Unterm Herdenstein (eine Tiermenschen Geschichte) - Des Dramas Vierter Teil

  • Kapitel 204 - Zorn und Frieden



    Merrhok musste erkennen, dass seine Zermürbungstaktik mit dem breitgebauten Bestigor gewisse Gefahren barg. Die vielen Schnitte hatten seinen Gegner bisher nur unwesentlich geschwächt, im Gegenzug genügte allerdings ein einziger glücklicher Streich mit der Zweihandaxt und er selbst wäre Geschichte. Je länger er sich auf dieses riskante Spiel einließ, desto größer wurde die Chance, dass es ihm schließlich zum Verhängnis werden könnte. Als er den Bronzehuf heulen hörte, war seine Entscheidung gefallen das Unvermeidliche nicht länger hinauszuzögern und kurzen Prozess zu machen. Selbstverständlich lag auch darin Gefahr, aber er musste im Moment einfach darauf vertrauen, dass die Dunklen Mächte seine Klingen führen würden. Ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht des stummen Gors als ihm bewusstwurde, dass seine Artgenossen die Nähe zu ihren Eltern und Erschaffern immer nur in der Stunde der Not zu suchen pflegten. Dann – und nur dann – betrachteten sie sie als ihre Götter, welche die Macht hätten ihre Schicksale zu lenken. Das Lächeln erstarb augenblicklich als ihm klarwurde, dass er selbst sich gerade eben zu solchen Torheiten hinreißen ließ und somit am Ende wohl keinen Deut besser war als jeder andere seiner Art. Wut war die Antwort, welche Merrhok sich selbst auf diese Gedanken gab. Wut gegen sich selbst und gegen die Dunklen Mächte, weil sie Jenen Schutz und Beistand versprachen, die sich unter ihr Joch begaben, ihre Macht mehrten und ihr Verlangen nährten.


    Seine nächste Parade nutzte der stumme Häuptling nicht mehr um dem Axtschwinger und seinem Schatten aus dem Weg zu gehen, sondern diesmal suchte er die unmittelbare Nähe. Dabei stach er mit der Klinge, in seiner Rechten, durch die Öffnung des Kettenhemdärmels hindurch, in die Achselhöhle des Bestigors hinein. Der Getroffene ließ mit einer Hand von seinem Beil ab und krümmte sich vor Schmerzen. So schnell wie er zugestochen hatte, war Merrhok auch schon wieder zurückgesprungen. Seine Klinge hatte er mit sich genommen. Ächzend und noch immer unter Qualen gebeugt, taumelte der Bestigor zurück. Durch den Stoff, die Kettenglieder und am Rande seines ledernen Überwurfs trat das helle Rot seines warmen Blutes hervor. Als er gegen seinen Kameraden – den mit zwei Handbeilen bewaffneten Zögerer – stieß, ging er schließlich zu Boden. Merrhok fixierte sofort die neuerliche Gefahr und versuchte einzuschätzen, worauf er sich gefasst machen müsste. Dann beschloss er seinen Gegner zu testen.


    Morghur, der Schädelmeister, war hin- und hergerissen zwischen all den Dingen, die um seine Aufmerksamkeit rangen. Zum einen fanden unmittelbar vor ihm die blutigsten Zweikämpfe seit langem statt, zum anderen näherten sich ihm stetig diese zwei Störenfriede, welche sich an seinen Winden der Magie bedienten und ihn darin störten, die Dinge um sich herum nach seinem Bilde umzugestalten. Ärger machte sich in dem uralten Wesen breit, andererseits hatte das Ganze aber auch etwas von einem aufregenden Spiel und er hatte sich schon seit langem nicht mehr so lebendig gefühlt wie hier und jetzt, von Angesicht zu Angesicht mit dem Tode und der unmittelbaren Gefahr. Wie ein unsichtbarer Magnet zog ihn dieser blutende, in Bronze gekleidete Behufte an und er konnte – nein, wollte – nicht widerstehen. So streckte er seine Klaue nach Ghorhok aus, als könne er ihn bereits berühren, wenn er nur wollte. Es war nicht möglich zu sagen was ihn so an dem Bronzehuf faszinierte, aber es war etwas Aufregendes, Verheißungsvolles. Ein bisher nie dagewesenes Verlangen hatte sich des Uralten bemächtigt und seine unstillbare Neugier nach dem Unbekannten wollte um jeden nur erdenklichen Preis befriedigt werden.


