Herdenstein - KFKA, Diskussionen, Heerschau und Geplauder

  • Kapitel 16 - Blut und Tränen



    Gurlak entfuhr ein gewaltiges und markerschütterndes Brüllen. Die rote Wut stieg aufs Neue in ihm auf. Seine Nüstern und Lippen bebten unter dem Dröhnen seines Schreies. Weder wollte er, dass seine besten Krieger sich unmittelbar vor einer Schlacht gegenseitig zerfleischten, noch konnte er zulassen, dass sie sich in so einer Situation durch Rangkämpfe vor Aller Augen aus seinem Schatten erheben würden.


    Von einem Moment auf den Anderen hatte er die ungeteilte Aufmerksamkeit der Herde. Es waren in erster Linie Angst und Ehrfurcht, die den Blick der Behuften von Ghorhok und Hurrlok lösten und hin zu Gurlak lenkten. Lediglich die beiden Streithammel starrten sich weiterhin unverwandt und geistesabwesend gegenseitig in die Augen. Sie schienen sichtlich unbeeindruckt von Gurlaks Machtgebärde. Wutentbrannt stapfte der Großhäuptling auf die Beiden zu, seine zwei Handäxte fest umklammert. Als Ghorhok und Hurrlok selbst auf halber Strecke keine Anstalten machten voneinander abzulassen oder auch nur im Ansatz Respekt vor ihrem Anführer zu zeigen, schleuderte dieser die Axt in seiner Rechten in Richtung der Beiden. Mit dem schmatzenden Geräusch feuchter Erde und dem Kratzen kleiner Steine grub sich das krude Beil tief in den Boden zu Füßen der störrischen Emporkömmlinge.


    Hurrlok zuckte nur kurz und unmerklich angesichts dieser unerwarteten Reaktion von Seiten seines Herrn. Das Nächste was er wahrnahm, war das Blatt von Gurlaks zweiter Axt, welches mit der flachen Seite in sein Gesicht schmetterte und ihn unsanft zu Boden schickte. Er schluckte zwei seiner Zähne und blieb ohnmächtig liegen. Ghorhok bekam Gurlaks Huf direkt in den Bauch. Der Bronzepanzer fing einen Großteil der Wucht ab, aber dennoch knickte er ein. Genug, um mit seinem nach vorn schnellenden Gesicht ein ideales Ziel für einen Kopfstoß von Gurlaks mächtigem Schädel zu werden. Knochen knackten und Ghorhok schossen Tränen in die Augen. Seiner Sicht und dem Gleichgewicht beraubt, hatte er seinem Herrn nichts mehr entgegenzusetzen. Gurlak trat ihm seitlich gegen das Knie, sodass er zusammensackte und ließ auch ihn die flache Seite seines Axtblattes schmecken. Es war schneller vorbei als es begonnen hatte.

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  • Kapitel 17 - Aufbruch



    Das Lager war wieder in emsige Geschäftigkeit verfallen, um den bevorstehenden Abmarsch vorzubereiten. Ein großer Teil der Herde hatte dem eben auf abrupte Weise beendeten Gewaltexzess beigewohnt und versuchte nun beflissentlich darüber hinwegzuspielen, dass hier zwei angesehene Krieger der vereinten Herden im Staub zu ihren Füßen lagen. Keiner wollte dabei ertappt werden allzu intensiv zu starren. Über all dem stand Gurlak, welcher noch immer tief schnaufend ein- und ausatmete. Niemand wagte es, seine Blicke zu erwidern. Die Ungors, welche er heranrief, näherten sich unterwürfig und mit gesenkten Häuptern. Ihnen fiel die Aufgabe zu, bei den beiden ohnmächtigen Gors zu bleiben, bis diese wieder zu sich kämen. Danach würden sie gemeinsam zur Marschkolonne aufschließen, da Gurlak keinesfalls auf sie warten würde. Die Ungors warfen sich angesichts dieser Anweisung unsichere Blicke zu. Keiner von ihnen wollte sich den Zorn der erwachenden Gors zuziehen. So etwas wie eine Wahl hatten sie in dieser Sache jedoch nicht.


    Fhirghaz hatte eine Wahl. Die Wahl, bei seiner eigenen Herde zu bleiben und mit ihnen den Marsch nach Norden anzutreten oder sich den Bestigors anzuschließen, welche sich aus den Häuptlingen und Elite Kriegern der anderen Stämme zusammensetzten. Da er mit Letzteren Seite an Seite in der Schlacht kämpfen würde, konnte es nicht falsch sein, sich mit ihnen vertraut zu machen. Verbrüderte Krieger standen schließlich enger zusammen. Auf der anderen Seite war es nicht ganz ungefährlich seine Herde unbeaufsichtigt zu lassen. Es war stets wichtig die Zügel fest in der Hand zu behalten, denn eine Herde hielt sich nicht von allein zusammen. Sie folgte nur dem, von dessen Fähigkeiten sie überzeugt war. Ein Häuptling musste Angst in den Herzen von Freund und Feind erzeugen können, genauso wie er gerissen genug sein musste um sein Gefolge in die richtige Schlacht zu führen, sie zu lenken und zusammenzuhalten, auf dass sie auch wieder daraus zurückkehre. Hinter jedem Häuptling, der dies nicht vermochte, standen bereits sechs neue Emporkömmlinge, um seinen Platz an der Spitze der Herde einzunehmen. Der erste Fehler konnte schnell der letzte sein.


