrascht über das Auftauchen weiterer Tiermenschen in ihrem Rücken, sahen aber nun, wie sich das Blatt rapide zu ihren Gunsten wendete und die Ratten unter dem wilden Ansturm fielen.


    Merrhok erblickte ein Licht am Ende des Ganges. Augenblicklich wurde ihm bewusst, dass er ganz und gar allein war und womöglich im Begriff stand einer unbekannten Zahl von Feinden genau in die Arme zu laufen. Seine Nackenhaare stellten sich bei dem Gedanken auf und ein Schauer durchfuhr ihn heiß und dann kalt. Er blieb kurz stehen und sah dennoch keine Alternative zu einem überstürzten Angriff. Hatten die Dunklen Mächte ihn abgewiesen, um ihn nun hier sterben zu lassen? Der Gedanke schenkte ihm keine Zuversicht aber ihm war klar, dass sein Zögern Gurlaks Tod sein konnte. Und wenngleich sie unter anderen Umständen Konkurrenten sein mochten, so hatte er ihm Treue bis in den Tod geschworen. Und seine Schwüre nahm der junge Häuptling ausgesprochen ernst. Er biss die Zähne zusammen und hätte am liebsten aus Leibeskräften gebrüllt. Dann atmete er tief ein und wieder aus, hielt seine Schwerter fest im Griff und stürmte blindlinks ins Licht.

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  • Kapitel 79 - Gegen die Wand



    Die Sturmratten standen geschlossen, Schulter an Schulter und hielten ihre Hellebarden gesenkt, als plötzlich ein einzelner, gehörnter Feind in den Bau stürmte und unverwandt auf sie zuhielt. Kar-Wiek wollte soeben die Stimme erheben und die Neuankömmlinge mit der Bedrohung seiner Geiseln konfrontieren, als ihm vor Verwunderung das Rattengesicht einschlief und die Worte im Halse stecken blieben. Seine Verwirrung war groß, als er feststellen musste, dass da lediglich ein einzelner Gegner versuchte ihn in seiner befestigten Behausung zu bedrohen. Mit einem ungläubigen Blick sah er sprachlos zu, wie das Ziegending in die Wand aus schwer gepanzerten Sturmratten preschte, welche ihn abschirmte. Die Leibgarde war genauso verdutzt, hielt aber die Stellung. Die Schwerter des Gehörnten fuhren mit kräftigen Hieben auf die Hellebarden ein und schlugen einige von ihnen nieder. Die Skaven waren jedoch zu zahlreich und für jede niedergeschlagene Hellebarde reckte sich dem Gor eine Neue entgegen. Zwei Sturmratten fielen unter Merrhoks Attacken, aber zu mehr war er allein nicht im Stande. Als sich die Folgen seines kürzlich erlittenen Blutverlustes bemerkbar machten und ihm die Kräfte schwanden, war er lediglich noch in der Lage sich gegen die Angriffe der Ratten zu verteidigen, während diese stetig begannen den sich ihnen bietenden Platz des Raumes zu nutzen und den Gor einzukreisen. Die Lage des jungen Häuptlings wandte sich zusehends zum Schlechteren. Kar-Wiek war schon beinahe soweit das Interesse zu verlieren und sich abzuwenden.


    Gerade als das Schicksal des Ziegendings besiegelt schien, brachen weitere der gehörnten Hünen aus den Schatten jenseits des Eingangs. Kar-Wiek reagierte augenblicklich und wollte seine Untergebenen zur Ordnung rufen, doch das Kampfgetöse war mit einem Mal so laut, dass seine Stimme darin unterging. Die Klan- und Sturmratten, welche eben noch im Begriff waren Merrhok komplett einzukreisen, fanden sich jetzt selbst im Rücken attackiert und wurden ohne große Mühe von der anstürmenden Masse an Gors niedergemacht. Die Ratten quiekten in Angst und das Zentrum der Schlachtreihe wich einen symbolischen Schritt zurück. Die Situation, welche eben noch so klar und eindeutig den Vorteil auf Seiten der Skaven vermuten ließ, drohte plötzlich außer Kontrolle zu geraten.