    Als Whargor durch den roten Schleier von Blut und Tränen in seinen Augen erkannte, wie dieses im stetigen Wandel befindliche Monstrum an seinen Herrn heranwalzte, gefror ihm der Lebenssaft in den Adern. Ghorhok stand mit dem Rücken zu dem Schädelmeister und ließ seinen Blick, in fast apathischer Bewegungslosigkeit, über die Kämpfe auf der Lichtung vor und unter sich schweifen. Die eigenen Schmerzen und die durch den Blutverlust bedingte Übelkeit ignorierend, schleppte Whargor sich in Richtung des Bronzehufs, bereit das Leben seines Meisters gegen alles und jeden zu verteidigen, auch wenn er dafür seinem schlimmsten Alptraum gegenübertreten müsste. Früher einmal, hätte ihn ein solcher Gedanke zögern oder erstarren lassen. Aber hier und heute war er erfüllt von einem unerklärlichen Gefühl der Sehnsucht und Hingabe, wie sie nie zuvor Teil seiner Persönlichkeit gewesen waren. Er wusste, dass er heute sterben würde. Ihm war noch nicht genau klar auf welche Weise es geschehen sollte, aber er hatte seinen Frieden damit gemacht.

    'I thought the beasts were simply mutants, human exiles devolved into man-beasts, altered by the power of warpstone. Certain of our learned professors claim as much.' Gotrek shook his head as if despairing at the folly of mankind. - Blood & Darkness (S.167)


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  • Kapitel 205 - Legende II



    Der Anblick des sterbenden Großhäuptlings versetzte den alten Graktar in freudige Erregung. In Anbetracht der Ausmaße und zunehmenden Unordnung, mit der die Schlacht vonstattenging, grenzte es schon fast an ein Wunder, dass die beiden Herdenführer zueinandergefunden hatten. Wunder oder Vorsehung, Graktar war es gleich. Er würde die Chance nutzen seinen Rivalen hier niederzustrecken, wo alle es sehen könnten. Aber bevor er diesem Herzenswunsch nachgehen konnte, wären da noch die Begleiter des Bronzehufs. Jeder von ihnen hatte Ruhm erlangt, indem er sich den Weg durch das Getümmel hierher freigekämpft hatte und somit läge auch Ruhm darin jeden von ihnen zu töten. Kurzentschlossen setzte sich der alte Großhäuptling in Bewegung, der nächsten und augenscheinlich größten Gefahr entgegen.


    Merrhok sah Graktar über die Schulter des ihm gegenüberstehenden Bestigors heranschreiten. Dabei hob der alte Großhäuptling die Arme zur Seite, wie zur Umarmung. Gerade wollte sein Gegenüber zum Angriff ansetzen, da ertönte Graktars röhrender Kriegsschrei. Merrhok sah wie der Bestigor sichtlich verunsichert zusammenzuckte und in seiner Angriffsbewegung innehielt. Der stumme Häuptling zögerte nicht und ließ eine seiner Klingen nach vorn schnellen, wie die Zähne einer lauernden Giftschlange. Der Bestigor reagierte instinktiv und riss seine Hand-Äxte nach oben, aber es war bereits zu spät. Merrhoks Krummschwert hatte ihm in den Hals gebissen und alles was seine Abwehrbewegung tat, war die Spitze der Waffe aus der Wunde herauszureißen. Augenblicklich deckte ein Sprühnebel die beiden Kontrahenten ein und dem überrumpelten Bestigor wurden die Knie schwach. Er taumelte zwei Schritte zurück und drehte sich in Richtung des herannahenden Graktar, nur um unmittelbar und erbarmungslos von ihm niedergetreten zu werden. Dabei würdigte der Alte seinen vormaligen Leibwächter keines Blickes und starrte stattdessen unablässig und emotionslos in Merrhoks Augen. Beinahe beiläufig erlöste er den Totgeweihten und stieg über die Leiche hinweg, auf den stummen Häuptling zu.