    Wie Ghorhok war auch Fhirghaz zu spät auf der Versammlung erschienen, um am Kampf der Häuptlinge teilzunehmen, und so zum Großhäuptling aufsteigen, zu können. Nach den Strapazen des Weges, aus dem fernen Bretonia, musste er seiner Herde nun wenigstens die Aussicht auf einen erfolgreichen und lohnenden Beutezug bescheren. Das war das Mindeste was er tun konnte, um ihr Wohlwollen und ihre Treue zu behalten. So entschloss er sich also dazu, bei seiner Herde zu bleiben und das was an Bindung da war so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. Zumindest so lange, bis sich eine bessere Gelegenheit ergab um den Platz einzunehmen, der ihm seiner Meinung nach zustand. Aber dazu gehörte, neben brutaler Gewalt, Schläue und dem Sinn für das richtige Timing, eben auch Geduld. Eine Tugend, die vielen Häuptlingen fehlte und ihnen somit ein frühzeitiges und meist blutiges Ende bescherte. Fhirghaz zog vor es ihnen nicht gleichzutun.


    Kwurhgor war froh Bhorgaz nicht mehr in den Reihen seiner Herde zu haben. Nicht nur hatte er ein gefräßiges Maul weniger zu stopfen, auch war die Stimmung unter den Gors viel entspannter geworden. Zumindest für den Augenblick. Das Schlangenauge hielt sich jetzt fast ausschließlich in Gurlaks Nähe auf. Es war eindeutig, dass er die Nähe zur Macht suchte. Aller Wahrscheinlichkeit nach ging es ihm nur darum, nicht um den Gor hinter dem Titel. Denn im Zweifelsfall würde er sich wohl genauso kurzentschlossen an einen neuen Großhäuptling hängen, wie er es bereits bei Gurlak getan hatte. Die neuerliche Distanz zu diesem Kriecher fühlte sich für Kwurhgor richtig und befreiend an. Er konnte es kaum erwarten sich endlich wieder dem zuzuwenden, weshalb er hier her gekommen war. Mordwerk, Raub und reiche Beute. Mit etwas Glück würden sie noch über ein oder zwei Siedlungen der Menschen stolpern, bevor sie endgültig das Herz des Drakenwaldes betreten würden. Aber dessen war er sich fast sicher. Immerhin hatte Gurlak Verantwortung dafür, viele hungrige Mäuler zu stopfen. Und auch die Mordlust seiner Gefolgschaft wollte hin und wieder befriedigt werden, bevor es in die große Schlacht ging, zu deren Zweck sie sich zusammengefunden und auf dem Weg begeben hatten.

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  • zu lange musste ich schweigen, weil ich mit dem Lesen nicht hinterher kam.


    Es wird spannendender. Was für mysthische Rituale mögen da im Zelt passiert sein? Ist gegrilltes Fleisch minderwertiger?


    Was passiert mit ausgemusterten Häuptlingen? Wir es regnen?


    Schreibe er weiter! Wir wollen amüsiert werden!

  • Kapitel 18 - Weiter in die Dunkelheit



    Zwei Tage später war die Landstraße von Altdorf nach Middenheim überquert, zwei kleinere Siedlungen dem Erdboden gleichgemacht und die Herden befanden sich im Herzen des Drakenwaldes, ohne allzu viel Aufsehen erregt zu haben. Der erhoffte Regen war gefallen, wie von den Schamanen prophezeit und hatte alle Spuren in einem Meer aus Matsch und Schlamm versinken lassen, nachdem die Herden die kritische Stelle passiert hatten. Niemand würde ihre Fährte nun noch finden. Zumindest ging Gurlak davon aus.


    Sie waren jetzt in Morghurs Reich. Der Wald schien erst etwas weniger dicht zu sein als er es noch im Süden gewesen war. Der mächtige Laub- und Nadelbaumbewuchs war langsam aber sicher dem von Birken gewichen. Während man mancherorts sehr weit sehen konnte, waren die Bäume an anderen Stellen eigenartig deformiert und verwachsen. Einige von ihnen schienen sich gar wie lebende Wesen zu bewegen, wenn man nur einen Moment nicht hinsah. Und nicht nur die Bäume machten den Eindruck sich für die Neuankömmlinge zu interessieren. Neben Ungor Spähern anderer Stämme, sichteten die Herden auf dem Marsch auch immer wieder Bruten, Mutanten und alle Arten von Monstern. Weit mehr und verzerrter in ihrer Erscheinung als die Behuften es aus ihrer jeweils eigenen Heimat gewohnt waren. Das Reich des Schädelmeisters war in der Tat vom Chaos berührt.


    Gurlak war zufrieden. Sie hatten, trotz der zunehmenden Belastung durch den Regen für die Wagen, gute Fortschritte gemacht. Zudem hatte sich die Spannung innerhalb der Herden etwas gelegt. Bereits die kurzweilige Abwesenheit von Ghorhok und Hurrlok war heilsam für seine Kriegsherde. Die beiden Häuptlinge hatten, mit einem Großteil der für sie hinterlassenen Ungor Späher, nach knapp einem halben Tag wieder zur Herdenkolonne aufgeschlossen. Seitdem waren sie zwar noch immer etwas ungehalten, aber ruhig. Gurlak hatte seinen Standpunkt klargemacht und seine Stellung behauptet, vorerst.


    In diesem Wald würden die Herden ohne eine starke Führung nicht lange geeint bleiben und ohne diese Einheit wäre es auch mit der relativen Sicherheit vorbei, in der sie sich im Moment noch wähnen durften. Denn nicht nur waren die Monster und Mutanten hungrig, auch die Umwelt wurde zunehmend lebensfeindlicher. Die Schamanen spürten starke Konzentrationen von Warpstein im Boden. Und wo Warpstein war, da fanden sich vor Allem auch Skaven. Unmengen dieser Rattenmenschen mochten hier aktiv sein, um sich die Vorkommen an Warpstein anzueignen.