    Klanratten, welche eben noch durch die Reihen ihrer größeren Brüder nach vorn gedrängt waren, traten nun die Flucht nach hinten an, wurden von den Gors erschlagen und blockierten oder behinderten dabei noch die Kampflinie der Sturmratten. Die Behuften würden den Skaven keine Zeit lassen sich zu ordnen und stiegen über die Leiber erschlagener Feinde, um tief in die Reihen ihrer Gegner zu brechen. Ghorhok hatte den Wahnsinn in den Augen und brüllte wie ein wilder Stier im Blutrausch. Sein Oberkörper wies mehrere Schnitte auf, welche von den Klingen der Hellebarden kommen mochten. Einige hatte er sich wohl auch selbst zugefügt. Er gab eine imposante Figur ab, wie er da auf einem Haufen von Leichen mehrere Köpfe über den Ratten drohend auf sie herabsah und wilde Hiebe an alle austeilte, die es wagten sich ihm entgegenzustellen.


    Die Frontlinie der Sturmratten wankte. Nicht nur hatten sie mit den schweren Hieben der ihnen körperlich überlegenen Gors zu kämpfen, die wilden Bestien warfen auch mit Exkrementen und den Leichen erschlagener Artgenossen nach ihnen. Sie nutzen jede Möglichkeit, um die Ordnung in den Reihen der Elite Skaven zu brechen. Dabei stachelten sie sich untereinander zu wutentbrannter Raserei an und versuchten sich gegenseitig in den Grausamkeiten zu überbieten, die sie dem Feind zufügten. Kar-Wiek musste zusehen, wie die Situation ihm mehr und mehr entglitt. Dennoch sah er sich nicht in der Lage etwas zu tun. Die Distanz zwischen ihm und den Ziegendingern war einfach noch zu groß, als dass er sich ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit hätten versichern können. Wenn sie so weiterwüten würden, sollte das jedoch nicht mehr lange so bleiben und er blickte sich bereits um, ob seine Leibwächter noch an seiner Seite wären. Dann zog er seine Klinge und trat von hinten an den vor ihm knienden Graktar heran.

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  • Kapitel 80 - Außer Kontrolle



    Als Mardugors Krieger sahen, wie ihr Großhäuptling Graktar hinter der feindlichen Kampflinie auf einer erhöhten Position und für Alle sichtbar zu Füßen von Ratten kniete, tobten sie vor Wut. Es war Kar-Wieks Leibwache und seine Klanratten, die für den Frevel ihres Herrn mit Blut und ihrem Leben bezahlen mussten. Die Tiermenschen kämpften unbarmherzig und gewannen langsam aber sicher die Oberhand. So hatte auch Merrhok sich dank des Eingreifens seiner Brüder und Artgenossen wieder ein wenig erholen können. Nun kämpfte er mit neu entfachtem Eifer mit ihnen, Seite an Seite.


    Ghorhok wütete wie ein fleischgewordener Kriegsgott. Abgeschirmt von seinen Kriegern, kämpfte er sich den Weg durch den gegnerischen Klingenwald, um die Sturmratte direkt vor sich mit einem mächtigen Kopfstoß zu Boden zu schicken. Kaum sackte der Skaven zusammen, trampelte Ghorhok mit seinen gewaltigen Hufen über den regungslosen Körper hinweg. Mit dieser Taktik und vollem Körpereinsatz fraß er sich tief in das Herz von Kar-Wieks Leibgarde hinein. Als habe er keinerlei Angst vor Umzingelung, schlug der Häuptling wild um sich und bald war das Chaos in den Reihen der Ratten perfekt. Die eben noch im Rücken der Sturmratten drängenden Klanratten wichen in Angst und Ehrfurcht zurück, als sie den gut sieben Fuß großen, über und über mit dem Blut ihrer Brüder besudelten Gehörnten bei seinem grausamen Mordwerk erblickten.