    Merrhok ergriff die Initiative und schoss vorwärts. Graktar war für sein Alter noch immer erstaunlich agil und kräftig. Er parierte den Doppelangriff den jüngeren Kontrahenten beinahe mühelos und antwortete mit einer ganzen Serie von Axthieben. In jedem seiner Schläge lag die Kraft eines Schmiedehammers und Merrhok hatte Mühe sauber und sicher zu parieren. Seine Hände fühlten sich bereits taub an, als schlüge er selbst auf einen Amboss ein und bei Graktars fünftem Hieb war es schließlich soweit. Die Schneide der Axt glitt an der Klinge des Schwertes ab und schnitt dem jüngeren Gor in den Unterarm. Die Wunde war tief und begann stark zu bluten, nachdem der erste Schock überwunden war. Um ein Haar hätte Merrhok sein Schwert fallen lassen, riss sich aber im letzten Moment zusammen. Er tat gut daran. Graktar hatte nicht vor, seinem Kontrahenten eine Pause zu gönnen und schlug weiter auf ihn ein. Wütend biss der stumme Gor die Zähne zusammen und kämpfte gegen den Schmerz an. Dann nutzte er eine Lücke in der Defensive des Alten und schlug blitzschnell zu. Graktar brüllte, als ihn der dunkle Stahl in Brust und Schulter schnitt. Mit neu aufgeflammtem Hass in den Augen schlug er zurück. Einmal, zweimal, ein drittes und ein viertes Mal. Der sprichwörtliche Schmiedehammer hatte sich nunmehr in einen ausgewachsenen, zweihändigen Kriegshammer verwandelt und Merrhoks Versuche, die Hiebe der beiden runenverzierten Äxte zu blocken, bröckelten unter der rohen, physischen Gewalteinwirkung.


    Merrhok dachte daran auszuweichen und die Attacken irgendwie ins Leere laufen zu lassen, aber der Alte war so schnell und gnadenlos wie er es kaum zuvor bei einem Gegner hatte erleben müssen. Schnell wurde ihm auf die wohl unangenehmste Art und Weise klar, wie Graktar es so schnell wieder an die Spitze einer solchen Herde hatte bringen können. Wer diesen Gor aufgrund seines Alters und dem Fehlen eines seiner Hörner unterschätzte, dem würde kaum Gelegenheit geboten diesen Fehler ein zweites Mal zu begehen. Vor Graktars Zorn und seinen eisenharten Attacken gab es kein Entrinnen.

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  • Oooh, mir schwant Übles...


    Das also sind diese Tage, an denen man zuhause sitzt, Bier direkt aus der kaputten Kaffeemaschine trinkt und wartet, dass es regnet, damit man endlich raus kann. - Horst Evers

  • Kapitel 206 - Der Tod klopft an III



    Merrhok wusste nicht mehr wie viele Angriffe er bereits abgewehrt hatte aber er war sich sicher, dass er keinen weiteren mehr verkraften würde. Aus dieser beängstigenden Befürchtung wurde Gewissheit, als ihn ein mörderischer Axthieb von oben heimsuchte. Der Angriff brach seinen Block und traf den stummen Häuptling am Schädel. Augenblicklich bekam seine Welt einen Riss, er sah schwarze Punkte und ging unfreiwillig in die Knie. Hätte Graktar es gewollt, wäre der nächste Schlag zum finalen Gnadenstoß geworden. Aus irgendeinem Grund hielt der Alte jedoch inne.