    Je weiter die Herden den verborgenen Wegen der Jagdgründe folgten, desto mehr Ungors tauchten nach und nach aus dem Unterholz auf. Viele von ihnen schienen sich wortlos der Kolonne anzuschließen. Zumindest suchten sie die Nähe der Ungors, welche unter dem Kommando von Gurlaks Häuptlingen standen und marschierten Seite an Seite mit ihnen. Wahrscheinlich hofften sie in Folge der bevorstehenden Auseinandersetzung Beute machen zu können. Und ihre Auseinandersetzung sollten sie bekommen...

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  • Kapitel 19 - Karnivore



    Merrhoks Welt war komplizierter geworden. Seitdem er Shargahs Anweisungen befolgte und kein rohes Menschenfleisch mehr fraß, stellte er sich Fragen und dachte Gedanken, die ihm vorher nie in den Sinn gekommen wären. Ganz und gar in sich gekehrt fragte er sich, 'Warum?'. 'Weil du dein Gehirn benutzt', entgegnete Shargah wie aus dem Nichts. Merrhok starrte den alten Schamanen einen Moment lang geschockt und sprachlos an. 'Hat er meine Gedanken gelesen?', ging es ihm durch den Kopf. Shargahs lange, in eine schwarze Haube gehüllte Bocksschnauze schien zu lächeln.


    Nach wenigen Schritten sprach er weiter, 'Dein Körper erlebt einen Energieüberschuss.' Merrhok blickte ihn fragend an. 'Die Energie, welche Dein Körper früher zum Verdauen von rohem Fleisch benötigt hat, steht ihm nun zur freien Verfügung. Gebratenes Fleisch kann viel leichter verwertet werden. Das Braten ist eine Art der Vorverdauung.' Merrhok runzelte die Stirn als die Worte des Schamanen in sein Bewusstsein sickerten. 'Die Energie, welche dein Verdauungstrakt einspart, steht jetzt deinem Gehirn zur Verfügung. Es kann sich entfalten, sich entwickeln. Es öffnen sich Türen, die vorher verschlossen waren.' Merrhok stapfte schweigend aber aufmerksam lauschend neben dem Schamanen her. 'Deshalb grübelst du so viel. Für deinen Geschmack zu viel, ich weiß. Aber es ist der Vorteil, den du den anderen voraushast.'


    Merrhok hob den gehörnten Kopf und fragte, 'Und die rote Wut?'. 'Die rote Wut, ja. Nun, sie rührt vom Menschenfleisch her', erwiderte Shargah. 'Es ist unserem eigenen Fleisch in seiner Substanz sehr ähnlich, so ungern das die meisten unter uns auch zugeben wollen würden. Sein Konsum weckt die rote Wut in uns. Ohne das Menschenfleisch jedoch, bleibt dein Geist klar.' 'Aber ohne sie bin ich schwach', unterbrach ihn der junge Häuptling. 'Wie soll ich denn so gegen einen rasenden Gegner, wie Großhäuptling Gurlak, bestehen?'


    Shargah schwieg eine Weile, bevor er antwortete, 'Du bist nicht schwach. Du bist klar im Geist. Der Nebel der roten Wut verklärt deinen Blick auf die Dinge nicht mehr. Rational bleiben, so nennt sich das. Du musst nur erkennen lernen, dass du sehen kannst wo andere blind sind. Darin liegt deine Stärke. Das ist einer der Schlüssel zu deinem Erfolg.'


    'Hm, ich verstehe', entgegnete Merrhok. 'Nein, tust du nicht.', ging es dem Alten durch den Kopf, während er ruhig und emotionslos neben dem jungen Caprigor herlief. 'Noch nicht... ... ... aber bald.'

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  • Kapitel 20 - Falsche Fährte



    Nur wenig später erzählte Merrhok davon, dass er seit der Versammlung einen neuen Schatten habe. Dabei blickte er sich immer wieder misstrauisch um, als könne er sich selbst in Momenten wie diesem nicht sicher sein frei sprechen zu können. Shargah versicherte ihm, dass Bhorgaz in diesem Augenblick nicht an ihren Huften klebe und seine Aufmerksamkeit auch sonst für absehbare Zeit eher zurückhaltend sein würde. Auf Nachfragen des jungen Häuptlings erzählte ihm der Alte, wie das Schlangenauge ihm unlängst gefolgt sei, als er zum Fressen ins Zelt gekommen war. Den darauf folgenden sprachlosen Blick Merrhoks beantwortete Shargah damit, dass er sich keine Sorgen machen solle. Bhorgaz habe zwar gesehen, was im Zelt vor sich gegangen sei, aber davon wisse er nichts mehr. Vielmehr sei er davon überzeugt, dass sie beide in Blutrituale verstrickt seien, bei denen Ungors zur Ader gelassen würden. Der anfangs geschockte Blick des Häuptlings verwandelte sich mit jedem Satz des alten Schamanen mehr und mehr in ein großes Fragezeichen, dann – langsam aber sicher – in einen ruhigen, zufriedenen Ausdruck. Auf die Frage hin, ob der Zauber irgendwann schwinden würde, meinte Shargah, dass es sich nicht um einen Zauber an sich handele. Vielmehr sei er im Bhorgaz‘ Kopf gewesen und habe die Dinge ein wenig neu geordnet. Ohne dass ein fähiger Schamane ganz gezielt danach suchen würde, wäre es ganz und gar unwahrscheinlich, dass ein solcher Eingriff entdeckt oder gar rückgängig gemacht werden könne. 'Dann sind wir also nicht mehr im direkten Fokus des Schlangenauges. Und unser Großhäuptling hat sowieso gerade mehr als genug mit ganz anderen Emporkömmlingen zu kämpfen', kam es Merrhok beinahe geistesabwesend über die Lippen. Im nächsten Moment fragte er sich stirnrunzelnd, wie wohl diese fremdartigen und neuen Begriffe in seinen Kopf gekommen sein mochten.