    Kar-Wiek kreischte Befehle und stachelte die feigen Klanratten dazu an das bronzebewehrte Ziegending mit ihren Speeren abzustechen, so lange sie noch die Gelegenheit hätten. Aber es war wie verhext und die schwächlichen Unterlinge blieben erstarrt stehen um zuzusehen, wie ihr Untergang über sie kam. Der Skaven Häuptling hätte am liebsten aus der Haut fahren wollen und seinen unfähigen Lakaien selbst in die dürren Ratten-Hintern getreten, wenn es etwas geändert hätte. Er wusste nicht ob er weinen oder wüten sollte. Die Situation war einfach zu absurd. Beinahe geistesabwesend griff er nach Graktars Horn und hielt sich gedankenverloren daran fest, als er auf das Trauerspiel herabsah, in welchem seine Untergebenen – gleich nach ihm – eine Hauptrolle hatten.


    Graktar wurde stinksauer. Der Moment, in dem er sich befreien würde, rückte in greifbare Nähe. Das wusste er. Aber nun packte ihn dieses unwürdige Rattenwesen bei seinem Horn? Tiefer, nicht enden wollender Hass sprach aus den Augen des alten Großhäuptlings und er fletschte die Reißzähne. Dabei spannte er seine Muskeln an, um zu prüfen ob ihm seine Glieder auch gehorchen würden, wenn er zum Befreiungsschlag ansetzen würde. Seine Hufe würden ihren Dienst tun, das schien sicher. Seine Arme waren jedoch fest vor seinem Schritt verschnürt und an der Hüfte fixiert. So fest er auch daran zerrte oder die Handgelenke verdrehte, die Fesseln schienen nicht nachgeben zu wollen.


    Kar-Wiek starrte mit irrem Blick in die Meute zu seinen Füßen und er war so mitgerissen und eingenommen von dem Drama, welches sich vor seinen Augen abspielte, dass ihm bereits schäumender Speichel aus den Winkeln seines Mauls floss. Mit entblößten Zähnen griff er fester um das Horn des Großhäuptlings und führte langsam aber bestimmt seine Klinge an Graktars Kehle.

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  • Kapitel 81 - Tot oder lebendig



    Der Bronzehuf war jetzt nur noch wenige Fuß von Kar-Wiek und den beiden Geiseln entfernt. Die Gors fraßen sich wie Feuer durch ein trockenes Feld und nahmen mehr Skaven mit sich in den Tod als sie selbst an Verlusten zu verzeichnen hatten. Kar-Wiek brüllte dem marodierenden Gor Häuptling entgegen ihm zuzusehen, wie er dem einhornigen Ziegending die Kehle durchschneiden würde. Ghorhok vermied den direkten Blickkontakt und konzentrierte sich darauf, die Ratten um sich herum in kleine Stücke zu hacken. Gerade als Kar-Wiek die Klinge zum Schnitt ansetzte, kam Leben in den bislang unbeweglichen Graktar und er biss mit aller Macht auf die Klinge des Skaven. Dieser spürte sofort den Widerstand und versuchte die Klinge zu befreien. Aber so sehr er auch zog und zerrte, er konnte sie nicht lösen. Er blickte hinab auf den verfilzten und über und über mit Wunden bedeckten Gor und stemmte sich mit seinem gesamten Gewicht zwischen dessen Horn und die Klinge. Der Nacken des alten Großhäuptlings war noch immer stark und er gab nur unmerklich unter dem Druck des Skaven nach.


    Graktar spannte all seine Muskeln erneut an und begann langsam – den Ratten-Häuptling noch immer im Nacken und an sein Horn geklammert – sich von den Knien zu erheben. Kar-Wiek spürte, wie er den Boden unter den Pfoten verlor und brüllte Wilde Befehle. "Tötet-tötet sie! Schlachtet sie alle!"