    Warmes Blut lief an Merrhoks Stirn hinunter. Er sah wie einzelne Tropfen an seiner Braue abperlten und zu Boden fielen. Dort gelandet, bildeten sie erst ein unregelmäßiges Muster – gleich einem weinroten Wachssiegel – und schnell wurde daraus eine beträchtliche Lache. Direkt dahinter sah er ein Horn liegen und er brauchte einen Moment um zu verstehen, dass es ihm gehörte. Völlig entgeistert blickte er nach oben, in das Antlitz des alten Großhäuptlings. Dieser ragte über ihm auf wie ein Baumstamm und seine Brust hob und senkte sich unter schweren Atemzügen. In seinem Blick lag etwas Undefinierbares. Was immer in ihm vorgehen mochte, Graktar schien für den Moment ebenso paralysiert wie sein Opfer. Dann raffte er sich schließlich auf, ließ seine Gedanken wieder fahren und schickte sich an die Axt zum alles beendenden Schlag zu heben.


    Merrhok spürte seine Hände nicht. Ein permanentes Hämmern dröhnte in seinen Gliedern und jeder Teil seines Körpers schmerzte bitterlich. Die Versuchung jetzt einfach aufzugeben und zuzulassen was käme war groß wie nie. Dabei war ihm durchaus bewusst, dass dies kein Spiel war. Er würde nicht am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen erwachen und seine Feinde verfluchen. Dies wäre das Ende, endgültig und unausweichlich. Was schließlich folgen sollte, war nicht das Resultat bewusster Entscheidungen oder eines eisernen Willens. Es geschah beinahe wie von selbst und Merrhok hätte schwören können, er habe nur unbeteiligt dabei zugesehen.


    Als Graktars Axt fiel, um den Schädel des jungen Häuptlings entzwei zu spalten, flammte ein Licht in Merrhoks Augen auf und seine Arme schnellten nach oben. Er hätte schwören können, dass er weder seine Finger spürte, noch dass er auch nur in der Lage gewesen wäre ein Schwert zu halten. Dennoch erhoben sich die gekreuzten Klingen über seinen Kopf, um Graktars Axt zu begegnen. Stahl traf auf Stahl und der Aufprall schien die Welt in ihren Grundfesten zu erschüttern. Beide Bewegungen kamen zu einem augenblicklichen Halt, nur um kurz darauf mit mörderischer Geschwindigkeit wieder auseinander zu wirbeln. Merrhoks Klingen – noch immer zur Abwehr gekreuzt – schossen nach vorn und schnellten sogleich, wie eine Schere, zu den Seiten weg. Graktar jaulte auf und musste ungläubigen Blickes zusehen wie seine abgetrennte Hand, mitsamt der umklammerten Axt, durch die Luft segelte. Kaum hatte er realisiert was geschehen war, richtete sich der blutüberströmte stumme Häuptling langsam vor ihm auf und begann sogleich auf ihn einzuschlagen, wie ein Berserker. Der Alte hätte schwören können, dass da ein Feuer in den Augen seines Kontrahenten brannte, welches vorher nicht dagewesen war. Merrhok kämpfte mit einem Mal wie ein neuer Gor. Graktar hingegen, konnte den unerbittlichen Angriffen mit seiner Linken allein nicht lange standhalten und so kam es wie es kommen musste. Die Krummschwerter des jüngeren Häuptlings wirbelten wie wild umher und fanden schließlich ihr Ziel. Graktar wankte, rang mit den Schmerzen und ging schließlich in dem Sturm aus Hieben und Stichen nieder.


    Aus unzähligen Wunden blutend, sah der Alte seinem Widersacher vom Boden aus in die Augen. In seinem Blick war etwas seltsam Friedliches und Merrhok hatte unweigerlich einen Déjà-vu Effekt. Zwei schwere Atemzüge vergingen, ohne dass einer der Beiden etwas tat, es folgte ein Dritter, ein Vierter und schließlich schloss Graktar seine müden Augen. Der schwere Kopf des Großhäuptlings sank langsam zurück, Muskeln und Glieder entspannten sich und in diesem Moment war Merrhok sich sicher sagen zu können, dass der Alte diese Welt verlassen hatte.


    Eine seltsame Stille legte sich über die Szene und – so kam es dem stummen Häuptling zumindest vor – auch über das gesamte Schlachtfeld, auf der Lichtung unter ihnen. Es war als hielten alle Anwesenden den Atem an und die Welt schien seltsam friedlich. Dieser magische Moment fand ein jähes Ende, als ein gellender Schrei den stummen Gor aus seiner Kontemplation riss. Sein Blick wanderte hinüber zum Ursprung des Tumultes und dann packte ihn das Grauen.