    Zur gleichen Zeit stieß eine Rotte Ungor Späher, welche der Hauptgruppe knapp einen halben Tag voraus war, auf beunruhigende Spuren.

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  • Kapitel 21 - Einer unter Vielen



    Brak spürte eine Art undefinierbares Prickeln in seinen Fingerspitzen. Irgendetwas ging hier vor sich. Er war schon immer gut darin zu spüren, wenn etwas im Gange war oder irgendwie nicht stimmte. In Begleitung einer kleinen Herde Gors und zwei Gruppen von Spähern war er dem Hauptheer ein wenig voraus. Brak konnte nicht genau sagen wieso, aber tief in seinem Inneren fühlte es sich an, als würde sich eine große unüberwindliche Wand vor ihnen auftürmen. Nicht aus Stein, sondern aus einer Art schwarzer, teerartiger Masse. Unüberwindlich und unbarmherzig walzte sie langsam, sehr langsam, auf ihn und seine Gors zu. Seine Blick flackerte und er stand unbeweglich da. Im nächsten Moment war das Bild vor seinem geistigen Auge verschwunden. Weg, wie von einer sanften Brise davongeweht. Der Wald lag ruhig und friedlich. Vereinzelt waren Vögel in den Bäumen zu hören. Nichts deutete auf unmittelbare Gefahr hin. Dann traf sein Blick auf den eines einzelnen, mit einem Speer bewaffneten Ungors, welcher ihn unruhig zu beäugen schien. 'Hatte er es auch gespürt?' Brak blinzelte, schüttelten kurz den Kopf, wie um den Gedanken abzustreifen, und fiel erneut mit seiner Gruppe in einen behutsam vorwärts gerichteten Schritt.


    Sein ganzes Leben lang hatte er immer wieder diese Momente des 'Sehens', wie er es nannte. Er sprach jedoch nie mit seinen Artgenossen darüber, in der Angst dadurch weniger zu gelten. Brak wollte Teil der Herde sein. 'Anders' zu sein machte ihm Angst. Er war, nachdem er die Territorien der Weibchen verlassen musste, als Krieger erzogen worden und hatte dies nie in Frage stellen wollen. Wenn er seinen metallenen Bauchpanzer anlegte, spürte er wie diese Momente des Sehens weniger wurden und oft ganz ausblieben. Das Anlegen seiner Rüstung wurde für ihn zum Ritual, welches ihn zu dem transformierte, was er sein wollte. Dann wusste er, dass er ein Krieger war und sein Fokus lag ausschließlich auf seiner wuchtigen Zweihandaxt und dem erbitterten Kampf mit seinen Feinden. Darin war er nie über die Maßen herausragend gewesen, aber er war gut genug um als einer der vielen Gors in der Masse der Herde zu gelten. Und genau da fühlte er sich wohl. Da wollte er sein.

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  • ui spannend! Ein heinlich homosexueller Gor, der gegen seine eigenen Triebe kämpft?

    Kann man so sehen. :) Er ist eigentlich ein Gor mit schamanischen Fähigkeiten, welche immer unterdrückt wurden. Er kann nicht dazu stehen und versucht lieber in der Masse auf-(oder unter-)-zugehen als sich einzugestehen, dass er anders ist. (Parallelen zu unserer Gesellschaft sind nicht rein zufällig.)



    Lebensmittelkunde nebenbei eingeflochten, top !

    Danke!



    Was ist mit den Territorien der Weibchen gemeint?

    Weibliche Tiermenschen. Sie leben in gesonderten Territorien, versteckt in den Tiefen der Wälder, und autark von männlichen Artgenossen. Im Gegensatz zu den Böcken sind sie weder sonderlich blutrünstig, aggressiv noch extrovertiert. Sie leben im Verborgenen und lassen die Männchen nur während der Paarungszeit in ihre Territorien. Danach trennen sich die Wege der Geschlechter wieder. Mit Einsetzen der Geschlechtsreife müssen Männchen die Herden der Weibchen verlassen und werden in die feindliche Welt entlassen. Dort schließen sie sich Herden der Männchen an und finden ihren Platz in der Hierarchie der Tiermenschengesellschaft. Ausgesetzte Kinder und Dergeleichen wachsen in der Regel bei den Weibchen auf, bis auch sie alt genug sind.

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  • Ein Caprigor mit steigender Intelligenz und ein latenter Psyker eh Schamane...



    Letzterer erinnert mich an end Times grimgor...



    Aber: mehr mehr mehr Geschichte!

    Ninth Age Playtester =]


    i know things and i don't drink ;)

  • Kapitel 22 - Kontakt



    Im Herzen des Drakenwaldes knisterte und knackte es als sei ein Waldbrand ausgebrochen. Das Splittern der am Boden liegenden Äste und Zweige rührte von unzähligen Hufen her, welche durch das Unterholz trampelten. Die dichte Decke aus Moosen und Gräsern schluckte den Großteil der Geräusche. Dennoch war weithin ein unterschwelliges Dröhnen zu vernehmen.


    Die bis eben noch mit dem Fährtenlesen beschäftigten Ungor Späher erstarrten in Unsicherheit und dem Aufkommen von Panik. Was sie da wahrnahmen, war nicht ihr eigenes Heer. Das gedämpfte Trappeln kam direkt von vorn und bewegte sich zunehmend in ihre Richtung. Es war nicht groß und allein, kein umherziehendes Monstrum also. Das waren mehrere Wesen und ihr Tritt klang verdächtig vertraut. Es waren Hufe, viele Hufe!