    Gerade als die beiden Sturmratten zur Linken und Rechten von Kar-Wiek zu Werke gehen wollten, kam auch Bewegung in Gurlak. Der noch immer kniende Großhäuptling warf urplötzlich sein schweres Haupt nach hinten und die Rattenleibwache in seinem Rücken erstarrte unter einem schrillen Quieken, einen Ausdruck des Entsetzens auf dem Gesicht. Eines der langen und scharfen Hörner hatte sich tief in den Bauch des Nagers getrieben und förderte nun helles Blut und Gedärm zu Tage. Gurlak zögerte keine weitere Sekunde und kämpfte sich so schnell er konnte in den Stand hoch. Hier und jetzt müsste er selbst entscheiden ob er leben oder sterben würde und auf den Knien zu sterben, entsprach ganz und gar nicht seiner Vorstellung von Tod eines Herdenführers. Sein Puls begann zu rasen und sein Organismus versuchte mit aller Gewalt die Drogen, welche ihm verabreicht worden waren, aus seinem Organismus zu treiben. Sein Kopf hämmerte und seine Sicht war noch immer nicht vollkommen klar. Aber er würde keine Zeit haben, darauf zu warten, bis er wieder auf der Höhe wäre. Also stemmte er sich mit aller Macht hoch und auf seine Hufe, während er seinen dröhnenden Bocks-Schädel, mit den langen Hörnern, gefährlich umherkreisen ließ.


    Auch Graktar war mittlerweile auf den Beinen und warf sich gegen die Wache hinter sich. Kar-Wiek hielt sich noch immer am Horn sowie der Klinge fest und wurde unmittelbar zwischen Graktar und der Sturmratte eingekeilt. Die nahestehenden Treiber versuchten den beiden Hünen mit Hieben ihrer Peitschen Einhalt zu gebieten, aber die oberflächlich gerissenen Wunden schienen die Gors nur noch wütender und in keiner Weise gefügiger zu machen. Angesichts der wachsenden Bedrohung für Leib und Leben, entschlossen sich die Meutenbändiger für das Leben und versuchten im Getümmel zu verschwinden.


    Ghorhok hatte sich nun unmittelbar zum Fuß des – aus aufgetürmtem Erdreich bestehenden – Podestes durchgekämpft und streckte gerade noch zwei Skaven mit seiner grobschlächtigen Axt nieder, als er vor sich, auf der Erhöhung, seinen Großhäuptling erblickte. Der Gor, den er – lebend oder tot – zu seiner Herde zurückzubringen geschworen hatte. Der Gor, welcher ihn vor den Augen seiner Krieger in den Staub geschickt hatte, als er seine Ehre zu verteidigen gedachte. Ghorhok zögerte kurz, atmete tief ein, griff fest um den in Lederriemen gebundenen Schaft seines Beils, nahm Maß auf seinen Herrn und schlug zu.


    Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Gurlak ragte stolz und unbeweglich über der Masse an kämpfenden und sterbenden Leibern unter sich auf. In diesem Augenblick strahlte er, trotz seiner innerlichen Zermürbung, wahre Macht aus und war durch seine zur Schau getragene Souveränität der buchstäbliche Fels in der Brandung. Sein emotionsloser und kalter Blick traf den von Ghorhok und schien mehr zu sagen als tausend Worte es je könnten. Im nächsten Moment fand die Axt des Bronzehufs ihr Ziel und biss tief.

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  • Da ich soeben in Arthurius' Thread von deiner Enttäuschung über mangelnde Resonanz gelesen habe, sei hiermit erklärt, dass es sich (in meinem Fall) nur um die Ehrfurchtsstarre handelt, die deine Kreativität (Qualität) und Produktivität (Quantität) beim Schreiben auslöst! Ganz großes Lob für die spannende Geschichte, die gut rübergebrachte Stimmung und die Charaktere, die einem ans Herz wachsen (auch wenn man möglichst viel Abstand zwischen ihnen und ebendiesem halten möchte... :/ ) :D


    Das also sind diese Tage, an denen man zuhause sitzt, Bier direkt aus der kaputten Kaffeemaschine trinkt und wartet, dass es regnet, damit man endlich raus kann. - Horst Evers

  • Vielen lieben Dank, Marghor! :hihi:


    Das ging runter wie Öl und ich freu mich, dass Dich die Story noch immer begeistern kann!