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  • Kapitel 207 - Gezeitenwende



    Whargor hatte sich todesmutig und mit letzter Kraft zwischen seinen Herrn und den Schädelmeister geschleppt. Insgeheim mochte er wohl wissen wie die Sache für ihn enden würde, aber es war ihm egal und sollte auch keine Rolle mehr spielen, denn das Schicksal nahm bereits seinen unabänderlichen Lauf.


    Der blutende Bestigor war beinahe in Angriffsreichweite des uralten Schamanen und stützte sich auf der Streitaxt ab, um nicht vor Schmerzen zusammenzubrechen. Gerade als er versuchte von allein zu stehen und die Waffe zum Schlag über den Kopf zu heben, verließen ihn die Kräfte. Von Schwäche übermannt, weigerte sich sein geschundener Körper ihm zu gehorchen und so ging er mit dem Knie des übel zugerichteten Beines zu Boden. Schaum vor dem Maul und den Schaft der Zweihandaxt krampfhaft umklammernd, machte er sich bereit seine Eidespflicht zu erfüllen und in genau jenem Augenblick geschah es. Morghur, der Schädelmeister, walzte auf einem stetig wachsenden und sich unter seiner Aura windenden Teppich aus Ranken und Wurzeln voran, geradewegs auf Whargor und Ghorhok zu. Noch bevor er den Bestigor berührt hatte, begann dieser unter erbärmlichen Schreien zu krampfen, als Spasmen seinen verstümmelten Körper heimsuchten. Unweigerlich ließ er die Axt fallen und begann sich am Boden zu winden, während längliche Dornen seinem gekrümmten Rücken entsprangen und sich durch die Roben hindurch ins Freie bohrten. Gebogen wie übergroße Rippen wuchsen sie in die Höhe, als ob sie einen zweiten, grotesken Brustkorb bilden wollten. Das Geheul des in Agonie vergehenden Berstigors erstarb schließlich, als seine Zunge auf Übergröße anschwoll und den gesamten Mundraum auszufüllen begann. Dann spaltete sie sich zu tentakelartigen Fortsätzen und auch die Gliedmaßen des Gors krümmten und verzerrten sich zunehmend. Whargor war schließlich nicht mehr als Behufter zu erkennen, als er sich – mindestens auf das Dreifache seiner ursprünglichen Größe angewachsen – aufbäumte und seltsame Geräusche von sich zu geben begann, welche keinerlei Worte oder Sinn erkennen ließen.


    Auch Ghorhok hatte sich – als es schließlich kaum noch zu überhören war – wieder dem Spektakel in seinem Rücken zugewandt und nun weiteten sich die Augen des blutüberströmten Großhäuptlings in Abscheu und Erstaunen zugleich.


    Diese Abscheulichkeit, welche einst Whargor gewesen sein mochte, wendete sich – in einem Ausbruch, der wohl Wut oder ein Rachebedürfnis sein mochte – gegen den Schädelmeister. Dabei gingen tentakel- und dornenbewehrte Gliedmaßen auf den uralten Schamanen nieder und rissen grausame Wunden in sein Fleisch. Viele der Schnitte begannen sich umgehend wieder zu schließen, aber die Schmerzen, welche das ewige Kind des Drakenwaldes zu erdulden hatte, waren und blieben real. Selbst Brak und Shargah konnten auf die Entfernung bezeugen, wie lichterloh die Flamme der Energie in ihm brannte, während seine magische Gegenwehr plötzlich drastisch zurückzugehen schien. In verteidigender Geste hob der Schädelmeister seinen gewundenen Schamanenstab, als ob er die vor sich befindliche Brut damit besänftigen oder gar aufhalten könnte. Aber das verzerrte Wesen wütete unentwegt, während seine Erscheinung sich fortwährend veränderte.