    Die Ungors warfen sich fragende Blicke zu, als plötzlich einer von ihnen von einem schwarz gefiederten Pfeil getroffen zu Boden ging. Der Schaft des Geschosses steckte tief in seinem Hals und mit weit aufgerissenen Augen in den Waldhimmel starrend, verendete er ächzend und hustend an dem Blut, welches rasch seinen Rachen und die Lunge füllte, bis er reglos liegen blieb. Es war ein einsames Ende. Denn kaum war der Unglückliche auf dem Waldboden aufgeschlagen, da hatte der Rest der Rotte sich schon umgewandt und eilends den Rückzug in Richtung ihrer Herde angetreten. Sie liefen so schnell sie ihre Bocksbeine trugen und schauten nicht zurück. Sie mussten die Anderen so rasch wie möglich warnen und nicht zuletzt wollten sie überleben.

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  • Kapitel 23 - Die Söhne des Utu



    Wie auch ihre Artgenossen im Süden, wandte sich ein Teil der Ungor Späher der anderen – aus dem Norden kommenden – Seite ihrer Herde zu, um Bericht zu erstatten. Sie hatten jedoch einen ungleich kürzeren Weg, da Teile ihres Heeres bereits in unmittelbarer Nähe zu ihnen waren. Bereits nach wenigen Minuten sahen sie die ersten der ungewöhnlich dunkelhäutigen Gors durch das Dickicht streifen und gaben sich unmittelbar zu erkennen. Aus den Reihen dieser, mit Schilden und kruden Handwaffen gerüsteten, Krieger trat ein mächtiger Caprigor hervor, dessen breites Haupt eine Vielzahl von ineinander verschlungenen Hörnern krönte. Ebenso wie seine Gors war auch er bereits voll zum Kampf gerüstet und trug eine mächtige, reich verzierte und schwer wirkende Bronzerüstung, welche den Großteil seines Körpers bedeckte. Sein Name war Mardugor, Kalb des Utu. Bewaffnet war er mit einer seltsam bemalten, bronzefarbenen Klinge, welche aussah als stamme sie ursprünglich aus dem Besitz eines Ork Kriegers, und einem hölzernen Rundschild, an welchem eine Vielzahl von Fetischen und Trophäen befestigt war. Direkt hinter ihm lief ein Gor mit einer Bannerstange, an deren Kopfende eine üppige Lederhaut aufgespannt war. Darauf prangten das Antlitz eines Bockes und diverse Runen der Dunklen Sprache. Das Gebaren des Häuptlings war jenes eines großen und unangefochtenen Kriegers. Sein langes aschblond gefärbtes Haar ragte unter seiner Maske hervor und wehte in der leichten Brise, welche den bestialischen Gestank seiner Anhänger mit sich trug. Jede seiner Bewegungen strahlte Selbstsicherheit, Bestimmtheit und Macht aus.


    Das für die Region ungewöhnliche Äußere der Gors, mit ihren exotisch geflochtenen Bärten und fremdartigen Schmuckornamenten, rührte von ihrer Herkunft her. Sie kamen ursprünglich, zusammen mit ihrem Häuptling, aus den fernen Ländern südöstlich der Düsterlande. Ihre Heimat hatten sie in Folge einer schamanischen Vision und dem damit verbundenen Machtumsturz der lokalen Autorität verlassen. Dort galten sie als Nachkommen eines Gottes und man nannte sie die Söhne des Utu. Hier, im Middenland, hatten sie nun ein neues Jagdrevier für sich gefunden und lebten in losen Bündnissen mit lokalen Stämmen des Drakenwaldes. Viele von deren Bray und Ungors dienten ihnen zeitweise als Fährtenleser und Untergebene.


    Einer der zurückgekehrten Späher näherte sich völlig außer Atem und mit gesenktem Haupt der Gruppe von furchteinflößenden Gors. Er ging direkt vor dem mächtigen Bestienherrscher auf die Knie und berichtete vom Kontakt mit einer kleineren Gruppe seiner Artgenossen, welche wohl die Vorhut einer größeren Herde sein mochten. Mardugor schwieg. Seine Miene blieb starr wie die einer gemeißelten Statue und er würdigte den Späher keines weiteren Blickes. Dann raunzte er einen kurzen aber harschen Befehl in die Reihen seiner Gors und wandte sich ab. Unmittelbar darauf machte sich einer seiner Krieger auf den Weg in Richtung Norden, von wo das kontinuierlich dumpfe Dröhnen der Hufe seiner Brüder zu vernehmen war. Der Rest der Gruppe stellte sich breit gefächert auf und erwartete, dass das Heer zu ihnen aufschloss um die endgültige Kampfformation einzunehmen. Das Aufeinandertreffen mit dem Feind stand unter Umständen unmittelbar bevor und war nur noch eine Frage der Zeit.

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  • Kapitel 24 – Ruhe vor dem Sturm



    Brak sah sein ungutes Gefühl sofort bestätigt, als zwei Ungors in Panik und völlig erschöpft vor ihm und seinem Spähtrupp durch das Unterholz preschten. Sie berichteten schnell und so gut sie konnten. Ihrer Vermutung nach handelte es sich sicher um gut vier bis fünf Dutzend Krieger auf dem Vormarsch in ihre Richtung. Brak gab unmittelbar Befehle die Herde zu kontaktieren und Kampfbereitschaft herzustellen. Seine Gruppe würde an Ort und Stelle bleiben, um die Marschgeschwindigkeit des Feindes auszuloten. Sobald sie Kontakt hätten, würde seine Rotte sich ebenfalls zurückziehen um zusammen mit dem Hauptheer zu kämpfen. Drei seiner Ungors machten sich unverzüglich auf den Weg.
    Brak umfasste seine Axt mit beiden Händen, hob den Schaft an seine gesenkte Stirn und sprach ein kurzes Stoßgebet an seine Götter. Dann fiel sein Blick auf die beiden Späher, welche noch immer völlig außer Atem auf allen Vieren vor ihm auf dem Waldboden kauerten. Er wies seine ausgeruhten Plünderer an sich im Gelände zu verteilen. 'Keine lauten Geräusche!' Sobald Hör- oder Sichtkontakt bestünde, sollten sie sich sofort unauffällig zurückziehen und ihn über alles in Kenntnis setzen. Die Ungors nickten einhellig und begannen umgehend damit, sich im halb geduckten Gang im Unterholz auszubreiten.