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  • Kapitel 82 - Mit allen Mitteln



    Das Axt-Blatt glitt durch die Stricke wie ein heißes Messer durch Butter. Gurlak sah wie das Seil, welches um seine Hüfte lag, zu Boden fiel und breitete seine Arme aus. Dann ließ er einen langen, kehligen Schrei ertönen, welcher die Rote Wut in seinen Verbündeten weckte und Furcht in die Herzen seiner Feinde trug. Die Gors zu seinem Hufen tobten und wüteten unter den Ratten. Unmittelbar hinter Gurlak wälzten sich Graktar und Kar-Wiek am Boden, unter ihnen begraben eine perplexe Sturmratten-Wache. Der glücklose Skaven Häuptling bekam Graktars gesamtes Gewicht zu spüren. Nur seinem Leibwächter ging es noch schlimmer. Denn der hatte, wohl oder übel, die geballte Gesamtlast von Freund und Feind zu erdulden.


    Graktar rollte sich vom Rücken auf den Bauch. Einige der Nähte an seinem Unterleib waren unter der Anstrengung gerissen und die Wunden begannen erneut zu bluten. Er durfte sich davon jedoch nicht aufhalten lassen und verbiss sich den Schmerz, so gut es ging. Immerhin bekam er so einen halbwegs klaren Kopf. Außerdem bedeuteten die hämmernden Qualen immerhin, dass er am Leben war. Und es lag einzig in seiner Verantwortung, dafür zu sorgen, dass dies auch so bliebe. Als er sich vom Boden nach oben stemmte, machte er einen Satz auf die beiden Skaven zu und rammte dem noch immer nach Luft ringenden Kar-Wiek die Spitze der eigenen Klinge – welche der alte Gor die ganze Zeit zwischen seinen Zähnen hatte – in die Schulter.


    Kar-Wiek schrie auf und wälzte sich in Embryonalstellung zur Seite weg. Die unter ihm liegende Sturmratte rang indessen nicht weniger nach Atem, schaffte es aber dennoch irgendwie den schweren Schaft seiner Hellebarde nach oben zu reißen. Er traf Graktar seitlich am Schädel und der massige Gor knurrte wütend, als ihm Kar-Wieks Skaven-Klinge aus dem Maul fiel und mit einem hell klirrenden Geräusch auf dem Boden landete. Nun hatte der Leibwächter seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Großhäuptling richtete sich gänzlich auf und sein hasserfüllter Blick ließ für keine Sekunde von dem am Boden liegenden Skaven ab. Dieser versuchte sich unter angsterfülltem Blick und quietschenden Geräuschen aufzurappeln, bekam aber Grakatrs Huf in den Bauch. Der nächste Tritt traf ihn am Kopf und der Helm der Sturmratte flog davon, um mit einem Scheppern in einer der Ecken des Raumes zu landen. Der alte Gor stieg über die blutende Ratte und trat kräftig zu. Ein, zwei, drei Mal.


    Als Graktar seine Wut abreagiert hatte bemerkte er, dass der Skaven Häuptling – mit dem er noch eine ganz eigene Rechnung zu begleichen hatte – sich aus dem Staub gemacht zu haben schien. Er blickte sich um, konnte die Ratte aber nirgendwo ausmachen. Und da es an diesem Ende des Raumes keinerlei Aus- oder Durchgang gab, musste er wohl im Getümmel des Kampfes untergetaucht sein. Graktar stieg, unter Schmerzen und mit einem beinahe unerträglichen Hämmern im Schädel, wieder auf die Anhöhe und warf einen Blick hinab auf den Ort des Gemetzels.

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  • Dann bring ich auch mal meine Hochachtung zum Ausdruck. Du schreibst einfach sehr gut. Es ist flüssig, stimmig und die Geschichte weiß nicht nur zu gefallen sondern auch zu fesseln. Ich schaue jedesmal rein, ob hier was neues steht. Hoffentlich gehts weiter so.

  • Dann bring ich auch mal meine Hochachtung zum Ausdruck. Du schreibst einfach sehr gut. Es ist flüssig, stimmig und die Geschichte weiß nicht nur zu gefallen sondern auch zu fesseln. Ich schaue jedesmal rein, ob hier was neues steht. Hoffentlich gehts weiter so.

    geht mir auch so, es dürfte ruhig ein bischen schneller voron gehen mit der geschichte, danke dir.