    Brak sah mit seinem dritten Auge gebannt zu, wie Morghurs magisches Leuchtfeuer schließlich schwächer und schwächer wurde. Vor ihnen begann der Widerstand der verbleibenden Gegner zu brechen und viele von ihnen wendeten sich zur Flucht oder wurden in einem gnadenlosen Gemetzel einfach niedergemacht. Ungors erklommen die Pferdekörper von Centigors, als ob sie auf ihnen reiten wollten, nur um sie mit schierer Masse, ihren Klingen, Keulen und Speeren niederzumachen. Wie tollwütige Raubtiere, begannen sie mit ihren Fangzähnen blutige Stücke aus dem Fleisch ihrer sich windenden Opfer zu reißen.


    Das Blatt hatte sich gewendet und nun waren es die Herden unter Graktars Banner, welche versprengt nach jedem Strohhalm griffen, um nicht bei lebendigem Leibe verschlungen zu werden.

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  • Bevor morgen das große Finale folgt, möchten sich die Darsteller und ich schon einmal ganz herzlich bei Euch allen bedanken...





    Graktar (Mentor des Khazrak)



    Gurlak (Der Verderbte)



    Turgok (Rußschnauze)



    Brak (Der Berührte)



    Ghorhok (Bronzehuf)



    Merrhok (Kopfjäger, Der Stumme)



    Shargah (Der Alte)



    Bratak (Der Weiße)



    Vielen lieben Dank an Euch alle für das Mitlesen und Mitfiebern, Fragen, Tüfteln, Einfordern, sowie die großartige Unterstützung - ganz gleich in welcher Form auch immer - über eine solch lange Zeit! Ohne Euch und Euer Interesse wären aus ein paar Zeilen zum Hintergrund einiger Tiermenschen Charaktere wohl kaum eine ganze Episodengeschichte und aus einem Teil wohl auch nicht eine Reihe aus vier Teilen geworden. Nach nunmehr zwei Jahren und über 137,000 Worten findet die Saga schließlich ihr Ende und ich hoffe Ihr hattet auch nur ansatzweise so viel Spaß daran wie ich selbst.


    Ganz herzlich, Danke!





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  • Kapitel 208 - Schicksal IV



    Ekel stand Ghorhok ins Gesicht geschrieben, als er die beiden in seinen Augen absolut widerwärtigen Ausgeburten in ihrem Überlebenskampf betrachtete. Ihre schiere Existenz war wie Öl, welches die schwache Flamme im Inneren des Großhäuptlings von Neuem zu nähren begann. Die schwere Axt fest mit beiden Pranken umschlossen, schob er seinen geschundenen Leib vorwärts, um diese Unaussprechlichkeiten vom Angesicht der Welt zu tilgen. Zu seiner Linken wankte – von ihm völlig unbemerkt – Merrhok langsam heran.


    Während der sterbende Schädelmeister sein Heil in der Flucht zu suchen schien, setzte Ghorhok dazu an die Brut, welche einst sein treuer Diener gewesen war, in Stücke zu hacken. Mit einem gutturalen Schrei und unter Aufwendung all seiner Kräfte, ließ der Bronzehuf die Streitaxt niederfahren. Dabei schoss erneut Blut aus der Wunde in seinem Bauch und tränkte den Boden der Anhöhe. Ghorhok zuckte nicht einmal und ließ einen Hieb auf den nächsten folgen, als gäbe es nichts unmittelbar Wichtigeres in der Welt, als sie von Mutanten zu befreien. Die Abscheulichkeit gab schrille Geräusche von sich, während ihre rosa und gräulich gefärbte Haut von tiefen Schnitten penetriert wurde. Wider Erwarten wehrte sich die Brut kaum, fast als wüsste sie noch immer wer der Großhäuptling war und dass ihm kein Leid geschehen dürfe. Das Kreischen der sterbenden Kreatur war ohrenbetäubend und erbärmlich. Sie wand sich unter Todesqualen und fast mochte man Mitleid mit ihr empfinden. Ghorhok fühlte nichts dergleichen.