    Der Wald bot hier nicht sehr viele Möglichkeiten sich zu verbergen. Die Bäume standen weder sehr dicht noch gab es Felsen, welche groß genug gewesen wären, um einer ganzen Gruppe Deckung zu gehen. Brak schaute sich um. Er konnte seine Rotte nicht einfach im offenen Gelände stehen lassen. Also wies er sie an sich ebenfalls in Sicht- und Hörweite zu verteilen und so gut es ging verborgen zu bleiben. Er hasste es hier untätig zu warten. Aber es war wichtig einschätzen zu können, wie schnell sich der Feind bewegen und an ihrer Position sein könnte. Somit hätten sie die Möglichkeit ihrer Herde den Zeitpunkt des Aufeinandertreffens so exakt wie nur möglich vorherzusagen. Und wenn sie bei ihnen einträfen, so wären alle – dank seiner Vorwarnung – bereits zum Kampf gerüstet und in Formation angetreten. Er wünschte nur, er wäre bereits bei ihnen und das nervenaufreibende Warten hätte ein Ende. Aber das Schicksal war selten gnädig und so lag er hier im Laub es Waldes, das Gesicht unmittelbar über dem Boden, dicht neben einem Birkenstamm und die Augen angestrengt in die Ferne gerichtet. Noch war alles ruhig.

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  • Kapitel 25 - Gorlord (Rise and fall) II



    Im Norden erschallten Kriegshörner als sich die Blutmähnen und Blutbärte, Gor Krieger des großen Bestienhäuptlings Ghoron Bluthand, mit den Söhnen des Utu vereinten. An ihrer Seite trafen der Schwarzhorn Stamm, einige Bray und Ungor Herden und eine überschaubare Anzahl von, durch brutal wirkende, schweineartige Bestien gezogene, Streitwagen ein. Angeführt wurden sie von einer kleinen Gruppe Bestigors, an deren Spitze ihr Herrscher marschierte. Er stach auf eine ungewöhnliche Art sofort zwischen ihnen heraus. Abgesehen davon, dass er nur noch ein einzelnes Horn auf seinem Schädel hatte, war der bereits ergraute aber dennoch stattlich wirkende Gor beinahe komplett nackt. Ein Lendenschurz und eine kleine bronzene Unterleibsplatte, welche eher schmückenden Charakter hatte, waren alles was er trug. Diese offensichtliche Todesverachtung war äußerst selten innerhalb der Tiermenschen Gesellschaft und säte Angst und Respekt in den Herzen seiner Artgenossen. Bewaffnet war er mit zwei einfachen, runenverzierten Äxten. Keine riesige Zweihandaxt, keine mächtige magische Waffe, lediglich zwei einfache aber brutale Hand-Äxte. Er wirkte nicht wie die meisten Häuptlinge, denn in seinem Blick war etwas Leeres, Kaltes, Beängstigendes. Dieser Gor hieß Graktar und einst war sein Name Grund für Verzweiflung und Schrecken in diesen Wäldern. Er war eine wandelnde Legende, bis zu dem Tag an dem er eines seiner Hörner, seine Ehre als Herden-Oberhaupt und sein gesamtes Gefolge an einen seiner Schüler verlor. Er wurde verstoßen und musste fliehen. Er war nicht stark genug sich der Häme und Wut seiner ehemaligen Untergebenen zu erwehren aber er war auch nicht schwach genug um zu sterben. Seit diesem Tage sind viele Jahre vergangen und es war ein langer, blutiger Weg zurück an die Spitze einer unbarmherzigen und gewalttätigen Gesellschaft. Ein Weg den er nur aus einem einzigen Grund erneut gegangen war. Rache. Rache an dem, der ihm alles genommen hatte, außer sein Leben. Und es war Letzteres, das er bis ans Ende seiner Tage nie vergessen und verzeihen könnte. Diese offene Rechnung konnte nur auf eine Art begleichen werden, mit dem Tod… entweder Khazraks oder seinem.


    Mardugor empfing seinen Herrn mit Respekt. Er grüßte ihn und verlautbarte, dass seine Krieger bereit seien. Graktar erwiderte den Gruß mit einer vertrauten Unterarm-Begrüßung und nickte seinen Häuptlingen zu, die Truppenaufstellung zu organisieren. Als Vertrauter Graktars fiel Mardugor die Ehre zu, das Banner des Großhäuptlings in die Schlacht zu tragen und mit seinem Leben zu verteidigen. Mit geschulten Bewegungen und für Tiermenschen erstaunliche Präzision nahmen die Einheiten Aufstellung. Graktar ließ sofort Spähtrupps einteilen, welche herausfinden sollten ob es einen Frontverlauf gab und ob man den Gegner in die Zange nehmen könnte. Seine Krieger waren kampferprobt und bedurften nicht mehr vieler Instruktionen um ihre Aufgaben zu erkennen und auszuführen. Ein kurzer Befehl und ein bestätigendes Kopfnicken reichten in der Regel aus.