    Dem übel zugerichteten Merrhok ging die hohe Frequenz durch Mark und Bein. Für einen Moment konnte er nicht anders als innezuhalten, während ihn ein starker Reiz überkam sich auf der Stelle zu übergeben. Er glaubte das käme von dem Treffer, den er am Kopf erlitten hatte und so kämpfte er gegen die Übelkeit an. Auf keinen Fall wollte er die Augen schließen. Denn wenn er es täte, würde er mit Sicherheit die Orientierung verlieren und unweigerlich zu Boden stürzen. Im Moment rang der stumme Häuptling mehr mit sich selbst als mit allem anderen und schließlich musste er erkennen, dass auch er nicht jeden Kampf gewinnen konnte. Dann übergab er sich, unter Scherzen und vornübergebeugt, während er unweigerlich ein paar Schritte zurücktaumelte.


    In der Zwischenzeit hatte Ghorhok sich fast gänzlich durch die Brut hindurchgehackt. Hier und da regten sich noch einige dornenbewehrte Gliedmaßen, wie die Beine einer sterbenden Spinne. Aber das konnte kaum darüber hinwegtäuschen, dass die Abscheulichkeit tot war. Der Bronzehuf schien nicht davon zu bemerken und es war eher der Mangel an Sauerstoff, welcher ihn dazu zwang seinen Tobsuchtsanfall zu unterbrechen. Er atmete schwer und seine Lungen brannten wie Feuer. Als er sich nach Morghur umschaute, konnte er keine Spur mehr vom Schädelmeister ausmachen. Dort, wo der uralte Schamane eben noch vor sich hin gekrochen war, befand sich nurmehr ein verdorrendes Gestrüpp, welches sich in das Dickicht des Waldes hineinzog und den Weg ins Unterholz schier unpassierbar machte.


    Der Bronzehuf sah an sich herab und betrachtete seinen in Blut gebadeten Körper. Dabei entfuhr ihm ein leises, unterdrücktes Lachen. Langsam wurde er sich dem Ernst der Lage und seines gesundheitlichen Zustandes bewusst. Leise und gepresst stammelte er: "Leben fließt… aus mir… heraus." Beinahe so, als wenn dieses Eingeständnis einen bisher verschlossenen Damm der Verneinung geöffnet hätte, wurden Ghorhoks Knie plötzlich weich. Er gab sich Mühe nicht zu fallen und benötigte einen Moment, bis er sich wieder im Griff hatte. Dann sah er auf. Zwischen all den Leichen, dem Blut und den herumliegenden Körperteilen, stand zusammen mit ihm nur noch ein einziger Gor auf der Anhöhe. Sein Blick verriet keinerlei Überraschung, wenngleich es das erste Mal sein mochte, dass er die Gegenwart des stummen Häuptlings hier oben tatsächlich bemerkte.


    Merrhok erwiderte den Blick des wankenden Bronzehufs. Er wusste, dass er der Einzige war, der die Worte des Großhäuptlings gehört hatte. Zu behaupten, dass sie ihn in irgendeiner Weise berührt hätten, wäre allerdings gelinde gesagt ein Akt der Heuchelei gewesen. Langsam – und nur unter Aufwendung all seiner noch verbliebenen Kräfte – taumelte der stumme Häuptling weiter vorwärts, auf Ghorhok zu. Ihre Blicke blieben die ganze Zeit starr aneinandergeheftet und keiner von Beiden ließ den Anderen auch nur den Hauch einer Emotion erhaschen. Hass, Rache, Wut oder Verachtung; darüber waren die beiden Gors eigenartigerweise lange hinaus. Stattdessen hatte sich etwas Anderes in ihre Köpfe geschlichen: die Erkenntnis, dass es hier oben nur noch zwei elementare Dinge für sie gab; die erbarmungslose Konsequenz ihres innigen Verlangens nach Macht und den eiskalten Griff des Todes, dem sich keiner von ihnen würde entziehen können.