    Die Meutenbändiger hatten die wilden Hunde und Tuskgors zusammengetrieben, sodass sie nun damit beschäftigt waren sie im Zaum zu halten, bis es soweit war sie auf den Feind zu hetzen. In einem Flankenangriff konnte die Wildheit und Geschwindigkeit dieser Kreaturen von entscheidender Bedeutung sein um den Gegner zu überraschen und zu zerschlagen. Graktars Häuptlinge waren sich dessen bewusst und setzten die von ihm angeordneten Strategien und Taktiken so präzise um wie es ihnen nur möglich war. Keiner von ihnen wollte sich leichtfertig seinen Zorn zuziehen. Denn über jene, die ihn enttäuschten oder hintergingen, kam er wie der fleischgewordene Zorn der Götter, gefühllos und präzise wie eine Todesmaschine aus den Höllenschmieden des Blutgottes höchstselbst.


    Innerhalb von weniger als einer Stunde waren alle Truppen an Ort und Stelle und die Späher bereits tief in die Wälder vorgedrungen, um die genaue Position und Stärke des Feindes festzustellen. Alles war bereit und die Nerven der Anwesenden bis zum Reißen gespannt.

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  • Echt super tolle Geschichte lese hier schon länger mit. Habe mir seit the ninth age auch eine Tiermenschen Armee angeschafft und finde daher deine Beiträge sehr gut. So kann ich das wesen der Tiere besser verstehen. Vom Fluff weiß ich sonst nämlich bisher noch nichts.
    Immer weiter so soetwas bereichert unser Hobby




  • Kapitel 26 - Hammer und Amboss



    Gurlak ließ den Großteil seiner Häuptlinge und die Elite Krieger verdeckt auf den Flanken Aufstellung nehmen. Ziel war es, den Gegner zentral auflaufen zu lassen und dann von allen Seiten in die Zange zu nehmen. Das Gelände dafür war nicht ideal, aber es musste ausreichen. Die im Zentrum positionierten Gors würden in den Augen von Spähern die Hauptstreitmacht darstellen und auf den Flanken und hinter der Front platzierte Streitwagen würden den Eindruck erwecken, man bereite eine weiträumige Flankenbewegung vor. Wie weiträumig die Bewegung auf den Flanken jedoch tatsächlich war, sollte vor dem Feind verborgen bleiben.


    Nördlich der Stellung des Hauptheeres wuchsen Felsformationen aus dem Wald, welche die Ausläufer eines kleinen Gebirges bilden mochten. Hier würde die Leibgarde des Großhäuptlings Aufstellung nehmen und dem Feind in Flanke und Rücken fallen, wenn er die südwärts gerichtete Bewegung zur Einkesselung der Truppen vollführen würde. Die Opfertruppen im Zentrum würden natürlich lange genug standhalten müssen, bis sich die Zange ihrer Feinde schloss, welche schlussendlich selbst zerrieben werden sollte. Zu diesem Zweck ließ Gurlak viele, mit Schilden und Handwaffen ausgestattete, Gors aufmarschieren. Sie sollten der Amboss sein und hatten die Hauptlast des Kampfes zu tragen. Um ihnen die Wichtigkeit und Ehre ihrer Aufgabe bewusst zu machen, würde er sie das Banner der vereinten Herden, seine von Turgok getragene Kriegsstandarte, verteidigen lassen. Zudem wären einige der gefürchtetsten Häuptlinge zur moralischen Unterstützung unter ihnen. Nichts durfte dem Zufall überlassen werden. Denn mit dem Zentrum stand und fiel der Ausgang der Schlacht.


    Aus dem Südwesten, wo der Wald dichter war und Streitwagen nur wenig bis gar keine Möglichkeit zum Manövrieren hätten, würden schnelle Schocktruppen zuschlagen. Die Großzahl der hier im Unterholz versteckten Gors war nur gering bis gar nicht in Rüstungen gekleidet, um den Geräuschpegel so gering wie möglich zu halten. Sie waren ausschließlich mit Handwaffen ausgestattet, und konnten sich somit nicht hinter Schilden verstecken. Ihr Heil würde im Nahkampf der Schlacht liegen und Gurlak wollte dies unmissverständlich klar machen. Ohne diese Truppen drohte das Zentrum früher oder später unter dem Druck des Feindes zu zerbrechen. Sie mussten also schnell und rücksichtslos zu Werke gehen. Dafür wurden Gruben ausgehoben, in welchen sich die Gors unter Geäst und Blättern verbergen sollten, bis ihre Stunde geschlagen hatte. Ein weitläufiges Netz aus Spähern stellte sicher, dass niemand sich versehentlich dieser Position näherte, bevor die Krieger eingegraben und für das Auge des Unbedarften unsichtbar wären. Schamanen verliehen den Gors im Vorfeld Kriegsbemalungen, um ihnen magischen Schutz zu schenken, und erteilten den Segen der Dunklen Götter, was mit Nachdruck verdeutlichte, dass das Auge der Mächte des Chaos auf ihnen ruhen würde. Ebenso wie Gurlak, würden sie keine Gnade mit Feiglingen kennen. Aber dies war eine Tatsache, die keiner weiteren Worte bedurfte. Die Schocktruppen wurden ohne Wasser und Verpflegung stationiert. Die einzige Möglichkeit an Vorräte zu kommen lag also darin, sie ihren Feinden zu entreißen. Das verstanden selbst die Einfältigsten unter den Gors.