    Lange, sehr lange, hatte der stumme Häuptling diesen Moment der Entscheidung herbeigesehnt. Er hatte sich unzählige Situationen ausgemalt, in denen er seine Konkurrenten stellen und nach langem Ringen schließlich bezwingen würde. Jedes Mal war er in diesen Fantasien als Sieger hervorgegangen. Immer hatte er einen Weg gefunden zu triumphieren. Aber nichts von dem was er sich vorgestellt hatte, kam auch nur im Ansatz der Realität nahe. Neben ihr musste jede Fantasie verblassen.


    Es gab nichts Wahrhaftigeres als das Gefühl von Schwäche und Erschöpfung, verursacht durch starken Blutverlust und völlige Verausgabung; die plötzliche Todesangst, welche einen hinterrücks überfiel, wenn man erkennen musste, dass es kein Entrinnen vor dem Unausweichlichen mehr gab; den Rausch, welcher entfesselt wurde, wenn man den metallischen Duft von Blut roch und das Adrenalin durch die Blutbahnen des eigenen Körpers schoss. Hier wogen die Waffen schwer in den Händen. Hier brannte die Lunge und dröhnte der Kopf. Hier verschwamm die Sicht, die Sinne spielten üble Streiche und die Glieder versagten ihren Dienst. Hier ließ der Blutverlust unaufhaltsam die Kälte in den Leib kriechen, Finger und Beine taub werden. Hier lähmte der Schmerz jede Bewegung und das Kunstwerk – welches einst der eigene Körper gewesen sein mochte – lag in Scherben. Hier war der Tod. Er stand direkt hinter dem stummen Häuptling und legte ihm langsam, kalt und lautlos die Hand auf die Schulter. Hier war der Rest seines Lebens.


    Ganz gleich wie er sich diesen entscheidenden Moment auch immer vorgestellt haben mochte, Merrhok würde die quälende Stimme in seinem Inneren ein für alle Mal zum Schweigen bringen. Das schmerzvollste und längste Kapitel seines Lebens fand hier und jetzt sein Ende.


    – ENDE –



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  • Hallo Merrhok,


    weißt Du wie ich finde, dass Du an dieser Stelle endest.


    :mauer:


    Aber so habe ich noch hoffnung auf eine Fortsetzung......


    Liebe Grüße


    Ein Fan

    Der Vater: 132 Machtpunkte, 2.550 Punkte Astra Militarum
    Der Sohn aka Luke: 138 Machtpunkte, 2.500 Punkte Eldar
    Der Kleine aka Shorty: 57 Machtpunkte, 1.023 Punkte Space Marines

  • Vortsetzung? ohne Merrhok? Oder verstehe ich den letzten abschnitt falsch. Merrhok stirbt doch im letzten satz.


    Also meines erachtens sind noch alle OPtionen offen! Ein Schamane oder die dunklen Götter können noch flux Einfluss nehmen und den Lauf der Ereignisse ändern!

    - Man kann bei der Wahl seiner Feinde nicht vorsichtig genug sein -

    The Lizard King

  • Also mir persönlich gefällt das Ende so sehr gut! Es ist, wie schon diskutiert wird, nicht zu eindeutig, aber auch nicht völlig offen. Ein weiterer "letzter" Kampf hätte diese passende Endstimmung nicht vermitteln können, wie ich finde.
    Vielen Dank, Merrhok, für das Durchhaltevermögen! Die Geschichte ist der Wahnsinn!
    Nur eins noch: Erst lässt du ihn sterben und dann wird er an Ende noch nicht einmal geehrt? Wo ist Kwurghor? :P


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  • Nur eins noch: Erst lässt du ihn sterben und dann wird er an Ende noch nicht einmal geehrt? Wo ist Kwurghor? :P 

    :D Wenn die Anzahl der Anhänge nicht limitiert wäre, hätte ich wohl jedem der Charaktere ein Einzelbild spendiert.


    Da das aber nicht ging, hab ich mich auf die Böcke beschränkt, die im letzten Kapitel noch dabei waren. (Wäre sonst eventuell auch verwirrend für jene Leser, die nur diesen Teil kennen und sich dann wundern wer denn dieser oder jener Gor ist.)


    Aber ich hab ihn ja in der Übersicht unten ebenfalls mit drin... Und weil Du so lieb nach ihm fragst, ist er hier auch nochmal...


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