    Zu mehr als der Ausarbeitung und Umsetzung dieses Planes, sahen der Großhäuptling und seine Berater sich in so kurzer Zeit nicht in der Lage. Und auch das Heer des Feindes mochte wohl kaum mehr Gelegenheit gehabt haben, um eine komplexe Strategie auszutüfteln. Mit massiven Hinterhalten oder Überraschungen rechnete man also nicht. Hätte Gurlak gewusst, wer die Horden aus dem Norden führen würde, wäre er sich seiner Sache nicht mehr so sicher gewesen.

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  • Kapitel 27 - Die Schlinge



    Graktar und Mardugor führten ihre Horden von Gors auf breiter Front in Richtung Südosten. Denn dort lag, laut Berichten der Späher und Fährtenleser, das im Moment unbewegliche Heer des Feindes. Sie schienen zu lagern, hatten sich aber unter Umständen auch einfach nur eingegraben, da sie den Angriff erwarteten und sich in der Unterzahl fürchteten. Was Graktar selbst seinen eigenen Häuptlingen nicht erzählt hatte war, dass er bereits während der Truppenformierung Plünderer Einheiten entsandt hatte, welche das Gebiet weitläufig umgehen und einkreisen sollten. Von Norden her würden sie sich über den felsigen Gebirgsrand hinwegbewegen und Teil einer großen, um den Gegner gezogenen Schlinge werden. Das Selbe sollte von Süden her, durch die dichteren Waldgebiete hinweg, geschehen. Um den Plünderern die notwendige Zeit für den Weg zu geben, schickte er sie so früh los wie es nur möglich gewesen war. Kurz bevor seine Kombination aus Gors und Ungors im Zentrum, sowie Bestien auf den Flanken, zuschlagen würde, sollten die Plünderer in Position sein, um dem Gegner wie aus dem Nichts in den Rücken zu fallen. Er glaubte das Gebiet gut genug zu kennen, um zu wissen wie viel Zeit er ihnen für den Weg zu ihren Positionen einräumen musste.


    Die Plünderer waren indes schon auf halbem Wege und hatten im Norden die Ausläufer des Gebirges erreicht. Der Fuß des Berges war steinig und zerklüftet. Die Ungors, welche von einzelnen Gors geführt wurden, kamen somit relativ zügig und geschützt vor neugierigen Blicken voran, um dem Befehl ihres Herrn Folge zu leisten.


    Die Sonne berührte bereits den Horizont und tauchte den Abendhimmel in ein warmes, orangefarbenes Licht, als ihr Vormarsch abrupt endete. Vor ihnen waren Geräusche auszumachen. Der verräterische Klang von Hufen auf Stein, metallenen Rüstungsteilen, welche aneinander Klapperten und die Stimmen unzähliger Behufter, welche sich mehr oder weniger verständlich in der Dunklen Sprache unterhielten, deuteten auf eine Elite Einheit von Gegnern hin. Ob diese in Verbindung zu den im südlichen Wald gestellten Herden standen, war nicht eindeutig zu sagen. Aber im Zweifelsfall mussten die Plünderer vom Schlimmsten ausgehen. Jeder, den sie im Zuge ihrer Mission antreffen würden, galt als Feind.


    Langsam, und so leise sie es vermochten, kreisten sie die etwa vier Dutzend Caprigors zählende Einheit ein und machten sich bereit sie von allen Seiten mit Pfeilen einzudecken. Teilweise profitierten sie von einem Höhenvorteil, welcher ihnen einen guten Überblick über Zahl und Position des Gegners verschaffte. Aber auch die lagernden Bestigors waren nicht ganz allein gekommen und eine kleine Gruppe Späher, welche ursprünglich aus Merrhoks Herde stammte, wachte von einem höher gelegenen Felsvorsprung aus über die Leibgarde des Großhäuptlings. In beinahe perfekter Synchronisation ließen sie Pfeile von ihren Sehnen schnellen und ein Horn erschallen. Augenblicklich wandten sich ihre größeren Brüder in Richtung der aufragenden Felswand, um zu sehen wie die Ungors Geschosse zwischen die Felsbrocken und Klüfte feuerten. Als daraufhin das Horn des Bestigor Musikers erklang, geschah alles gleichzeitig. Die überraschten Plünderer feuerten in alle Richtungen, auf die unter ihnen in Deckung gehenden Bestigors und die über ihnen drohenden Ungor Bogenschützen. Die Gors gaben ihr Bestes, um den Beschuss so effektiv wie möglich zu koordinieren und brüllten wilde Befehle, während die in Stahl und Bronze gerüsteten Bestigors sich durch die Steinformationen an sie herankämpften. Die Gor Kommandeure sahen ihr Heil in der Defensive und ließen die Plünderer weitläufig zwischen den Felsen in Stellung gehen. Ein Guerilla-Kampf entbrannte, in dem viele Bestigors von Pfeilen getroffen zu Boden gingen, bevor sie die Schützen ausgemacht und neutralisiert hatten. Den Plünderern ihrerseits wurde jedoch ebenfalls von den Ungor Spähern hart zugesetzt und es war nur eine Frag der Zeit, wann die Plünderer sich aus der Schussweite ihrer Feinde zurückziehen müssten.


    Das Hereinbrechen der Nacht rettete Graktars Plünderer vor Schlimmerem. Sie zogen sich, versprengt in kleineren Grüppchen, in die Berge zurück, wo sie im Schutze der Dunkelheit verschwanden. Ihre Verfolger mussten schnell einsehen, dass sie bei diesen Sichtverhältnissen keine Chance hätten den Feind aufzustöbern, ohne sich selbst in beträchtliche Gefahr zu begeben. So blieben die Bestigors am Fuße des Berges zurück und ließen ihre Späher des Nachtens über ihr Lager wachen. Am nächsten Tag würden sie hinaufsteigen und die Feinde aus ihrer Deckung treiben.

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